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Wie geht es mit Snooker in Deutschland weiter?

7 Jahre 6 Monate her #12469 von Thomas Hein
Hallo Björn,

die Vereinbarungen mit Exutec sind allen Bundesligisten zugegangen. Daher stellt sich die Frage mit einem Tisch oder einem Spiel garnicht.

DBU Landesverbände
Zur Information
DBU Präsidium
Exutec Sports GmbH

17.11.2009

Informationsschreiben zur Übertragung von Spieltagen im Internet zur Saison 2009/2010
Liebe Billardfreunde,
da die DBU seit geraumer Zeit immer mehr Anfragen von Vereinen zur Ausstrahlung von live Bewegt-Bildern im Internet erhält und die DBU in den letzten Jahren auf Grund der Bindung mit RTV/SportA (TV-33er Vertrag) diese immer negativ beantworten, bzw. an die Vertragspartner verweisen musste, haben wir den Schritt getan uns von unserem langjährigen Partner RTV zu trennen, um den Sport Medial eine neue Ausrichtung zu geben. Seit Anfang Oktober ist unser neuer Partner EXUTEC Sports Rechtinhaber der Medien und Werberechte und wird sich für die Vermarktung des Sportes in den nächsten Jahren einsetzen. Wir freuen uns ein so professionelles Unternehmen gewonnen zu haben, um gemeinsam neue Wege zugehen. Aus diesem Grund bietet Exutec Sports den Vereinen für die Saison 2009/2010 folgende Optionen um sich zu präsentieren.
1. Die Vereine erhalten gegen eine Lizenzgebühr von 500,- Euro pro Saison die Möglichkeit Ihre Heimspiele in der Bundesliga sowie in der Regionalliga selber auszustrahlen und zu vermarkten.
2. Oder, die Spieltage über die Billardarea deutschlandweit auszustrahlen. (Minimum Anforderungen für einen Live-Stream auf Anfrage), dafür entstehen dann nur Lizenzkosten in Höhe von 100 Euro.
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7 Jahre 6 Monate her - 7 Jahre 6 Monate her #12470 von Bjoern xx
Hallo Thomas,
vielen Dank und genau dass spiegelt das Problem perfekt wieder.

Es gab also ein Rundschreiben 2009 an die Vereine bzw. an die damals Verantwortlichen.

Nun ist es über die Zeit normal dass sich Vereine verändern und auch Vorstände gehen und kommen. Teilweise nicht ganz reibungslos und so weiter.
Sprich einige Jahre später fängt ein Verein an sich komplett neu zu strukturieren hin zu gut oder „semi professionell“ geführt, dann fehlen alte Rundschreiben……
In anderen Sportarten gibt es dafür ganz klare öffentliche Schreiben bzw. Satzungen.
Bsp. Wenn sie zukünftig Reg. Liga spielen dann kommen folgende Voraussetzungen auf sie zu und folgende Leistungen können sie dafür erwarten.
Für die 3., 2. und 1 BL gilt dann folgendes……..

Man sollte doch annehmen dass bei all den Problemen die zuletzt bei der DBU zugegen waren nun eine absolute Transparenz vorhanden sein sollte.
Aber nein irgendwie ist genau das Gegenteilige der Fall.
Wir Vereine haben in einer der schwärzesten Stunden der DBU durch unsere Meldung in der 2. und 1. BL eine klare Stellung bezogen und dass ob wohl nicht mal klar war welche genauen Kosten durch die „Rettung“ auf uns zukommen.
Dafür schwimmt man nun in der Ahnungslosigkeit und kommt sich fast als ein Franchisingnehmer vor der davon gar nichts wusste………….

Ich hoffe durch diese Bsp. Klarheit in meine begründeten Anliegen zu bringen.
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7 Jahre 6 Monate her #12471 von Andreas Heidt
Hallo Thomas und Björn,

der Vertrag mit Exutec kann, soweit ich es aus der Distanz betrachte (ich habe ihn nicht gelesen, ich war aber seit dem Diskussionsbeginn der Meinung), rechtlich keinen Bestand haben.

Auf jeden Fall ist die derzeitige (aber auch seit der "Vorstellung" von Exutec) Vorgehensweise der DBU rechtlich unwirksam. Grundsätzlich können die Bundesligavereine ihre Heimspiele über Livestream übertragen und die DBU würde sie rechtlich nicht belangen können, weil, stichwortartig genannt, die DBU die Urheberpersönlichkeitsrechte oder die Rechte am eigenen Bild, geschweige denn die Urheberpersönlichkeitsrechte im Zusammenhang mit den Jugendschutzgesetzen, erworben hat. Folglich könnte die DBU diesbezüglich auch keine Ansprüche gegen die Vereine geltend machen.

Würde also ein Bundesligaverein ein Spiel über Livestream zeigen, könnte allenfalls Exutec gegen die DBU vorgehen (wenn der Vertrag mit Exutec doch "gerettet" werden könnte, wie gesagt, ich habe den Vertrag nicht gelesen), gegen die Vereine könnte Exutec selber nichts machen.

Ich schreibe derzeit an einer Zusammenfassung für das Thema "Presseoffensive", welches aber mit dem Thema hier zusammen gehört, dort möchte ich mehr auf die Einzelheiten eingehen.

Für diejenigen, welche jetzt schon als Vereine ihre Gewissheit haben möchten, dürfen sich an einen meiner Kollegen vor Ort wenden, der wird es bestätigen. Die reine Beratung (ohne Gutachtenerstellung) würde bei einem Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht zwischen EUR 200-400 kosten (mehr sollte nicht akzeptiert werden) und müsste für diejenigen, welchen es ums Prinzip geht, nicht wirklich teuer sein. Es können auch ein Paar Vereine zusammenlegen und die Beratung gemeinsam verwerten. Gerade bei Euch in Berlin (ich meine Björn) gibt es einige gute Kollegen auf diesem Fachgebiet.
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7 Jahre 6 Monate her #12472 von Bjoern xx
Vielen dank für Deine Einschätzung Andreas.

Nur um ein kleines für mich unbedeutendes Missverständnis zu klären, ich bin Vorstand, Manager und privater Sponsor vom Snookerverein Neu- Ulm aber spreche sicherlich für mehrere Vereine in dieser Sache.
Gerade im Live Stream gab es für mich/ uns einen Vorreiter der nachahmungswert war in der 1. BL. dessen Namen ich jetzt hier nicht benennen will aber ich glaube jeder weiß welchen Verein ich meine.

Mal sehen ob wir Vereine zusammenlegen….und….oder was für ein neues Projekt uns Thomas Hein bzw. die Firma Exutec vorlegt.

Ich freue mich bereits über Dein Schreiben im Bezug auf die Presseoffensive.

Herzlichen Dank und Gruß

Björn

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7 Jahre 6 Monate her #12473 von Andreas Heidt
Na dann sind wir ja fast Nachbarn und Du bist herzlich zu mir nach München eingeladen (früher Stuttgart), dann lege ich Dir die kompletten rechtlichen Vermarktungsunterlagen vor, welche das ganze Spektrum offenbaren.

Und richte bitte von mir einen Gruß an Uli Huber aus, seinetwegen fühle ich mich Dir gegenüber sogar sowas wie verpflichtet die vollständige Information nicht vorzuenthalten.

Gruß
Andreas

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7 Jahre 6 Monate her #12474 von Bjoern xx
Hallo Andreas,

auf dieses Angebot werde ich ganz sicher sehr gerne zurückkommen und die Grüße werde ich selbstverständlich umgehend weiterleiten.
Vielen Dank für Deine Bemühungen.

Gruß Björn



An Thomas,

gerne komme ich auf Dein Angebot zurück dass Du mir den Haushaltsplan der DBU zukommen lässt.

Auch die Haushaltspläne und Abschlüsse sollten nach meinem Dafürhalten in Anbetracht der DBU Vergangenheit öffentlich zugänglich sein.
Auch hier halte ich eine zukünftige absolute Transparenz für zwingend angebracht um ein neues Vertrauen aufzubauen.

Vielen Dank schon mal.

Gruß Björn

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7 Jahre 6 Monate her #12475 von Snooker147
Hallo zusammen,

ich kann mich gut erinnern, als wir noch in der 1. Buli waren und ich hier bei uns vor Ort
einen TV Sender gefunden habe, der für uns "umsonst" ein Heimspieltag Wochenende filmem wollte.

Glücklicherweise hatte ich sicherheitshalber erwähnt, dass man die DBU noch "fragen" sollte,
ob das so auch i.O. geht.

Ich habe dan Tage später vom TV Sender die Antwort erhalten, dass sie an die DBU einen recht
GROßEN Betrag zahlen sollten und haben bei uns dankend abgelehnt.

Seither scheue ich mich diese Thema erneut anzugehen auch wenn wir nur in der 2. Buli spielen.

