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Dienstag, 21 November 2023 08:06

Snooker Champions of Champions 2023: Mark Allens Meisterstück

Judd Trump gelang in der Woche von Bolton „einer der drei besten Stöße meiner Laufbahn“, eingebettet in makellose Performances. Aber im Finale zerschellte seine ganze Spielkunst mit 3:10 am diamantpräzisen Matchplay von Mark Allen. Die Turnier-Absage von Ronnie O’Sullivan wegen „mentaler Probleme“ war da längst kein Thema mehr.

Hübsche Prämien

Einen Tag vor dem ersten Break-off kam die Meldung, dass der Größte aller Zeiten nicht antreten werde. Über die tatsächlichen Hintergründe wurde ausgiebig spekuliert, denn das seit 2013 ausgetragene CoC gilt als eines der Lieblingsturniere von Ronnie: ein Spieltisch, hochkarätige Gegner, vier Vierer-Grüppchen mit wenigen Runden bis ins Finale und hübsche Siegprämien. Eine Interpretation für seinen Krankenschein ist der andauernde Zwist mit den Bossen der World Snooker Tour, die ihm offenbar eine Bestrafung wegen seiner jüngsten kritischen Äußerungen angedroht haben.

Die Woche der „gestohlenen“ Frames

Die Verantwortlichen beim übertragenden britischen TV-Sender ITV dürften angesichts deutlich geringerer Einschaltquoten wenig begeistert gewesen sein. Zhang Anda, wenige Tage zuvor Sieger der International Championship von Tientsin, und Ronnies Last-Minute-Nachrücker Ding Junhui freuten sich hingegen über ein volles Haus im Stadionkomplex der Bolton Wanderers.

Ronnies Fans werden verwöhnt

Die Fans von O’Sullivan erlebten ein spektakuläres Match, in dessen Verlauf Zhang einen 0:3-Rückstand aufholte und erst im Decider auf Schwarz von Ding zu stoppen war. Zhang gelang dabei im fünften Frame einer der Steals des Jahres mit einer 58er-Clearance aus einem höchst anspruchsvollen Bild heraus. Kommentar Alan MacManus: „Nach den ersten drei Frames werden sich viele gefragt haben: Wie konnte dieser Mann bloß in China den Titel holen? Jetzt sieht man, warum.“

Der Jetlag-geplagte Ding war in der Abendsession allerdings kein Gegner mehr für John Higgins und unterlag deutlich mit 1:6. Der Schotte hatte zudem gegen den sichtlich überforderten Shoot-Out-Champion Chris Wakelin beim 4:0 ein kräfteschonendes Nachmittagsmatch absolviert.  

Judd zaubert den Magier weg

Auch das Gruppenfinale von Trump gegen Shaun Murphy (6:4) avancierte ab der ersten langen Roten des „Magician“ zum hochklassigen Drama, das keinen Verlierer verdient hatte. Judd gewann mehrere Frames „von hinten“ und zauberte in Frame sieben den Stoß des Turniers aufs Tuch, einen Topspin/Sidespin-Ball auf Gelb, der als Dreibänder die letzte Rote zart von der Bande vor die Mitteltasche schob. Kommentar Alan MacManus: „Zhang Anda war unglaublich, aber das hier ist überirdisch.“

Milkins‘ Nerven werden Brösel

Ebenfalls weiterhin in Saison-Bestform präsentierte sich der vierte Halbfinalist Barry Hawkins. Sein 4:0 gegen Luca Brecel kam allerdings ebenso ohne nennenswerte Gegenwehr zustande wie sein 6:2 gegen Welsh-Open-Sieger Robert Milkins, der nachmittags ein 4:2 gegen Mark Williams eingefahren hatte. Milkins‘ Nerven zerbröselten bereits in Frame eins, als er zwei Snooker vorne lag und noch von Barry abgefangen wurde. Vor dem Match hatte sich Hawkins als echter Fan geoutet: „Rob gehört zu den Spielern, die ich mir am liebsten anschaue.“ 

Klare Regeln

In den Halbfinals wurde die aktuelle Weltrang-Hackordnung dann deutlich geregelt: Judds 6:3 gegen Barry Hawkins verlief ebenso unangefochten wie das 6:2 von Mark Allen gegen John Higgins. Mark hatte die Runde der letzten Vier über Erfolge gegen Senioren-Weltmeister Jimmy White (4:1) und German-Masters-Champion Ali Carter (6:2) erreicht, der in seinem Auftaktmatch gegen Mark Selby (4:3) angetreten war und mit einer 143 das höchste Turnierbreak spielte.

Eine Schale für viel Obst

Auch im Endspiel waren zwei Steals vorentscheidend: In den Frames drei und vier lag Judd jeweils deutlich in Front und ging dennoch mit 1:3 in die Mid Session, obwohl er 25 Scorerpunkte mehr auf dem Konto hatte. Am Ende des Nachmittags stand es 7:2 für den Nordiren, der bis zur Entgegennahme der silbernen Obstschale nichts mehr anbrennen ließ. Seine Prämie: 150.000 Pfund. Judds Aufwandsentschädigung: 60.000 Pfund.  

Mark ist mit seinen beiden Titeln weiterhin der einzige CoC-Sieger, der zuvor noch keine Weltmeisterschaft gewonnen hat. In dieser ausgereiften Form ist sein fehlendes Triple-Crown-Sternchen allenfalls eine Frage des passenden Moments …

Was gab’s noch?

ITV-Kommentator Stephen Hendry musste harsche Kritik einstecken, unter anderem seitens des BBC-Kollegen Shaun Murphy, weil er in der Analyse des Erstrundenmatchs von Judd Trump gegen Weltmeisterin Baipat Siripaporn (4:0) erwähnte, er habe die Thailänderin zuvor noch nie spielen sehen.

Ein halbes Jahr nach dem letzten Ball von Luca Brecel im WM-Finale von Sheffield stand Brendan Moore in Bolton wieder als Referee am Tisch. Der Top-Schiedsrichter hatte Anfang Mai offiziell seinen Rücktritt erklärt, um als Turnierdirektor in die Poolbillard-Abteilung des WST-Mehrheitseigners Matchroom zu wechseln.

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