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Donnerstag, 06 Oktober 2022 19:15

Snooker, Darts und Poker: Randsportarten erobern das deutsche Fernsehen

Während sich ganz Deutschland bereits im WM Fieber befindet, und auch die aktuelle Bundesliga-Saison wie auch der Auftakt der Champions League die Fernsehabende in vielen Haushalten dominieren, fiebern Snooker-Fans auf ganz andere wichtige Ereignisse hin: bis zum April kommenden Jahres müssen sie sich zwar noch gedulden, bis die World Championship im britischen Sheffield Crucible Theatre erneut ansteht, die neue Saison der Snooker-Bundesliga begann jedoch Ende September und wird bis Juni kommenden Jahres dauern. Randsportarten wie Snooker, Darts und Poker werden mittlerweile so beliebt, dass sie ihren festen Sendeplatz auf den Sportkanälen haben und auch in den Bereich Sportwetten Einzug halten – mit oftmals besseren Gewinnchancen als bei den großen Fußball-, Tennis- oder Eishockeyereignissen.

Neu ist die Begeisterung für diese Randsportarten allerdings nicht, die Snooker WM wird beispielsweise bereits seit 2003 auf Eurosport übertragen und erreichte seitdem immer neue Zuschauerrekorde. 2016 wurden 130 Stunden auf Eurosport 1 und Eurosport 2 gesendet, im Schnitt sahen 250.000 Zuschauer live zu, beim Finale zwischen Mark Selby und Ding Junhui saßen damals sogar 660.000 Menschen vor den deutschen TV‘s, 18 Prozent mehr als im Vorjahr, wie auf dem speziellen Snooker-Bereich der Eurosport-Website zu erfahren ist. Auch von der WM 2022 wurden über 100 Stunden live vom Sender übertragen, weitere Partien gab es über Streaming zu sehen. Wie wichtig der Sport ist, beweist auch das Preisgeld: über zwei Millionen britische Pfund wurden im vergangenen Jahr vergeben, wobei Sieger Ronnie O’Sullivan, der den WM-Titel bereits zum siebten Mal holte, alleine beachtliche 500.000 Pfund verdiente – umgerechnet rund 600.000 Euro.

Auch andere wichtige Snooker-Turniere wie die World Snooker Tour, zu der auch die German Masters im Februar 2023 gehören, die European Masters und viele weltweite Ereignisse wie die World Games in den USA oder die Hong Kong Masters können über Streaming-Dienste wie DAZN, Discovery Plus und Matchroom.live verfolgt werden.

Snooker ist dabei jedoch nur einer der sogenannten “Randsportarten“, die in Deutschland immer populärer werden und jährlich zuwachsende Zuschauerzahlen verbuchen können. Nach zwei Jahren Auszeit gehen die meisten wichtigen Turniere nun wieder an den Start und sorgen für neue Euphorie. „Randsportarten“ sind der Definition nach all die Sportarten, die von „relativ wenig Menschen betrieben und kaum von Massenmedien wahrgenommen werden“, wenngleich es hierbei große regionale Unterschiede gibt. Baseball spielt in Deutschland beispielsweise noch immer keine große Rolle, während der Sport in Nordamerika zu den wichtigsten Disziplinen und gigantischen Medienspektakeln gehört. Junge Sportarten wie Fußballgolf, Trendsportarten wie Unterwasser-Frisbee oder Eiskanufahren als Extremsportart zählen ebenso in den Randsportbereich wie die mittlerweile absolut etablierte Disziplinen Snooker, Darts und Poker.

Wichtige Poker-Ereignisse werden beispielsweise über Sender wie den Free-TV-Kanal DMAX sowie Sport 1 übertragen. Gesendet werden große Turniere wie die Poker Players Championship oder der Monaco Cash Challenge. Ursprünglich als Glückspiel bekannt, wird Poker dabei zunehmend größere Bedeutung als Strategiespiel und echte Sportart zugewiesen – mit weltweit anerkannten Meisterschaften wie die World Series of Poker oder die World Series of Poker Europe. Als Spiel der Gauner und Mafia gilt das Spiel, das strategische Überlegung ebenso wie gute Beobachtungsgabe und psychologisches Geschick erfordert, schon lange nicht mehr. In Deutschland wird das traditionelle Casino-Spiel vor allem auch im Internet immer beliebter: Poker online lässt sich vom Computer, mittlerweile aber auch über mobile Apps auf dem Smartphone spielen, beliebt sind dabei auch Live-Streams, mittels der die Spieler mit anderen Playern an einem virtuellen Spieltisch platznehmen können. Auch im Bereich Sportwetten ist Poker mittlerweile beliebt, wenn bei wichtigen Turnieren auf die Sieger gesetzt werden kann.

