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Montag, 27 Februar 2023 13:50

Snooker Players Championship 2023: Der Magier räumt ab

Snooker Players Championship 2023: Der Magier räumt ab worldsnooker

Shaun Murphy ist der überragende Sieger der Players Championship in Wolverhampton. Das Finale gegen Ali Carter entschied er in glanzvoller Manier mit 10:4 für sich. Auf dem Weg zum Titel zauberte er einen Rekord von elf Centuries in vier Matches aufs Tuch – drei mehr als John Higgins 2021.

Bei Shaun passte einfach alles. Der Mann im Glitzer-Outfit spielte die fünf höchsten Turnierbreaks mit einer 145 im Finale als Spitzenwert, und selbst seine Turnier-Safety-Rate von 88 Prozent war unantastbar. Die Niederlage aus der Vorwoche gegen Robert Milkins bei den Welsh Open nach eigener 3:1-Führung habe ihn schwer geläutert. Mit der gläsernen Trompete im Arm erklärte er: „Ich hab mich nach Llandudno von Luca Brecel inspirieren lassen. Der hat 2021 das Finale der UK Championship verloren, einfach weitergemacht, als wär nichts gewesen, und direkt danach die Scottish Open gewonnen.“

Fünf Centuries im Finale

Das „härteste Stück“ auf dem Weg zu seinem ersten Ranglisten-Titel seit den Welsh Open 2020 räumte der sprachgewandte Entertainer gleich im Achtelfinale aus dem Weg: seinen Freund Mark Selby mit 6:3. Aber auch Ryan Day (6:0) und Kyren Wilson (6:3) hatten praktisch keine Chance gegen Shauns schier perfektes Positions- und Lochspiel. Dass unter seinen fünf Centuries im Endspiel zehn Tage nach seinem Stunt mit 145 und 147 Punkten in aufeinanderfolgenden Frames gegen Daniel Wells nicht erneut ein erneutes Maximum Break heraussprang, verbuchte er letztlich als Vorteil: „Wahrscheinlich war es besser so. Es gibt viele Spieler, die ihr Match nach einer 147 noch aus der Hand gegeben haben.“   

Showtime ohne Mega-Stars

Publikums-Lieblinge wie Ronnie O’Sullivan, Mark Williams oder Neil Robertson konnten sich erst gar nicht qualifizieren. So mancher Sitz blieb leer. Nur das Finale war so gut wie ausverkauft. Shaun Murphy kommentierte den geringeren Star-Faktor scherzhaft: „Sorry, aber das ist dummes Zeug. Natürlich freue ich mich, dass sie mir hier nicht im Weg gestanden sind.“

Murphys ebenfalls wiedererstarkter Gegner galt vor dem Endspiel bei den Buchmachern wegen seines vollendeten Allroundspiels sogar als leichter Favorit. Ali Carter hatte in einem starken Clash mit Judd Trump haarscharf den Decider für sich entschieden und danach Rob Milkins (6:1) und Joe O’Connor im Halbfinale mit schnörkellosem Spiel 6:4 ausgeschaltet – nach 2:4-Rückstand. Außerdem gelang ihm einem sagenhaften Zugball der „shot of the tournament“.

O’Connor schockt Allen

Der entspannt in sich ruhende 27-jährige Engländer O‘Connor nutzte seine Chancen in Wolverhampton in vollen Zügen. Aufgrund der Sperren von Yan Bingtao und Zhao Xintong war er ebenso gerade noch ins 16er-Feld gerutscht wie Shootout-Champion Chris Wakelin. Sein souveräner Sieg gegen den blassen Topfavoriten Mark Allen (6:3) und der Zweitrundenerfolg gegen den alles andere als blassen Queue-Künstler Luca Brecel (6:5) bescherten ihm in der Weltrangliste den Sprung von Platz 37 auf Rang 31.

27 Frames in 15 Stunden

Dank der hohen Preisgelder in den Treffen der Jahresbesten rückt der Elite-Kreis immer enger zusammen. Auch das Feld der besten Acht bei der Tour Championship (ab dem 27. März in Hull) steht bereits recht stabil. Mit dem für die abgesagten Turkish Masters ins Programm genommenen „Blitzturnier“ WST Classic in Leicester gibt es für die Profis nur noch eine Gelegenheit, sich mit guten Ergebnissen für Hull oder die WM in Sheffield besser zu platzieren – vorausgesetzt, man betreibt Triathlon als Ausgleichssport. Die Viertelfinals (best of seven) und Halbfinals (best of nine) werden ebenso wie das Finale (best of eleven) am selben Tag ausgetragen. Geht der Sieger jedesmal über die volle Distanz, darf er von morgens um zehn bis spät in der Nacht 27 Frames bestreiten ... 

Maguire äußert schwere Kritik

Die Turnierplanung ist in Spielerkreisen aber auch darüber hinaus schon länger schwer umstritten. Die ständige Abfolge hochkarätig besetzter Championate verdeckt zunehmend, dass es vielen Profis finanziell nicht gut geht, obwohl World Snooker in dieser Saison erstmals eine „Aufwandsentschädigung“ in Höhe von 20.000 Pfund angesetzt hat.

Stephen Maguire, Sieger der Tour-Championship 2020 und derzeitige Nummer 36 der Zwei-Jahres-Weltrangliste, äußerte sich im Interview mit Phil Haigh von metro.co.uk deutlich: „Das Spiel stirbt vor unseren Augen. Was soll ich meinen Kindern sagen? Dass Snooker spielen ein gutes Leben bedeutet? Aber ist es das? Offensichtlich nicht. Ich habe 30 Jahre meines Lebens hier reingesteckt. Aber wir bekommen nicht genug Unterstützung. Es gibt Leute in den Top 30, die gerade dabei sind, sich Jobs zu suchen. Hier stimmt was nicht. Wenn die Qualifikation für die WM im April losgeht, werden viele dabei sein, die in der ersten oder zweiten Runde das Geld erspielen müssen, um ihre laufenden Kredite abzuzahlen.“

Die einzige Konsequenz ist in seinen Augen eine Reduzierung der Tour-Lizenzen von 128 auf 64: „Snooker ist nicht groß genug, um 128 Profis durchzubringen. Das mag furchtbar klingen, ist aber leider so.“

Text: Matthias Breusch, www.satz-ball.de/lesestoff/snookermania

  

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