Wenn mir jetzt einer sagt bzw. schriftlich bestätigt, dass wie ohne Stress einen TV Sender
fragen können, als her damit.

Mikel

SC 147 Karlsruhe
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7 Jahre 6 Monate her #12476 von Andreas Heidt
Hallo Mikel,

lass mir bitte ein Paar Tage Zeit, dann werde ich einen Beitrag zu den Senderechten der Vereine und den fehlenden Rechten der DBU schreiben. Mit diesem Beitrag können dann die Vereinsverantwortlichen sich vor allem an eine fachkundige Person vor Ort wenden und diese weiß dann ziemlich schnell, wo genau die rechtlichen Probleme liegen. Denn selbst wenn man sich an eine Fachkundige Person wendet, so kennt sie einfach nicht die Strukturen der DBU und müsste einen Kollegen für Gesellschaftsrecht hinzuziehen (diese müsste dann recherchieren), womit die Sache nur teuerer wird.

Nur als Stichwort: Die DBU ist ein gemeinnütziger Verein und kein Wirtschaftsverein, weshalb sie strengen Regeln unterliegt, sobald sie sich wirtschaftlich betätigen möchte. Und wenn die DBU von einem Sender Geld verlangt, so befindet man sich damit bei einer wirtschaftlichen Betätigung. Sicher könnte man die Zahlung des Senders noch als eine Spende verpacken, doch diese geht fehl, weil die DBU in ihren eigenen Regularien es nicht als Spende bezeichnet, unabhängig davon, dass einige dieser Regelungen der DBU nicht wirksam sind. Sollte also einer auf die Idee kommen und in solch einem Fall das zuständige Finanzamt informieren, so hätte die DBU zusätzliche Probleme. Unabhängig davon hat die DBU keine Urheberpersönlichkeitsrechte erworben, um diese überhaupt zu "handeln".

Und auf einen Unterschied muss noch kurz hingewiesen werden, weil es sicher einige kaufmännisch Vorgebildete in diesem Forum gibt und sie damit etwas anfangen können:

Während es grundsätzlich einen gutgläubigen Erwerb an beweglichen Sachen (also Gegenständen) gibt, so gibt es grundsätzlich keinen gutgläubigen Erwerb an Rechten.

Und ein Erwerb von Persönlichkeitsrechten muss sehr genau definiert werden und hat viele Hürden, erst recht hat dieser Hürden, wenn Persönlichkeitsrechte von Jugendlichen erworben werden. Und in der Bundesliga oder anderen Ligen kommt es immer mehr zum Einsatz von Jugendlichen.
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7 Jahre 6 Monate her #12480 von litho
uui daas könnte spannend werden. Zumal die DBU meines wissens nach keinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb hat, sondern zu diesem Zwecke die SMV GmbH seinerzeit gründete. Sie Verkauft mittlerweile nur die Medienrechte en bloque, zur Zeit eben an exutex.

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7 Jahre 6 Monate her #12488 von Andreas Heidt
Hallo Mikel,

die Lage zu den Senderechten werde ich in meinem zweiten Teil darstellen, hier aber vorab eine Darstellung der vorhandenen Probleme und deren Lösungsvorschläge zu dem hier als Überschrift genannten Thema.

Der zweite Teil folgt in kommenden Tagen.


Lösungsvorschläge Teil 1

Um auf die Lösungsvorschläge der Probleme um Snooker in Deutschland einzugehen, werden vorab die Probleme selbst erläutert.


I. Das Hauptproblem: kein Mitgliederzuwachs der DAUERND aktiven Spieler

1. 80% der heutigen aktiven Spieler sind seit mehr als 10 Jahren dabei, ein Großteil von ihnen noch viel länger. Als ich vor ca. 20 Jahren mit dem Snooker begonnen habe, gab es alle drei Monate durchschnittlich 30 neue Mitglieder, wovon man heute nur träumen kann. Sicher muss hier gesagt werden, dass von den ständig neuen Mitgliedern die meisten das Feuer nur für eine kurze Zeit gefangen haben und schon nach kurzer Zeit keine Mitglieder mehr waren. Doch der permanente Durchlauf führte dazu, dass von den vielen Interessenten auch ein Paar länger oder bis heute blieben, womit die Anzahl der ständigen Mitglieder nach und nach wuchs.

Heute gibt es gar keinen Mitgliederdurchlauf mehr, so dass auch nichts hängen bleiben kann.

Von den anderen 20% der heute aktiven wären vermutlich viele keine Mitglieder, wenn sie unter den selben Umständen beginnen müssten, wie das zu meiner Zeit der Fall war. Denn damals gab es keine Vereinsheime für Snooker, in denen man heute für einen Kleinbetrag (gemessen an dem was wir zahlen mussten) einen Schlüssel erhält und rund um die Uhr spielen kann. Es gab auch sehr selten Billardlokale, deren Inhaber dem bei ihm spielenden Verein und damit deren Spielern günstige Konditionen geboten haben, es war etwas günstiger, mehr aber auch nicht. Bei uns wurde außerhalb der zweimaligen kostenlosen Trainingszeit in der Woche, in der alle Tische überbelegt waren, die anderen 30 bis 50 Stunden die Woche bar bezahlt, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wenn man dann noch heute die Möglichkeit der eigenen Verpflegung (Getränke etc.) bedenkt, so kommen viele neuen Spieler (aber natürlich endlich die alten) heute sehr gut davon.

Damit will ich aber auch keine Geizdebatte beginnen, sondern nur auf die Tatsachen hinweisen, dass nicht viele zu der Opferaufbringung bereit wären, wie es viele vor ihnen waren.

Mit der Opferaufbringung zeigten aber die alten Hasen auch ihre immense Liebe zum Snooker, während andere zu ihrer Zeit bei in etwa gleichen Einkommens- und Lebensverhältnissen nicht bereit waren diese Opfer dauerhaft zu bringen und schon nach kurzer Zeit keine aktiven Spieler mehr waren.

Aber auch die Liebe der alten Hasen darf man auf keinen Fall überbewerten, weil auch von ihnen heute viele nicht mehr dabei wären, wenn sie keine Möglichkeit in einem Vereinsheim spielen zu können, bekommen hätten. Denn die höchsten Stundenpreise zahlte man 1995 in München im Breakers, es waren 17,- DM (heute 8,50 EUR) zu Hauptzeiten, während man sonst überwiegend 12,- DM (heute 6 EUR), mancher Orts auch nur 10,- DM (also heute 5 EUR), als NICHT-Mitglied zahlte. Heute zahlt man die gleichen Preise nur in EUR und das Leben ist insgesamt teurer geworden, das man für das gleich verdiente Geld weniger kaufen kann. Gerade hier wird deutlich, dass die Anzahl der heute aktiven Spieler beim Fehlen der vor ca. 10 Jahren vermehrt auftauchenden Vereinsheime, mit Sicherheit nur bei der Hälfte liegen würde, weil viele der alten Spieler mit dem Alter mehr Verpflichtungen haben und bei solch einer langen Dauer nur wenige durchgehalten hätten.

Und dann haben die Vereinsheime noch hinsichtlich der Jugend einen wichtigen Beitrag geleistet, wenn auch diesbezüglich vieles verbessert werden muss, wozu ich noch unten eingehen werde. Doch hier kann schon vorab folgendes gesagt werden: Spieler wie Sascha Diemer, Lasse Münstermann, Sascha Lippe, meines Wissens auch Patrick Einsle mussten in ihrer Lernzeit kein Geld , wie die anderen, für das Spielen oder Trainieren bezahlen. Sie waren 12 oder 14 als sie anfingen und konnten so viel spielen und trainieren wie sie wollten, während andere in ihrem Alter nur davon träumen konnten. Alle drei (beim Patrick weiß ich es nicht genau) haben durch ihre Eltern die Möglichkeit dazu erhalten. Und mehr noch, sie haben auch die Möglichkeit erhalten viel Turniererfahrung zu sammeln, was damals bei regelmäßigen Turnierteilnahmen Monat für Monat viel Startgeld gekostet hat. Leider waren es damals nur diese 4 und keine 400, weil anderenfalls die Wahrscheinlichkeit sicher höher gewesen wäre, dass es einer bis zum erfolgreichen Profi geschafft hätte.