Die Quote von Sportwetten ergibt sich bekanntlich aus den gesamten Einsätzen sowie der Gewinnwahrscheinlichkeit: meist wird auf die Favoriten gewettet, dementsprechend sinkt die Quote. Wenngleich Fußball in Deutschland den größten Bereich der Sportwetten einnimmt, gibt es oft gerade bei den Randsportarten bessere Gewinnchancen, wenn sich die Sieger mit weniger Wahrscheinlichkeit prognostizieren lassen. Wer hierauf einen Außenseiter setzt, kann möglicherweise einen beachtlichen Gewinn verbuchen. Zumal durch das Tippen auf Sport-Events das Zusehen noch spannender wird, wenn der eigene Geldeinsatz damit verbunden ist.

Aufregend ist für immer mehr Menschen das Verfolgen von Darts: Die German Darts Open Anfang September diesen Jahres in Jena wurden beispielsweise ganz offiziell von Sport 1 übertagen. Damit war das Turnier bereits die dritte gesendete Darts-Veranstaltung des Jahres, nach Turnieren in München und Trier, die allesamt im Rahmen der European Tour stattfanden. Die offizielle Rangliste der Professional Darts Corporation (PDC) ist als Order of Merit bekannt, die vor allem von britischen Spielern dominiert wird – kein Wunder, denn Darts wurde als Sport zunächst in englischen Pubs geboren. Gabriel Clemens aus Saarwellingen ist auf Rang 22 derzeit der bestplatzierte Deutsche, auf Platz eins liegt der Waliser Gerwyn Price, gefolgt vom Schotten Peter Wright sowie Michael van Gerwen aus den Niederlanden auf Platz drei – was beweist, dass Darts auch dort erfolgreich betrieben wird.

Ausgetragen werden Darts Turniere noch immer meist in Pubs, wobei die Atmosphäre für einen Wettkampfsport für Neueinsteiger durchaus gewöhnungsbedürftig sein kann und vom „Welt“ Sportredakteur Lutz Wöckener seinerzeit als „dicke Männer, die Pfeile werfen“ beschrieben wurde. Dabei gibt es die Darts-WM bereits seit 1994, in Deutschland zieht sie seit vielen Jahren mehr als eine Million Menschen vor den Fernseher. Phil Taylor ist ein 16-maliger Darts Weltmeister und wurde dank des Sports vom Gelegenheitsarbeiter zum Multimillionär.

Dass sich mit Randsportarten eine Menge Geld verdienen lässt, beweist auch Barry Hearn, der als erster die Idee hatte das Pfeile Werfen zum TV-Ereignis und zum „Golf der Arbeiterklasse“ zu machen: als Vorsitzender der PDC und Präsident des Sport-Promotion Unternehmens Matchroom Sport, hat er seine Hände in vielen Sportarten: Bereits in den 70er Jahren kaufte er eine Snooker-Halle und trug erheblich dazu bei, dass Snooker -Turniere seitdem vom Sender BBC ausgestrahlt werden. Später folgte sein Einstieg in den Boxsport, Fußball und in den 90er Jahren in den Darts-Sport. Sogar die Ausstrahlung von Angelsportwettkämpfen auf Sky Sports, mittlerweile seit 19 Jahren erfolgreich, ist ihm zu verdanken. Nach einer schweren Anfangsphase, in der er beinahe bankrott ging, und einem Herzinfarkt 2002 gilt Barry Hearn heute als einer der erfolgreichsten Sport-Promoter, mit einem geschätzten Vermögen von 65 Millionen U.S. Dollar im Jahr 2020.

Während viele Randsportarten Jahr für Jahr ums Überleben kämpfen, tun sich in jüngster Zeit ungeahnte Chancen auf sie bekannter zu machen: Streaming-Plattformen wie Twitch und YouTube erlauben es die Ereignisse kostenfrei zu übertragen, Fans haben dabei die Gelegenheit die Channels der Stars für geringe Beträge zu abonnieren, zudem tun sich gerade bei Kanälen mit zahlreichen Followern Chancen auf zahlungskräftige Sponsoren an Land zu ziehen. Beachvolleyball stößt beispielsweise aufgrund der weitgehend geringen Zuschauerzahlen bei den TV-Sendern auf wenig Interesse. Alexander Walkenhorst, deutscher Meister in der Disziplin, streamt deshalb die Partien der Volleyball-Bundesliga einfach selbst auf dem Twitch-Kanal „Spontent“. Auch der Internetsender Rocket Beans spezalisiert sich auf Randsportarten und überträgt beispielsweise wichtige Schachturniere, wobei nicht selten 100.000 Fans gleichzeitig zuschalten. Dabei geht es nicht nur um Berichterstattung, sondern um bunte Unterhaltung – mit Memes, witzigen Anekdoten und Instagram-Videos der Spieler.

Mit der Zunahme von Streaming-Angeboten könnte somit auch den Randsportarten eine rosige Zukunft blühen, wenn man nicht mehr um den Verkauf hochdotierter Übertragungsrechte kämpfen muss, sondern den Sport gratis in die deutschen Wohnzimmer bringen und auf diese Weise bekannter machen kann. Snooker, Darts und Poker sind mittlerweile fest etabliert, doch auch Trend- und Extremsportarten haben auf diese Weise neue Chancen ein größeres Publikum auf sich aufmerksam zu machen.

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