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Montag, 16 Januar 2023 15:29

Snooker Masters 2023: Judd geht die harte Tour

geschrieben von Matthias Breusch
Sieger Judd Trump Sieger Judd Trump World Snooker

Beinahe hätte Shaun Murphy seinen Ehrentitel „Der Magier“ an Mark Williams abgeben dürfen, denn der coolste aller Snooker-Meister spielte erneut ein sagenhaftes Turnier mit unvergleichlichem Ballgefühl. Am Ende hatte allerdings Judd Trump in einem hochklassigen Finale mit 10:8 (nach 7:8-Rückstand) die Nase vorne und gewann die Paul Hunter Trophy zum zweiten Mal nach 2019.

Eine Woche voller Kantersiege

Ungewöhnlich viele deutliche Siege kennzeichneten das 2023er Masters. Der letzte „white wash“ beim Treffen der Weltspitze wurde 2018 notiert, als Ronnie O’Sullivan gegen Marco Fu mit 6:0 gewann. Diesmal gab es das Resultat gleich dreimal, neben je zwei 6:1- und 6:2-Entscheidungen. Lediglich drei der 15 Matches vor stets ausverkauftem Haus im stilvollen Alexandra Palace gingen über die volle Distanz. Zwei davon absolvierte der spätere Turniersieger.

Lautstärke lässt sich steigern

Glücklicher als in seinem Auftaktmatch gegen Ryan Day hätte Judd kaum starten können. In einem zerfahrenen Spiel mit vielen Stockfehlern auf beiden Seiten erwies er sich am Ende als der zähere Spieler. Ryan schaffte es trotz vieler Breakchancen nicht, seinen 5:3-Vorsprung zum Einzug ins Viertelfinale auszubauen.

Trumps zweites Match ging ebenfalls in den elften Frame. Gegen den starken Barry Hawkins, der zum Auftakt Topfavorit Mark Allen mit exzellentem Safety-Spiel und hohen Breaks 6:0 kaltgestellt hatte, konnte Judd einen 4:5-Rückstand noch umbiegen.

Das ohnehin stets leidenschaftlich mitfiebernde Publikum gab vor dem Anstoß zum Decider alles, um einen neuen Lautstärkeweltrekord für Palastinnenräume aufzustellen. Beide Spieler wurden das Grinsen von einem Ohr zum anderen kaum noch los.

Judds Gegner im Halbfinale (6:1) stand sich eher selbst im Weg: Stuart Bingham gelang es nicht, den Schwung aus seinen hoch überlegenen Siegen gegen Kyren Wilson (6:3) und Shaun Murphy (6:0) mitzunehmen und seinen neuen Sponsor, einen Lieferanten heißer Badewannen, erneut glücklich zu machen, zimmerte aber immerhin sein fünftes Century aufs Scoreboard.

Auswärtssieg mit Ovationen

Für den dritten Masters-Decider und die Krönung des Viertelfinals sorgten Mark Williams und Ronnie O’Sullivan. Mark gewann weit mehr als „nur“ das erste Match gegen Ronnie seit 2014, nämlich etwas noch nie Erlebtes: Ronnies Fankurve. Die 2.000 Zuschauer feuerten Mark mehrheitlich an und feierten seinen Sieg mit Standing Ovations. Dabei hatte er sich zuvor auf das „übliche Auswärtsspiel“ in London eingestellt: „Außen den drei Leuten in deiner Ecke will Dich hier niemand gegen Ronnie gewinnen sehen.“

Seine beiden anderen Knockout-Matches gewann der Publikumsliebling lässig mit 6:2 gegen David Gilbert, der für Zhao Xintong ins Teilnehmerfeld gerückt war, und mit eisernem Matchplay 6:0 gegen Jack Lisowski im Halbfinale.

Papa locht Bälle

Den besten Tipp, wie man ein Spiel möglichst erfolgreich gestaltet, bekam Shaun Murphy vor seinem 6:4-Triumph gegen Titelverteidiger Neil Robertson per Textnachricht von seiner kleinen Tochter: „Papa, denk dran, dass du auch ein paar Bälle lochen musst.“

Leider reichte diese Strategie nur fürs Achtelfinale. Stuart Bingham hatte im Viertelfinale beim 6:0 mit alleine drei Centuries einen solch unhaltbaren Lauf, dass Shaun lediglich die Qualität des Mobiliars seiner Sitzecke zu schätzen wusste: „Immerhin hatte ich einen bequemen Sessel, um das Ganze zu verfolgen.“

Eine Prämie für drei

Der für Yan Bingtao nachnominierte Hossein Vafaei erwies sich als würdiger Masters-Debütant. Zunächst schaltete er English-Open-Champion Mark Selby mit feinem Spiel aus; darunter zwei Centuries und ein 99er-Break. Im Viertelfinale sorgte er zusammen mit Jack Lisowski beim 4:6 für einen der spielerischen Höhepunkte des Masters.

Dabei gelang Vafaei mit einer 143 das höchste Turnierbreak. Die Prämie von 15.000 Pfund wird allerdings durch drei geteilt: Auch die beiden Finalisten zauberten jeweils eine 143 aufs Tuch.

Williams spielte insgesamt sieben Centuries, Judd und Stuart Bingham fünf, Ronnie und Hossein drei.

Die Einstellung des Rekords von 31 Centuries aus dem Jahr 2009 wurde mit 30 denkbar knapp verfehlt.

Was gab’s noch?

Den „shot of the tournament“ lieferte Luca Brecel mit einem Zugball über den ganzen Tisch, für dessen Ausführung er das Hilfsqueue auf der Bande aufsetzen musste.

Unglücklicherweise schaffte der Belgier es jedoch nicht, sein Achtelfinale gegen Ronnie O’Sullivan (1:6) ausgeglichen zu gestalten, weil er mehrfach im Frame-Finale simple Bälle versiebte. Zur Mid Session hätte er mit 3:1 führen können.

Außer am Auftakt-Tag waren die laufenden Verfahren gegen die gesperrten chinesischen Spieler kein Thema. Jason Ferguson, Vorsitzender der WPBSA, sagte im Interview mit der BBC lediglich, man sei „seit Monaten von morgens bis abends mit intensiven Ermittlungen beschäftigt“ und werde diese voraussichtlich zwei bis drei Wochen nach dem Masters abgeschlossen haben und der Öffentlichkeit verkünden.

60 Prozent der Tickets für das Masters 2024 waren am Finaltag 2023 bereits verkauft. Karten für das Finale 2024 sind bereits jetzt nicht mehr erhältlich. 

Text: Matthias Breusch, www.satz-ball.de/snookermania

    

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