Als es dann die Vereinsheime gab, dann sind die vielen guten jungen Spieler wie Armin Schmidt, Patrick Dauscher, Yusuf Nawabi, Roman Dietzel, Julian Breier usw. wie die Pilze aus dem Boden geschossen, weil das Spielen nun für alle erschwinglich wurde. Hier möchte auf jeden Fall hinweisen, dass diese Aufzählung auf keinen Fall abschließend ist, die Zahl also höher und auch die Reihenfolge keine Rangvergabe von mir ist, und ich diese Spieler nur beispielhaft nenne. Ohne die Vereinsheime wären die meisten Jugendlichen ohne ihre Eltern schon gar nicht in die Kneipen hereingelassen worden, geschweige denn das Geld gehabt um so viel spielen und entsprechendes Spielniveau erreichen zu können. Gleichzeitig wird auch die oben geforderte Zahl von mindestens 400 auf andere Weise bestätigt, nämlich, obwohl wir heute mehr an diesen oben genannten jungen Spielern haben, ist keiner auch nur in die Nähe eines Profitickets gekommen. Das darf nicht als Kritik an diesen jungen Spielern aufgefasst werden, sondern nur verdeutlichen, wie viele Umstände eine Rolle spielen, dass einem eine erfolgreiche Profikarriere gelingt und dass es einer sehr großen Anzahl von überragenden jungen Spielern bedarf, bevor es einer tatsächlich soweit schafft. Das sieht man auch an unserem Nachbarland Belgien, dort gab es schon Anfang der 90-er Jahre, also als Sascha Diemer und Lasse Münstermann sich noch über einen 40-er Break gefreut haben, jede Menge Spieler, die laufend über 100 schossen und trotzdem es nicht in den erfolgreichen Snookerkreis (32) geschafft. Soweit, wie es Luca Brecel geschafft hat, ist kein belgischer Spieler gekommen, es hat sich höchstens einer immer wieder bis in die erste Runde qualifiziert, um abgeschossen zu werden.

2. Folglich sind von den oben genannten 20% die meisten viel Jünger, als die gegenüberstehenden 80%. Diese Realität darf man nicht aus den Augen verlieren und sich stets dessen bewusst sein, dass es die 20% unter Umständen sonst nicht gegeben hätte (bei Fehlen der günstigen Möglichkeiten) und von den 80% auch nur die Hälfte da wäre.

Und man sollte sich auch dessen bewusst sein, dass schon sehr bald diese 80% die aktive Snookerszene nach und nach immer mehr verlassen werden, und dass es gerade diese 80% sind, welche das Snooker in Deutschland am Leben erhalten. Hier mache ich nur ein einfaches Beispiel nennen: Wenn morgen 10 alte Leistungsträger des Rüsselsheimer Vereins das Handtuch werfen, wird der Verein über kurz oder lang untergehen. Das selbe würde aber in München, Hamburg, Berlin, Essen, Stuttgart usw. auch passieren. Die meisten übrig gebliebenen hätten keine Lust die Verantwortung oder genauer: die persönliche Haftung für Miete, Investitionen, Organisation und etc. zu übernehmen.

Hier sieht man also ganz genau, dass die Lage in Wahrheit nicht gerade berauschend ist, obwohl wir in den letzten 10 Jahren über das Fernsehen mit Snooker nur so verwöhnt wurden und nach wie vor werden, dieses Verwöhnen uns aber ausschließlich nur am Leben erhält und keinen wesentlichen Fortschritt herbeiführt. Denn hier muss auch daran erinnert werden, dass, als es ab Mitte der 90-er bis Anfang 2000 kein Snooker mehr regelmäßig im Fernsehen gezeigt wurde, es einen plötzlichen Einbruch an Neuzugängen gab. Regelmäßig heißt , eine Ausstrahlung unterschiedlicher Turniere über das ganze Jahr in etwa wie heute und nicht bloß die damalige European Snooker League einmal im Monat.

Und obwohl wir, genauer: vor allem die Noch-Nicht-Spieler, also heute mit Snooker im Fernsehen nur so verwöhnt werden und wir die Vereinsheime haben, haben wir insgesamt nicht wirklich mehr aktive Spieler, als es sie Mitte der 90-er gab. Die Gesamtzahl hat sich mehr oder weniger stabilisiert, wirklich wachsen tut sie aber nicht. Hierzu muss man nur einen Blick in alte DIN A6 Hefte des damaligen DSKV werfen, vor allem in die Abschlussrangliste am Jahresende. Die Gesamtzahl der aktiven Spieler lag in den guten Jahren bei ca. 1000. Heute ist die Gesamtzahl der aktiven Spieler nicht höher, sie ist nur anders verteilt. Während es früher nur Turniere und keinen Ligabetrieb gab, so gibt es heute beides, womit die Anzahl der Turnierspieler kleiner geworden ist. Hier muss man auch noch anmerken, dass es insgesamt, trotz vieler kritischer Stimmen zum Ligabetrieb (dazu später noch), noch weniger aktive Spieler gegeben hätte, wenn es den Ligabetrieb gar nicht gegeben hätte. Vor allem die jungen Spieler erhalten dort regelmäßig eine kosten-günstige Möglichkeit Turniererfahrung zu sammeln.

Natürlich ist die breite aktive Masse heute viel besser als damals. Darum geht es aber hier nicht, die Gesamtzahl der dauerhaft aktiven Spieler bleibt annähernd gleich.

3. Folglich muss man sich fragen, warum es keinen Gesamtzuwachs mehr gibt, obwohl wir den Ligabetrieb, die Vereinsheime (oder bessere Lokalbetreiber mit guten Konditionen) und auch die Snookerwerbung über das Fernsehen haben?

Hier kann vorab beruhigt werden, dass der Zuwachs an der Gesamtzahl der aktiven Spieler in allen Sportarten und deren Sparten ca. ab dem Jahr 2000 in Deutschland mehr oder weniger stehen geblieben ist, ob das nun Tennis, Fußball oder Leichtathletik ist. Auch Poolbillard, welcher in den 80-ern und 90-ern einen immensen Zulauf hatte, würde sich über die Wachstumszahlen von damals freuen. Vor allem in den Großstädten ist es schwer geworden, dort haben die Jugendlichen ein breiteres Angebot an Sportarten, während sie sich auf dem „Lande“ (Städte weniger als 150.000 Einwohner) mehr oder weniger mit dem abfinden müssen, was da ist, weshalb die Auswirkungen nicht ganz so schlimm sind. Was ist also geschehen?

Meine eigene These, welche ich (nicht als einziger) seit langem vertrete und viele die mich kennen es wissen, ist das Auftauchen vom Internet, Verbreitung von Computerspielen und alles was damit verbunden wird. Als ich und alle anderen in den 80-ern 10 Jahre alt waren, hatten wir so was nicht, also haben wir einen richtigen und keinen virtuellen Sport getrieben, schließlich war es zu Hause langweilig.

Heute und langweilig??? Man braucht schon Stunden um den ganzen elektronischen Schriftverkehr (E-Mail, Facebook, Twitter und etc.) zu lesen. Folglich ist man mehr nur als abgelenkt und ausgefüllt.

Es nützt nur nichts diesen neuen technischen Zustand zu kritisieren und ihm alle Schuld zuzuschieben. Schwerwiegende gesellschaftliche Veränderungen gab es schon immer, das ist aber kein Grund sich hängen zu lassen und alles als aussichtslos zu betrachten. Denn wenn es auch in allen Sportarten zu keinem Wachstum mehr kommt und die Neuzugänge konstant auf einem Level bleiben, so haben viele Sportarten gemessen an Snooker konstant hohen Level, d.h. bei denen kommen jährlich einige Tausend und gehen natürlich wie früher nach einer Zeit wieder, doch es bleiben von diesen vielen Tausenden ein oder zwei Tausender hängen, während es bei uns bundesweit kaum 200 sind.

4. Da es also immer noch Tausende gibt, welche sich für einen Sport begeistern lassen, müssen wir die Probleme lösen, auf welche wir einen Einfluss haben.

Und diese SIND (ich sage bewusst nicht, NACH MEINER MEINUNG SIND ES …..; es sind diese und keine anderen):


1. Schlecht organisierter Sportbetrieb
2. Schlechte Werbung der Vereine
3. Schlechte Jugendarbeit
4. Schlecht organisierter Verband (Landesverbände sind da nicht ausgenommen)

Nachfolgend sollen also die jeweiligen Problemthemen mit ihren guten wie schlechten Seiten sowie deren jeweiligen Lösungsvorschlägen dargelegt werden.



II. Spielbetrieb

Der ideale Sportbetrieb beinhaltet einen gut funktionierenden Liga- wie auch Turnierbetrieb, unabhängig von der Sportart und unabhängig davon, ob es ein Mannschafts- oder Einzelsport ist. Es bedarf also Vielfalt und keiner Einseitigkeit.

1. Ligabetrieb hat den immensen Vorteil gegenüber dem Turnierbetrieb, dass man sich mit (fast) allen Spielern eines bestimmten Levels messen kann. Zu meiner aktiven Spielzeit in der Liga habe ich fast gegen alle guten Spieler gespielt und auf diese Weise genau sehen können, wo ich tatsächlich stehe.

Bei einem Turnierbetrieb trifft man selbst bei regelmäßigen Teilnahmen nicht auf alle Spieler, so einfach ist es.

