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Freitag, 31 März 2023 15:07

Snooker Tour Championship 2023: Himmel und Hölle für Ryan Day

Snooker Tour Championship 2023: Himmel und Hölle für Ryan Day World Snooker

Donnerstag, 30. März 2023, letztes Viertelfinalmatch der Tour Championship. Im Spiel gegen den glänzend aufgelegten Mark Selby ist Ryan „Dynamite“ Day auf dem besten Weg, einen 2:8-Rückstand zu einem spektakulären Comeback umzubiegen. Selbst ein Maximum und eine 139er Total Clearance mit 16 Roten reichen jedoch nicht. Nach dem 7:10 muss Day als 17. der Rangliste in die Mühle der Crucible-Qualifikation.

Die Viertelfinals des Bonus-Turniers für die acht Saisonbesten hielten weitgehend, was sie versprachen. Das Fehlen von Zugpferden wie Judd Trump, Neil Robertson, Mark Williams oder Ronnie O’Sullivan machte sich allerdings offensichtlich bemerkbar, denn die Halle in Hull war nur spärlich besetzt; sehr viele der roten Schalensitze blieben leer.

Gary feiert Selby

Schon vor den Halbfinals am Freitag (Kyren Wilson gegen Ding Junhui) und Samstag (Mark Selby gegen Shaun Murphy) ist eine Entscheidung also gefallen. Tatenlos fieberte Gary Wilson zu Hause „mit taub gequetschten Daumen und einem Mark-Selby-Fan-Schal um den Hals“, wie ITV-Kommentator Dave Hendon witzelte, und durfte sich nach Mitternacht endlich entspannen. Er entgeht als 16. der Setzliste der harten Qualifikation für Sheffield.

Maximum mit großen Bällen

Ryan Day hätte gewinnen müssen, um an Gary vorbeizuziehen. Nach Ryans 147 in Frame drei, die gespickt war mit grandiosen Bällen, holte Selby sechs der folgenden sieben Frames. Aber dann platzte der Knoten gewaltig, und Ryan offenbarte sein ganzes spielerisches Potenzial. Knackpunkt war eine kerzengerade gelochte Pinke bei 37, als ihm der Zugball in die Mitteltasche rutschte. Statt 6:8 hieß es 5:9, aber Day holte unverdrossen auf höchstem Niveau auch die nächsten beiden Frames.

In der blendenden Form, in der sich Selby seit Wochen befindet, war klar: Mark würde jede noch so kleine Chance für den Schritt über die Ziellinie nutzen. Eine souveräne 77 beendete das schwer unterhaltsame Match. Gewinnt Selby das Halbfinale gegen Murphy, wird er zum neunten Mal in seiner Karriere Platz eins der Weltrangliste erobern.

Ding ist zurück in den Top 16

Mark Allen konnte erneut die Form seiner Erfolge aus der ersten Saisonhälfte nicht wieder zum Leben erwecken („Ich hatte einfach einen schlechten Tag“). Mit dem Turniersieg in Hull hätte er zum ersten Mal die Nummer eins der Welt werden können.

Six-Red-Champion Ding Junhui qualifizierte sich dank des deutlichen und ungefährdeten 10:5 zudem als 15. Spieler für die Setzliste in Sheffield. Neben einem Century landete er neun weitere Breaks über 50. „Ich war gar nicht so sehr aufs Crucible fixiert. Mir geht es in erster Linie um die Top 16, und für mich ist es nebensächlich, ob das früher oder später passiert wäre“, kommentierte der Virtuose seinen Wiederaufstieg nach längerer Zeit auf Weltranglistenplätzen jenseits der Top 32.

„Wir sind keine Roboter!“

Kyren Wilson spielte anders als gewohnt, ohne die verbissene Note, und gewann relativ locker mit 10:4 gegen Ali Carter, der sein Hoch aus den letzten Monaten mit dem Titel in Berlin und dem Finale der Players Championship nicht mitzunehmen vermochte und mehrfach Frames, die er hätte holen müssen, noch aus der Hand gab.

Kyren hatte bereits vor dem Spiel öffentlich gemacht, dass Snooker für ihn derzeit nicht an erster Stelle steht. Der jüngere seiner beiden Söhne, gerade einmal fünf Jahre alt, ist seit Januar schwer erkrankt. Nach wie vor gibt es keine definitive Diagnose. Im Interview mit ITV sagte der Familienvater: „Wir sind keine Roboter. Alle von uns haben ein Leben außerhalb des Tischs. Manchmal habe ich das Gefühl gehabt, Snooker sei das, womit der Tag anfängt und aufhört, aber jetzt wird mir klar, wie glücklich ich mich schätzen kann, und das hat mich befreit, einfach nur mein Spiel zu genießen.“

Shaun dankt der Glücksgöttin

In starker Verfassung beendete Shaun Murphy sein Match gegen Robert Milkins. Die Neuauflage der Welsh-Open-Finalpaarung hatte zwei vollkommen unerschiedliche Halbzeiten. Rob führte bereits überlegen mit 5:1, konnte sein Momentum allerdings nicht ganz halten. Nach dem 6:3 riss nicht nur sein Spielfaden, sondern er bekam vor allem Probleme mit seiner Pomeranze: „Jeder lange Ball mit Effet rutschte einfach ab. Es wurde immer übler.“

Murphy holte daraufhin fünf Frames in Serie. Milkins schaffte zwar noch den Rückweg zum 8:8, aber Shaun beendete das Drama mit einem perfekt orchestrierten Century zum 10:8. „Wenn ich die letzten beiden Frames der ersten Session nicht zusammengekratzt hätte, wäre das sicher nichts mehr geworden. Und ich hatte die Unterstützung der Glücksgöttin. Jeder kleine Rutscher und Konter ging zu meinen Gunsten. Sonst wäre möglicherweise Rob jetzt weiter.“  

 

Text: Matthias Breusch

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