Aus sportlicher Sicht ist der Ligabetrieb auch mit mehr (wenn auch nicht bei allen Spielern) Beständigkeit verbunden, damit meine ich regelmäßigeres Training. Denn die Turniere spielen viele, so wie sie sich fühlen bzw. es ihnen die Umstände erlauben. Wenn einer grundsätzlich auf einem hohen Niveau spielt, im Augenblick aber Trainingsdefizit hat und von seiner sonstigen Form entfernt ist, so geht er oft nicht zu einem Turnier, bei dem er weiß, dass dort viele gute Spieler anwesend sein werden. Schon die eigene Eitelkeit hält viele davon ab. Zwar gibt es davon auch Ausnahmen, doch man muss immer nach dem Normalfall und nicht nach dem Ausnahmefall die Gesamtlandschaft betrachten.

Beim Ligabetrieb gibt es festgelegte Spieltage und die meisten bereiten sich wohl oder übel darauf vor, weil sie wissen, wie wichtig es für die Mannschaft ist beim nächsten Spieltag Erfolg zu haben. Da werden dann auch schon die privaten Umstände den Spieltagen angepasst. Bei einem Turnier wird dagegen kurzer Hand nicht gemeldet, wenn die Umstände schwierig sind und man tröstet sich damit, dass man ja dann für das nächste Turnier meldet. Und selbst wenn man für ein Turnier sich nicht vorbereitet, so hat man kein schlechtes Gewissen, dass man verliert, wenn man sich auch trotzdem darüber ärgert. Beim Ligabetrieb hat man der Mannschaft gegenüber schlechtes Gewissen, beim Turnierbetrieb ist man niemanden etwas schuldig. Beim Ligabetrieb werden auch viele gute Spieler von eigenen Mannschaftsspielern mit Bitten überhäuft, damit sie es ja doch irgendwie schaffen an einem Wochenende mitzuspielen, wenn sie eigentlich verhindert sind, beim Turnierbetrieb gibt es so etwas selten.

Diese Darstellung der Unterschiede soll aber nicht darlegen, dass der Ligabetrieb besser als Turnierbetrieb wäre. Nein, sie sind einfach völlig unterschiedlich und befriedigen beide auf ihre eigene Weise die Bedürfnisse der Spieler. Gerade deswegen braucht man auch beide Systeme, um eben diese verschiedenen Bedürfnisse zu befriedigen. Es soll jedem einzelnen selbst überlassen werden, wo er spielen möchte. Vor allem den Anfängern wird durch beide Systeme mehr Anreiz gegeben aktiv zu werden, denn man weiß es vorher nie, welches System die Neuankömmlinge vorziehen werden.

2. Und viele, welche den Ligabetrieb kritisieren und diesen abschaffen möchten, damit es nur noch den Turnierbetrieb gibt, kennen den wahren Turnierbetrieb einfach nicht. Keiner dieser Kritiker ist lange dabei und alle meinen es nur zu wissen. Bei ihnen ist es so wie bei den kleinen Kindern, denen man ständig sagt, fasse die Herdplatte nicht an, sie ist heiß. Und die Kinder wissen auch was das Wort heiß heißt, nur wissen sie noch nicht, wie heiß es manchmal sein kann.

Und wenn wir den Turnierbetrieb der alten Zeiten einführen und dann noch oben drauf die Gruppenspiele abschaffen und das KO-System der Profis wieder einführen und die Anzahl der Turniere auf höchstens zwei, sonst aber nur eins pro Wochenende reduzieren würden, bei dem wie in den alten Zeiten besseres Preisgeld (dazu später noch) geboten wird, was früher dazu führte, dass bei einem 4- oder 5-Sterneturnier fast alle aus dem ganzen Bundesgebiet versammelt waren, dann wird es den meisten (sicher wird es auch hier Ausnahmen geben) Kritikern ihre Stimmen verschlagen.

Denn bei der heute besseren Spielerdichte, wären bei einem Turnier mit einem Preisgeld in Höhe von (von mir aus) 2.000,- EUR für den ersten Platz und einer guten Auszahlung bis zum Platz 16 (ungefähr 200,- EUR für 9-16), fast alle guten Spieler da. Das würde bei einem KO-System aber auch dazu führen, dass die Kritiker nur das Startgeld abliefern und keine zweite Runde erreichen würden. Rechnet man dann noch hinzu, dass sie zu einem bundesweiten Turnier weit fahren (Benzinkosten) und sich auch verpflegen müssten, was mit dem Startgeld zusammen locker 150-200 EUR für nur einen Tag ausmachen würde. Dann würden sie sehr schnell ihr Interesse verlieren.

Und wenn einer, der nur 30-er (von mir aus auch etwas höheres) Break geschossen hat, meint, dass er bei einem Spieler in einem Turnier (anders im gemeinsamen Training) etwas lernen kann, der mehr als nur wesentlich besser ist, der täuscht sich. Er wird einfach nur überfahren, abgeschossen und zum Warmspielen genutzt, mehr nicht. So ist es auch in anderen Sportarten und Snooker unterscheidet sich nicht davon.

Wenn also z.B. ein Tennisspieler mit einem Jahr Spielerfahrung auf einen Roger Federer treffen würde (ich übertreibe bewusst), dann würde er nur abgeschossen und nichts dabei lernen.

Die Veranschaulichung wird für Blinde vielleicht dann beim Boxsport einleuchtender: Wenn also ein Boxer nach einem Jahr Training gegen die ersten 30-40 der Rangliste treffen würde, was würde er noch mal dabei lernen, außer vor Freude diese tollen Sportler mal endlich live-erlebt zu haben??? Sternchen zählen und das nächste mal die Klappe halten!!!

Daher muss es auch beide Systeme geben, damit jeder entscheiden kann, was er lieber will. Wenn er Sternchen haben will, so soll es ihm nicht vergönnt werden.

Nur weil es beim Snooker nicht weh tut oder keine Herdplatte heiß ist, wird den Kritikern das Problem nicht bewusst. Mir ist kein Spieler, der immer wieder oder regelmäßig über 70 schießt, bekannt, dass er den Ligabetrieb am liebsten ganz abschaffen würde. Von diesen Spieler weiß ich nur, dass sie den Turnierbetrieb gerne als Zusatz um einiges verbessert sehen würden.

Viele Dinge im Leben hängen nicht vom Verständnis (Intelligenz), sondern von schlichter Erfahrung ab. Hier mache ich ein anderes anschauliches Beispiel: wenn jemand in seinem Jugendalter noch nie geküsst oder anderes … hat, dann steigert sich jeder (hier gibt es sogar keine Ausnahmen!!!) dermaßen herein, dass dann bei dem ersten Kuss sich jeder fragt: „Sch.....“, wo bleibt die erwartete Wirkung??? Natürlich ist es nicht schlecht und es macht auch wahnsinnig Spaß, nur hat man sich das Ganze einfach ganz anders vorgestellt.
Nun, mit vielen anderen Dingen im Leben ist es nicht anders.

Den Ligabetrieb in seinen Grundzügen finde ich gut, er muss nicht wesentlich geändert werden, er muss nur disziplinierter organisiert werden (dazu später noch). Und er muss hinsichtlich seiner Attraktivität verbessert werden. Denn viele Spieler, welche seit Jahren in der zweiten oder ersten Liga mitspielen, haben nicht mehr den Reiz, den sie früher hatten. Sie haben mehrfach gegen die besten Spieler gespielt und selbst wenn sie Titel oder gute Mannschaftsplatzierungen erreicht haben, blieb es nur dabei.

3. Anders sehe ich es mit dem Turnierbetrieb. Dieser ist sehr schlecht hinsichtlich seiner Attraktivität (nicht der Organisation) und muss mehr als nur verbessert werden. Und hier darf nicht übersehen werden, dass wenn wir nicht ein Paar wenige engagierte Personen wie Jürgen Kesseler hätten, wir womöglich gar keinen Turnierbetrieb hätten. Auch daran sieht man, wie die Snookerlage in Deutschland tatsächlich ist, obwohl sie von so manchen hochgelobt wird.

Denn seit langer Zeit sieht der Turnierbetrieb in Deutschland, wie Deutschland vor 300 Jahren aus. Lauter kleine Fürstentümer (also kleine Turniere) mit deren kleinen Fürsten, aber eben kein Kaiserreich mit opulenten Veranstaltungen, bei denen alle Fürsten und Könige dabei sein möchten. Mit anderen Worten, es gibt keine Turniere, für die es für die guten Spieler weit zu fahren lohnt. Und bei den vielen kleinen Turnieren haben die guten Spieler einfach keinen Reiz. So veranstaltet Rüsselsheim regelmäßig Turniere, von den guten eigenen Spielern des Vereins spielen dann aber höchstens 20% mit und das aber auch oft nur, weil sie das Turnier leiten, nach dem Motto, wenn sie schon mal da sind, dann spielen sie halt mit.

4. Dabei funktioniert der Mensch in ALLEN Bereichen immer nach dem selben Muster: Damit einer etwas tut, wozu er nicht gezwungen werden kann, muss derjenige gut geködert werden. Und damit einer keine Regeln verletzt, dann muss demjenigen nur eine richtige (nicht mit hart verwechseln, wenn es auch oft zusammenfällt) Strafe angedroht werden (zu dieser Strafvariante später noch ausführlich).

Nachfolgend zuerst mit dem Ködern:

Würde man also z.B. die heutigen Grand Prix Turniere so ausgestalten, dass das Gesamtpreisgeld für jedes Turnier bei 20.000,- liegen und bis zum 32-sten Platz gut ausgezahlt werden würde, dann wäre das Teilnehmerfeld von 128-Spielern immer voll. Nicht in Deutschland lebende Ausländer wären nicht zugelassen, weil der Austausch unter den einheimischen Spieler gefördert werden soll.

Genauer:

1. Platz = 3000,- EUR;
2. Platz = 2000,- EUR
3-4 Plätze = 1400,- EUR
5-8 Plätze = 800,- EUR
9-16 Plätze = 500,- EUR
17-32 Plätze = 300,- EUR
Startgeld: 60,- EUR

Alle, auch die nicht aktiven Ligaspieler, dafür aber gute Spieler oder gute Poolspieler wären da. Keiner hätte auf die Möglichkeit bei einem KO-System verzichtet, nur zwei mal gewinnen zu müssen, um in den Genuss des Preisgeldes zu kommen.

Warum sieht man sonst keinen Sascha Diemer, Lasse Münstermann, Patrick Einsle oder auch solche wie Peter Wagner, Thomas May (trotz seiner Persönlichkeit, mit der manche ein Problem haben, in seiner Topform gibt es nur wenige in Deutschland, die ihn schlagen könnten) und viele andere mehr, bei den Turnieren?

Es wäre eine gute, bunte, verrückte und gleichzeitig aus sportlicher Sicht eine qualitative Mischung, so wie es eben bei einer Veranstaltung mit einem Grand Prix Format sein muss.

Jetzt werden sicher die meisten danach fragen, wie denn das ganze zu finanzieren sei. Ich kann viele beruhigen, das Geld ist sogar ohne Sponsoren da, es wird nur verschleudert oder „veruntreut“ (zu Einzelheiten später noch).

Von diesen Turnieren müsste es nur 5 im Jahr geben (5 x 20.000,- = 100.000,- EUR im Jahr), schon wäre das Snookerklima, die ganze Stimmung drum herum in Deutschland, vieles wäre ganz anders. Bei einem Startgeld in Höhe von 60,- EUR, würden über 40.000,- EUR allein schon über das Startgeld kommen, so dass nur 60.000,- (pro Turnier also 12.000,-) nicht über die Teilnehmer kommen müssten.

Heute haben wir einen Zustand, bei dem überwiegend nur Neuankömmlinge noch übermotiviert sind und bei den kleinen Turnieren spielen, die anderen gehen kaum noch zu Turnieren (wenn es nicht gerade vor der Haustür stattfindet), weil es dort nichts gibt und beweisen müssen sie sich auch schon lange nichts mehr. So war es immer, in allen Sportarten, im Leben und so wird es immer bleiben.

5. Hier könnten zwar manche Träumer den Vorwurf machen, dass diese Denkweise unmoralisch sei. Nur verkennen sie dabei, dass auch sie nur dann zur Arbeit gehen, wenn sie dafür bezahlt werden und nicht bloß etwas zum Essen bekommen. Zur Arbeit gehen die meisten auch nicht aus Liebe (dieses Privileg haben nur wenige), sondern weil sie Bedürfnisse wie besseres Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf haben wollen. Sonst könnten sie ja wie vor 10.000 Jahren im Wald rennen und Wurzeln fressen, vielleicht ab und zu ein Wildschwein (Moslems ein Ischek oder Schaf) fangen. Warum tun sie es also nicht? Weil sie doch auch wie alle anderen nur unmoralisch sind, wegen all den Kleidern und anderen Vorzügen des modernen Lebens. Und wenn einer von ihnen gut spielen würde, dann wäre er auch als einer der ersten bei einem oben genannten Turnier dabei. Natürlich nur wegen der Atmosphäre, denn das gewonnene Geld würde sogleich gespendet werden.

Wie man sieht, führt eine solche Diskussion nur zu einer unnötigen Provokation derjenigen, die sich dabei angesprochen fühlen.

Sie zeigt aber auch, dass die Menschen mit dem Mundwerk nun einmal sehr unterschiedlich, dafür bei ihren Taten fast alle gleich ticken.

Daher hat es auch keinen Sinn immer wieder diese ausgeleierten Themen anzufangen. Wir müssen einfach die Tatsache mit dem Köder so hin nehmen und aus der Sache das Beste machen, oder anders ausgedrückt, diese Tatsache positiv nutzen. Wenn ein Turnier mit einem 128-Feld voll ist, dann spielt es einfach keine Rolle, warum alle da sind. Fakt ist dann einfach, dass alle da sind und eine geile Stimmung herrscht.

Wenn man dann zwei sehr interessante und gut funktionierende Sportsysteme hat, also den Turnier- wie auch Ligabetrieb, dann kann aus sportlicher Sicht nichts mehr gemacht werden.

Hier soll man sich nicht mehr unnötig verrückt machen, etwas anders gibt es auch nicht, in keiner Sportart.

Überall gibt es nur den Turnier- und Ligabetrieb. Nur ist es bei jedem Sport unterschiedlich attraktiv ausgestaltet. Oder meint jemand, dass es nur deswegen mehr Tennis- oder Fußballspieler gibt, weil sie ein zusätzliches Sportsystem haben? Nein, auch wie bei uns, nur zwei! Nur sind deren Systeme wesentlich attraktiver. Würde man im Tennisturnierbetrieb der Amateure in Deutschland die gleichen Turnierpreisgelder wie bei unseren popeligen Snookerturnieren einführen, dann wären sie sofort leer, auch die Spieler, welche keine Profikarriere anstreben, würden da kurzer Hand nicht mehr hingehen.

Sollte jemand unabhängig von diesen 5 Superturnieren der Meinung sein, dass es noch der kleinen Turniere bedarf, so darf es derjenige veranstalten. Meinen Vorschlag sehe ich nicht als Verbot der kleinen Turniere, sondern nur als Kritik, dass es nur die kleinen Turniere gibt und diese den Sportbetrieb sehr flach halten.

Das Ziel muss aber sein, eine attraktive Liga- und Turnierlandschaft zu haben. Und so wie ich es dargelegt habe, ist es der einzige Weg (ja ich bin so arrogant, wenn ich es so sage), einen anderen gibt es nicht.

Diese Liga könnte dann noch möglicherweise um eine Sonderliga ergänzt werden, bei der wie bei der früheren European Snooker League (so was gibt es auch in anderen Sportarten) 8 Einladungsspieler gegen einander spielen. Das Niveau z.B. der sechs besten Spieler in Deutschland ist inzwischen so, dass man es durchaus im Fernsehen zeigen könnte (noch Anfang der 80-er Jahre sah das Spiel der meisten Profis für die Laien genauso aus). Zwei (oder vier) weitere Spieler dürften aus dem Ausland kommen (dann dürften eben nur vier deutsche Spieler teilnehmen), sie dürften nur noch nicht absolute Topprofis sein, dann kosten sie nichts (also keine Antrittsgelder). Solange man dann diese Spielbegenungen (nicht unbedingt live zeigt, sie dürfen auch etwas zugeschnitten werden), dem Eurosport kostenlos anbieten würde, und solange wir noch Rolf Kalb haben (man kann diesbezüglich über ihn eine theoretische Anfrage einwerfen), wäre das eine gute Möglichkeit deutsche Spieler dem breiten Publikum dauerhaft vorzustellen. Da es dann auch im Fernsehen gezeigt werden würde, könnte man auf jeden Fall Sponsoren finden, dabei würden diese acht Spieler, gemessen an Profis, nicht viel kosten, so dass die Sponsoren leicht zu finden wären. Und die Spieler würden über die erlangte Bekanntheit bessere Eigenwerbung und Einnahmequellen bekommen.

Der Gedanke mit dieser Sonderliga ist nur ein Vorschlag von mir, er muss nicht richtig sein oder jedem gefallen und ist keine Pflicht, um den Snookerlandschaft in Deutschland zu verbessern.

Als Fazit zum Sportbetrieb kann nochmals wiederholt werden, dass es sowohl einer guten und attraktiven Liga- wie auch Turnierlandschaft bedarf. Wie die Ligalandschaft verbessert werden soll, erkläre ich bei der Verbandsorganisation.


III. Auftreten und Werbung der Vereine

Die meisten Vereine unabhängig von der Sportart funktionieren nach dem Zufallsprinzip, sie gibt es und sie hoffen, dass die neuen Mitglieder schon kommen werden. Nur die wenigen betreiben regelmäßig eigene Aktionen.

1. Nun gibt es Snookervereine, welche voll sind und sogar Aufnahmesperre haben, weil sonst der Spielbetrieb gestört werden würde.

Dann gibt es andere, die noch nicht so voll oder gar neu sind, weshalb da immer noch Bedarf besteht. Ihre Problemlösung führt hauptsächlich über zwei Wege: Erreichbarkeit der erwachsenen Interessenten und die Erreichbarkeit der Jugend.

Die Erwachsenen aber auch die Jugendlichen werden in einem Punkt gleich erreicht, man benötigt heute eine Webseite und hofft, dass der Interessent bei einer gezielten Suche nach Snooker in einer Stadt über sie stolpert, eben das Zufallsprinzip.

In einem anderen Punkt lassen sich die Erwachsenen über eine örtliche Tageszeitung erreichen, in der man für wenig Geld immer wieder plakativ Werbung macht, dass man z.B. in der Woche X eine Snookeraktion zum Schnuppern hat. Wenn man vor allem die Werbung gerade zu den Zeiten betreibt, als die UK oder WM im Fernsehen über eine Woche läuft, dann ist die Wahrscheinlichkeit einfach höher, dass jemand noch einen Tag zuvor Snooker im Fernsehen gesehen hat und die Anzeige beim Lesen der Zeitung einem eher in die Augen springt.

Eine andere Möglichkeit ist einfach Snookerkurse über die Volkshochschule anzubieten. Es ist zwar der klassische Weg, trotzdem denken nur die wenigen daran. Diese Kurse nur nicht einmalig anbiete, sondern Jahr für Jahr, einfach stur weiter.

Sonst kann man bei kleinen örtlichen Volksfesten einen kleinen Stand anmieten, ich gebe aber zu, dass ich von dieser Vorgehensweise nicht wirklich überzeugt bin. Die Leute beim Volksfest quatschen zwar einen voll und finden vieles interessant, nachdem sie nach Voraufklärung, wer wir sind, so tun, als ob sie Snooker kennen würden. Nur kommen von den hunderten Gesprächsinteressenten dann doch höchsten 5, was in Prozent ausgedrückt nicht besonders effektiv ist. Und ich halte nicht viel von Zeitverschwendung für nichts. Gerade diejenigen, welche den Stand beim Volksfest „bewachen dürfen“, werden schnell frustriert sein, wenn es dort nicht gerade andere interessante Dinge (Mädels) gibt.

Sollte also jemand auf die Idee kommen, es doch durchzuziehen, dann verteilt wenigstens so eine Art Gutscheine für zwei Stunden kostenloses Training bzw. Spielen, damit es mit dem Köder klappt, auch hier sind alle gleich. Nur macht nicht den Fehler und verteilt diese Gutscheine an jeden Rentner (nichts gegen sie, das Ziel ist aber einen langfristigen Snookerbetrieb zu betreiben und nicht regelmäßig zu Beerdigungen zu gehen).

Zum Glück haben wir die kostenlose Werbung über Eurosport, mit der Aktion „Deutschland spielt Snooker“. Hoffentlich kann so was noch lange fortgesetzt werden, vielleicht diese Aktion nicht nur zu WM-Zeit, sondern auch bei UK oder Masters durchführen. Hier habe ich aber keinen Einblick, welche Möglichkeiten Rolf Kalb hat. Schließlich ist die einmal im Jahr stattfindende Aktion des Senders ohnehin mehr als ein Geschenk, woanders müsste man dafür sehr viel Geld bezahlen.

2. In vielen Vereinsheimen (nicht mit Vereinen in den Lokalen gleichsetzen) müssen aus Liebe zum Sport ein Paar verantwortungsvolle Personen nach und nach in die Organisation integriert werden, um eine Machtübergabe zu vollziehen. Denn wie ich schon oben erwähnt habe, viele (nicht alle, aber der wesentliche Teil) alte Hasen werden in den nächsten ca. 10 Jahren nach und nach keine Lust haben, die Verantwortung und den Organisationsstress weiter zu ertragen. Daher wäre es schade, wenn nach deren Verschwinden kurze Zeit später der Verein untergehen würde. Hier ist es auch so, dass nur diejenigen, welche diese Verantwortung schon mal selbst tatsächlich inne hatten, wissen, was es genau heißt, einen Verein zu führen.


IV. Jugendbetreuung

Das Hauptproblem der meisten Vereine (ob Lokale oder Vereinsheime) und nicht nur der Verbände (hier versuchen viele Vereine die Schuld bei Veränden zu suchen) ist die richtige Jugendbetreuung.

1. In den meisten Vereinsheimen läuft es so ab: Ein Paar Enthusiasten, welche Snooker über alles lieben und keine Lust mehr auf die öffentlichen Lokale haben, selbst wenn es dort einen Verein gibt, gehen das Risiko ein, indem sie Räumlichkeiten anmieten, Tische kaufen und anschließend einen bestehenden Verein zu sich ziehen oder einen eigenen Verein gründen. Danach ist die erste Devise (diese ist keine Kritik, sondern verständliche Realität) so viele Vereinsmitglieder zu bekommen, damit die laufenden Kosten gedeckt werden und irgendwann die zuvor gezahlten Investitionen für Tische etc. zurück zu erhalten. Hier erfahren dann auch die meiste, welche das Risiko auf sich nehmen, welche guten Snookerfreunde sie tatsächlich haben.

Solange es dann nach diesem Plan läuft, sind die meisten (verständlicherweise) glücklich, wenn sie endlich mit ihrem eigenen Schlüssel spielen können, wann immer sie möchten. Die meisten haben dann das Ziel möglichst selbst in einer Mannschaft zu spielen, welche in einer höheren Liga spielt und oft war`s das ja auch schon. Mit anderen Worten hat man als Ziel gehabt, für sich die bequemsten Konditionen zu schaffen, dass man endlich weniger Geld ausgibt, maximal spielen und Spaß haben kann und dann auch noch sportlich sich seine Bestätigung holt. Sonst tun dann nur noch die wenigen etwas für den Vereinsheim-betrieb, weil einfach die Umstände es nicht zulassen. Denn neben der Arbeit und der Familie geht jede Menge Freizeit für das Training und den Liga- oder Turnierbetrieb oder gar beides drauf. So war es auch bei mir, da mache ich keinem einen Vorwurf, der sonst auch nicht wirklich zu mehr bereit ist. Wirklich mehr Zeit haben da meistens nur noch Junggesellen oder Schüler und Studenten.

Und um die Jugend zu betreuen, muss man an sich die Zeit nachmittags unter der Woche haben, weil Snookersport regelmäßiges und zeitintensives Training benötigt. Diese Zeit hat die Jugend am Nachmittag öfter. Gleichzeitig würden viele Eltern damit nicht einverstanden sein, wenn ihr Kind mit 11 oder 12 Jahren noch nach 20 Uhr nicht zu Hause wäre. Wenn aber die Kinder durchschnittlich ab 14 Uhr mit dem Training beginnen und bis 18 oder 19 Uhr durchmachen, dann haben sie zum einen das notwendige Pensum abgearbeitet, um langfristig ein hohes Niveau zu erreichen, zum anderen nehmen Sie den Erwachsenen die Tische nicht weg, welche ab 18 Uhr nach der Arbeit so nach und nach kommen.

Das erste Problem dabei ist nur, dass diese Kinder unter 14 Jahre und ohne Aufsicht sind. Wer hat also jeden Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, die Zeit dazu nur die Aufsicht zu führen? Vom Trainieren ist vorab nicht die Rede. (Dazu später)

2. Und genau hier muss eigentlich weiter angesetzt werden und in eine Jugendarbeit investiert werden. Die meisten wissen nur nicht wirklich wie, selbst wenn sie diese Bereitschaft haben.

Als grober Maßstab muss das Ziel sein, dass jedes Vereinsheim innerhalb von fünf Jahren jeweils 50 neue Jugendliche (jährlich 10) im Alter zwischen 11 und 12 in einem Verein dauerhaft (besonders empfehlenswert bei Vereinsheimen mit über 4 Tischen) zu binden und zu guten Spielern zu entwickeln. Natürlich werden nach fünf Jahren 10 Jugendliche inzwischen 15 oder 16 Jahre alt, weitere 10 inzwischen 14 oder 15 Jahre alt usw. sein. Wichtig ist nur, dass das Eintrittsalter bei 11 oder 12 liegen sollte, wobei das kein fester Maßstab und Abweichungen möglich sein sollen.

Weiß es noch jemand, wozu Lasse Münstermann, Sascha Lippe oder Patrick Einsle mit 16 Jahren in der Lage waren? Sie haben alle schon mal um die 140 geschossen und schossen im Training laufend 100-er Breaks.

Sicher darf man nach diesen fünf Jahren nicht mit der Jugendarbeit aufhören, wenn man die 50 Jugendlichen gebunden hat. Eine Sportart in einem Land zu entwickeln bedarf einer Kontinuität. Daher heißt die Devise, auf die gleiche Art und Weise weiter machen.

Und hier nicht aus den Augen verlieren, ich rede bisher nur von einem Vereinsheim. Wenn es zwanzig Vereinsheime auf die gleiche Art machen würde, dann hätten wir schon nach fünf Jahren 1000 aktive Jugendliche (jetzt haben wir überhaupt nur 1000 aktive Spieler) und mindestens 200 davon wären in einem schießwütigem Zustand (denn sie wären schon seit 5 oder 4 Jahren dabei). Und nach 10 Jahren hätten wir mehr als 2000 aktive junge Snookerspieler, von denen nun mindestens 1200 richtige Scharfschützen wären, die erste Generation wäre nun schon 21 oder 22 Jahre alt und wir könnten allmählich realistischer an erste professionelle erfolgreiche Snookerspieler unsere Gedanken verschwenden.

Unter anderem muss hier nicht sonderlich erklärt werden, dass bei 1200 schießwütigen Jungs im Alter zwischen 15 und 21 und den Jahr für Jahr ca. 200 neu dazu kommenden Jungs dieses Kalibers, der ganze Turnier- und Ligabetrieb in Deutschland neu aufgemischt werden würde. In allen Ligastufen. Hier wäre dann eine Ausstrahlung im Fernsehen einer oben vorgeschlagenen Sonderliga auch realistischer.

Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise ist auch, dass die Jugendlichen des zweiten Jahres als Neulinge schon auf geübte mehr oder weniger Gleichaltrige treffen würden, welche sie spielerisch hochziehen könnten. Erst recht hätten es die Jugendlichen des dritten, vierten usw. Jahres besser. Unter einander haben die Jugendlichen auch mehr Spaß zusammen zu sein. Es ist nämlich schon ein Unterschied ob man mit 12, 13, 14 oder 15 mit in etwa Gleichaltrigen etwas unternimmt, oder ob es Erwachsene sind, welche durchschnittlich über 30 Jahre alt sind.

Nur so funktioniert eine Sportentwicklung in einem Land und nicht anders. Es gibt kein Geheimrezept, dieses Konzept der Sportentwicklung ist lange bekannt und ist nicht von mir. Mit anderen Worten, man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern nutzen!

In England war es übrigens früher auch nicht anders, in JEDEM Snookerclub gab es früher eine Menge Spieler im Alter zwischen 12 und 16, welche laufend 100 geschossen haben (zum Problem England später noch). Als Klaus Zobrekis irgendwann Deutscher Meister der DBU (nicht des DSKV) wurde, ging er kurz nach England. Er war so um die 20 Jahre alt. Dort angekommen, durfte er ständig die Schwarze der zwölfjährigen herausholen und seine Snookerillusionen sofort begraben.

3. Die eigentliche Frage ist nur, wie soll es ein Vereinsheim schaffen, jährlich 10 talentierte Jugendliche zu binden? Ganz einfach, nach der alten klassischen Methode, welche sich in allen Sportarten bewährt hat, es ist der Gang in die Schulen! Auch hier muss man das Rad nicht neu erfinden.

Sicher geht es bei dieser Zielsetzung nicht schlechthin um eine Bindung von jährlich 10 Jugendlichen. Nein, es geht um eine Bindung von 10 Jugendlichen, welche Talent haben. Denn es gibt keinen Automatismus, dass wenn man nur früh genug mit einem Sport beginnt, man zwangsläufig gut wird. Es bedarf nach wie vor einer entsprechenden Veranlagung. Sonst wären alle Weltmeister, die nur früh mit einem Sport angefangen haben.

Daher muss folgendermaßen vorgegangen werden, was sich für manche möglicherweise hart anhören mag:

Die Vereinsheime gehen am Anfang eines jeden Schuljahres in ihrer Stadt in eine Schule (die meisten Vereinsheime befinden sich in Städten, in denen es mindestens 50 oder mehr Schulen gibt) und fragen nach der Erlaubnis beim Rektor, eine kurze (daran soll man sich auch halten) Vorstellung des Vereins durchführen zu dürfen. Der Rektor wird dann meist einen Termin geben, zu welchem die Aktion durchgeführt werden soll. Daher soll zum Gespräch mit dem Rektor jemand gehen, der einigermaßen gut auftreten kann. Zu dem Vorstellungstermin in den Klassen darf aber auch ein jüngerer Leistungsträger gehen, den der muss sich vor den Kids verkaufen und nicht vor dem Rektor.

Die Vorstellung selber soll nach Möglichkeit so ablaufen, das man kurz (jeweils für 3 min.) eine Klasse ab der 4 oder 5 Jahrgangsstufe besuchen darf, kurz darüber berichten, wie der Verein heißt und dass er Jugendliche zum KOSTENLOSEN Probetraining (so können es die Jugendlichen besser bei ihren Eltern verkaufen) einladen möchte. Dann an alle ein Einladungsformular zum kostenlosen Training austeilen und für den Fall der Fälle ein Paar zusätzliche Formulare in der Klasse liegen lassen. Und diesen Prozess in jeder Klasse der Schule schnell wiederholen. Für die ganze Aktion pro Schule braucht man selten mehr als zwei Stunden.

Nun ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass allein schon aus einer Schule mehr als 20 Jugendliche kommen könnten, was bei vielen Schulen erst recht eine große Zahl ergeben kann. Daraus sieht man auch, dass man gar nicht gezwungen sein wird alle 50 Schulen der Stadt durchmachen zu müssen und dass es vermutlich schon 10 ausreichen werden, was den Vorteil hat, dass man die nächsten 10 sich für das nächste Jahr aufheben kann.

Jedenfalls werden aus diesen 10 Schulen mit großer Wahrscheinlichkeit mehr als 60 Kids kommen. Man soll aber nicht erschrecken. Von diesen über 60 werden ein Teil schon nach dem ersten oder zweiten mal nicht mehr kommen, weil wie in jedem Sport, die Kids es im Fernsehen schon oft gesehen haben, nach dem Ausprobieren aber schnell feststellen, dass es nichts für sie ist. Es verbleiben dann aber immer noch um die 40 da, von denen dann nach ein oder zwei Monaten wieder ein Teil gehen wird, weil das Feuer verflogen ist.

Hier muss auch noch folgendes beachtet werden, gehen werden meist diejenigen, welche im Vergleich zu anderen Kids nicht so viel Talent haben und die Lust verlieren. Diejenigen, die schon nach über einem Monat sich von den anderen abheben werden, werden sich wie die Kings vorkommen (ein natürlicher Prozess, ist überall so, diesen natürlichen Prozess muss man aber auch positiv nutzen) und nur wie verrückt trainieren wollen.

Jedenfalls werden nach über zwei bis drei Monaten von den über 60 oder 70 Erstbesuchern nur 20 bis 25 bleiben, wodurch es überschaubarer und leichter mit dem Trainieren wird. Jetzt gibt man diesen 20 bis 25 Kids bis zum Sommer Entwicklungszeit.

HIER IST ES AUCH GANZ WICHTIG, DASS DIE KIDS NACH WIE VOR KOSTENLOS TRAINIEREN DÜRFEN MÜSSEN, ES SOLL EINE FÖRDERUNG UND ANREIZ SEIN. Vor allem für deren Eltern, welche später, wenn sie die positive sportliche Entwicklung ihrer Sprösslinge sehen, nichts dagegen einwenden werden, wenn sie einen kleinen monatlichen Pauschalbetrag zahlen müssten. Doch in der Anfangszeit könnten es die Kinder ihren Eltern meist gar nicht verkaufen. Man soll sich auch nicht verrückt machen, dass die Kids angeblich den Verein dadurch wirklich etwas kosten. Denn ob die Kids da sind oder nicht, die laufenden Vereinsheimkosten bleiben in etwa gleich. Und wenn eine Kleinigkeit hinzu gezahlt werden müsste, so muss gesagt werden, dass es eine ganz kostenlose Entwicklung in keinem System gibt. Die Kosten bei diesem Vorschlag sind aber minimal und leicht planbar. Das Einzige, was wirklich angeschafft werden muss, sind viele billige aber gute Hauscues!

Bis zum Sommer werden sich aus diesen 20 bis 25 Kids die talentiertesten herausbilden. Die talentiertesten 10 bleiben also nach dem Sommer, also inzwischen einem Jahr Zeit weiterhin in diesem Förderprogramm, die anderen müssen nun einen Jugendbeitrag (wie er in dem jeweiligen Vereinsheim ist) zahlen oder, wenn sie nicht dazu bereit sind, können sie gehen. Das mag für manche hart klingen, aber man kann nicht jemand (also das Vereinsheim) zwingen, dass er ewig jemand kostenlos mitzieht. Hier muss auch bedacht werden, dass im September, also nach dem Sommer, die nächsten Frischlinge kommen sollen, womit die Anzahl der geförderten ohnehin steigen wird. Und in der nächsten Gruppe werden es schon wieder einige hochtalen-tierte Kids sein, welche womöglich nur deswegen zu Schaden kommen, weil man mit weniger talentierten Mitleid hat. Sicher kann der jeweilige Verein selber entscheiden, ob er nicht statt 10, sondern doch 12 Kids weiterhin fördert, ein Ermessensraum wird immer vorhanden sein.

In diesem ersten Jahr sammelt der Verein mit den Kids eigene Erfahrungen und wird bei der nächsten Gruppe so manches im Detail anders machen. Insgesamt aber kommt endlich Bewegung und Leben in jedes Vereinsheim und den deutschen Snookersport insgesamt. Das Leben nach dem oben beschriebenen Zufallsprinzip würde aufhören, sofern die Verantwortlichen tatsächlich etwas verändern möchten und nicht nur auf irgendeine Tätigkeit eines Verbandes warten. Denn die Neuankömmlinge, ob jung oder alt, fangen alle zuerst in einem Verein an, weshalb der Verein in erster Linie gefragt ist.

Wenn dann aber zum Ende des zweiten Sommers die Kids des ersten Jahrgangs nach nun knapp zwei Jahren vereinzelt schon immer öfter über 50 schießen, wird auch der Verein seine Freude haben, wodurch er die Früchte seiner Arbeit sieht und nicht das Gefühl bekommt, dass alles umsonst wäre.

Eines müssen die Vereine aber jeweils selbst herausfinden, nämlich wer nach den Jugendlichen unter der Woche tagsüber schaut. Denn es muss nicht immer ein Trainer da sein, es reicht, wenn die ersten Male bei der Einführung ein Trainer da ist. Danach reicht es aber aus, dass er nur noch immer wieder nach ihnen schaut, wie ihm das möglich ist, sonst muss einfach ein Erwachsener da sein.

Als Beispiel kann ich den Poolverein in Tübingen (zu meiner Studienzeit in den 90-ern) nennen. Dort haben zwei engagierte Rentner und zwei Studenten im Wechsel diese Arbeit übernommen. Die Rentner waren selbst froh eine Lebensaufgabe zu haben und haben endlich in Ruhe von deren Frauen herumgespielt, während die Studenten ihre Hausaufgaben gemacht haben. Schließlich musste man ja nur danach schauen, dass die Kids keinen Unsinn treiben. Solange einer von den Erwachsenen da war, haben sie schon von alleine selten gewagt sich daneben zu benehmen. Nach einigen Jahren waren dann einige Kids inzwischen selbst schon 16 oder 17 und hatten nur ernstes tägliches Training im Kopf, und sie waren ja jeden Tag da. Also hat man dann nach und nach ihnen diese Aufgaben übertragen. Wie man sieht, man muss nur einen Anfang machen und sicher ist dieser Anfang manchmal etwas schwer. Doch wenn dann mal ein Fluss in die Sache kommt, dann wird es immer leichter. Aber wie gesagt, jedes Vereinsheim muss es für sich selbst herausfinden, wie eine „Überwachung“ in seinen Räumlichkeiten am besten funktionieren kann.

4. Sicher darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass in die Jugendlichen viel Zeit und Geduld investiert wird, sie werden sehr gut und dann, wenn sie die ersten Pickel oder erste Liebe haben, haben sie oft plötzlich nicht mehr soviel Lust, vernachlässigen das Training oder steigen für eine gewisse Zeit aus und diejenigen, welche in sie soviel Zeit usw. investiert haben, bekommen das Gefühl, es war alles für die Katz.

Hier muss man aber auch den Überblick behalten und sich stets dessen bewusst sein, dass das Leben nun mal so ist. Jeder von uns hat in seiner Jugend irgendeine oder gar mehrere Sportarten betrieben und ist irgendwann ausgeschieden.

Doch Snooker zählt im Vergleich zu den meisten Sportarten zu einer Ausnahme, weil die meisten nach einer gewissen Zeit zum Sport zurückkehren, nachdem sie verstanden haben, dass allein durch die Liebe zu Hause sie sich auf Dauer nicht ausgefüllt fühlen. Denn beim Snooker wird man physisch nicht so gefordert, wie es bei rein physischen Sportarten der Fall ist, man hat einfach nur Fun ohne dass einem die Puste altersbedingt (oder vom Rauchen) ausgeht.

Und erst recht hat man Fun, wenn man gut spielen kann und bei einigen attraktiven Turnieren etwas Taschengeld verdienen kann. Ich kenne einige erfolgreiche Poolspieler, welche mit 11 oder 12 mit dem Spiel begonnen haben und später von den Turnieren sich ihre ganze Jugend und Studienzeit finanziert (d.h. nicht im Luxus, aber um die 1000,- monatlich hatte jeder von den drei) haben.

Und man muss auch den Überblick behalten, dass es um die Sportentwicklung insgesamt geht, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. JEGLICHE SPORTART UND DEREN SPORTENTWICKLUNG PRÄGT IN ERSTER LINIE NUR DIE STUPIDE UND MONOTONE KONTINUITÄT.

Mehr wie ein funktionierendes bewährtes Konzept einfach stur weiter durchzuziehen, gibt es nicht. Man darf nicht einfach aus langer Weile des Prozesses, welcher sich immer wieder wiederholt, die Lust verlieren, weil einem selber langweilig ist, obwohl das Konzept selber funktioniert. Diejenigen die Lehrer, Trainer (ob Sport oder andere Dinge) sind, wissen genau, was ich meine, hier kann auch Thomas Hein vermutlich nichts anderes sagen.

Beim Snooker sind wir nur noch nicht soweit, dass uns diese Langeweile im Bezug auf die Förderentwicklung erreicht hat, weil wir mit dieser Entwicklung nicht mal begonnen haben.


V. Als Fazit kann vorab wiederholt werden:

Solange die Vereine und erst recht die Vereinsheime nicht nach dem Zufallsprinzip leben, wird es in Deutschland keine positive Veränderung geben. Es wird nur eine negative Veränderung geben, garantiert. Ein Großteil (aus den 80%) wird in den nächsten Jahren sich immer mehr zurückziehen und es ist gerade der Teil, der alles am Leben hält.

Und wenn dann dieser Großteil nicht mehr da ist, wird es nur die Rückkehr in die öffentlichen Lokale geben, d.h. woanders werden die Interessenten nicht mehr spielen können.

Folglich wäre es einfach zu schade, wenn all die Anstrengungen der ganzen Jahre umsonst wären.

Es liegt an den Vereinsverantwortlichen und erst recht an den Verantwortlichen der Vereinsheime (weil sie nicht den gleichen Kostendruck haben), ob sie in die Volkshochschulen oder auf die Volksfeste ihrer Städte gehen, oder passende Zeitungswerbung machen, oder vor allem sich für die Jugendarbeit aufopfern wollen.

Natürlich muss noch der attraktive Turnierbetrieb organisiert werden, zu seiner Kostenfinanzierung und zu einem anders aufgebauten Dachverband auf Bundesebene (an eine Abschaffung oder Trennung der Snookerabteilung wird schon im voraus eine Absage erteilt) und den Senderechten der Vereine schreibe ich in meinem zweiten Teil, für den ich wieder etwas Zeit brauche, weil alles nebenberuflich erfolgt.

Alle schreien nur, dass es mit Snooker irgendwie weiter gehen soll und verlangen nach einer Lösung. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass bundesweit es höchstens NUR 5 Vereinsheime sein werden, welche dauerhaft die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen werden. Die meisten anderen werden einfach keine Lust haben und wie bisher nur die für sich möglichen Vorteile aus dem Vereinsheimleben ziehen.

Und genau hier bestätigt sich wieder eins, mit dem Mundwerk wird nur nach Lösungen verlangt und wenn sie dann vorliegen, will sie dann niemand in die Tat umsetzen. Denn die meisten haben nur auf Lösungen gewartet, bei denen sie selbst nichts tun müssen. Dabei waren sie, als sie selbst mit Snooker begonnen haben, stets froh, wenn andere sie mit freiwilligem Engagement irgendwie unterstützt haben und sei es auch nur immer wieder etwas Training oder ein Paar Tipps zu geben. Nur wenn die meisten (nicht alle, aber doch zu wenige) selbst an der Reihe sind, soll es entweder etwas kosten, sonst tun sie nichts.

Es ist alles da, man muss dafür auch kaum Geld in die Hand nehmen, nur etwas Freizeit, jeder ein bisschen, was aber in der Masse ganz viel ergibt.
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