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Montag, 04 Dezember 2023 08:10

Snooker UK Championship 2023: Ronnie O’Sullivan auf Wolke acht

Ronnie O’Sullivan bleibt auch mit 48 die unangefochtene Nummer eins der Snooker-Welt. Sein „kleiner Bruder“ Ding Junhui spielte sich in York mit Kämpferherz und Finesse zurück in die Top 16. Die beiden Grand Master der Spielballkontrolle lieferten sich ein schwer unterhaltsames Finale mit einem furiosen Endspurt. Das 10:7 brachte Ronnie im neunten Endspiel den achten UK-Titel seiner Karriere, exakt 30 Jahre nach seinem ersten Triumph als Teenager. Es ist sein 40. Ranglisten-Erfolg und sein 22. bei einem Triple-Crown-Turnier.

 

Ein Turnier voller Klassiker

Das schönste Spiel der Welt in Bestform: Der im letzten Jahr rundumerneuerte Modus der UK Championship hat sich erneut bewährt. Sowohl die gestaffelte Qualifikation aus vier Runden im Best-of-eleven-Modus für die 16 freien Plätze als auch das Endturnier mit den 16 gesetzten Top-Spielern der Zwei-Jahres-Weltrangliste auf zwei Tischen waren gespickt mit dramatischen, spektakulären Matches. Neben den beiden Finalisten begeisterten eine ganze Reihe von Könnern in York mit formstarker Spielkunst, darunter Hossein Vafaei, Barry Hawkins, Zhou Yuelong, Mark Williams, Zhang Anda, Mark Selby — und Saison-Überflieger Judd Trump, der erst im Halbfinale von Ding Junhui (4:6) zu stoppen war.

Ding siegt mit weichen Knien

Titelverteidiger Mark Allen hatte allerdings ein bisschen mehr zu verkraften als die denkbar knappe Auftaktniederlage (5:6) gegen den gesundheitlich schwer angeschlagenen Ding, der am Morgen des Matchs noch überlegt hatte, Mark ein Freilos fürs Achtelfinale zu bescheren, weil er sich „kaum auf den Beinen halten konnte“. Dennoch zog der Chinese dank mehrerer fein gezirkelter Steals in die nächste Runde ein, obwohl Allen fand, er selbst habe „klar besser gespielt und das Match kontrolliert“.

Schmerzhafte Wahrheiten

Umgehend nach seinem Ausscheiden von der BBC als Live-Kommentator und Analyst verpflichtet, fragte der Nordire den Kollegen Luca Brecel nach dessen Auftaktsieg gegen Tour-Rückkehrer Yuan Sijun (6:4), wie viel der Weltmeister denn aktuell tatsächlich trainiere. Luca wand sich ein bisschen: „Ja, so alles in allem sind es etwa 20 Minuten – pro Woche.“ Allen zuckte in seinem Sessel zusammen: „Das tut mir richtig weh. Bei mir sind es an jedem einzelnen Tag fünf bis sechs Stunden.“

400 Riesen in der Garage

Auf die Frage, wie er sich angesichts zuletzt mäßiger Resultate motiviere, erzählte Luca außerdem freimütig, er habe kürzlich als Geldanlage „400 Riesen“ in zwei weitere Sportwagen investiert. Jetzt sei allerdings das Bargeld knapp geworden und er müsse sich halt anstrengen, dass wieder was reinkommt. Vor allem um die nötige Vergrößerung seiner Garage zu stemmen. Es blieb allerdings bei 15.000 Pfund Honorar für das Erreichen des Achtelfinals. Seine seit der WM bekannte Entspannungsmethode, zwischen zwei Spielen in seinem feuerroten Spielmobil aus Maranello nach Hause zu cruisen (hin und zurück über den Kanal in jeweils sieben Stunden), funktionierte diesmal nicht: Der gereifte Zhang Anda gewann mit schnörkellosem Matchplay 6:4. 

Zwangspause im Pub

Neben Shaun Murphy, der nach einem Feueralarm im Barbican Theatre von York und der kurzfristigen Flucht in einen Pub um die Ecke sein Auftaktmatch gegen Hossein Vafai 4:6 verlor („ich war grauenhaft schlecht“), wechselte auch „Warrior“ Kyren Wilson nach seinem 5:6 gegen Jamie Clarke ans Live-Mikrofon der BBC und entpuppte sich als mediales Naturtalent. Interessant entwickelte sich vor allem das Kommentatoren-Duo Murphy/Allen. Mark konfrontierte seinen Nebenmann mehrfach schlitzohrig mit harmlosen Fragen: „Mal ehrlich, Shaun, wie trainierst du denn so was zu Hause?“ Der „Magier“ ließ sich jedoch kein bisschen in die Taktik-Karten schauen ...  

Randnotizen und Rekorde

Die meisten Centuries in York erzielten Ding (10) und Hossein Vafaei (7). Xu Si gelang während der Qualifikation das erste Maximum Break seiner Karriere. Die 147 brachte ihm 15.000 Pfund Prämie – und die Chance auf 147.000, falls er im Rahmen der WM ein weiteres Triple-Crown-Maximum spielen sollte. 

Die schmerzhaftesten Niederlagen kassierten Kyren Wilson (gegen Jamie Clarke) und Noppon Saengkam (gegen Tom Ford). Beide hatten bereits mit 5:1 geführt und unterlagen jeweils mit 5:6. 

Der knapp einstündige achte Viertelfinal-Frame zwischen Ding Junhui und Mark Williams (6:5) sorgte für einen neuen Punkte-Rekord auf der Profitour, wie die Statistiker von snooker.org notierten. Der Waliser steuerte 53, Ding zwölf Foulpunkte bei. Williams holte sich dennoch den Frame mit 101:94.

Das „Duell der Giganten“ im Viertelfinale verlief unerwartet einseitig. Judd Trump traf erst zum zweiten Mal überhaupt in einem Triple-Crown-Match auf Mark Selby. Selby kämpfte sich nach 0:5 noch heran und verlor 3:6. 

Ding Junhui scheiterte bereits zum zweiten Mal denkbar knapp mit einem Marathon bis ins Finale am Gesamtsieg: 2016 musste er sich mit drei Matches fürs Crucible qualifizieren, gewann 97 von 154 Frames in acht Begegnungen und unterlag am Ende gegen Mark Selby mit 14:18. Diesmal spielte er inklusive der beiden Vorrunden gegen Daniel Wells (6:4) und Robbie Williams (6:3) 77 Frames, von denen er 43 für sich entschied.

Neil Robertson beendete einen verunglückten Saisonherbst mit einer weiteren Erstrunden-Niederlage gegen den starken Zhou Yuelong und rutschte auf Platz 86 der Ein-Jahres-Rangliste ab. Nur ein Spieler aus den Top 64 erreichte noch weniger: Tiang Pengfei auf Rang 104 (Quelle: snooker.org). Zhou konnte seine böse Bilanz gegen den Australier (darunter ein 0:9 im Finale der European Masters 2020) mit einem exzellent herausgespielten 6:2 aufbessern. Yuelong war über zwei Qualifikationsmatches ins Hauptfeld eingezogen, legte nach dem Sieg über Neil ein ungefährdetes 6:3 gegen John Higgins nach und zwang Ronnie O’Sullivan im Viertelfinale in den Decider.

Den kurzweiligsten Schlagabtausch der Woche lieferten sich die beiden intuitiven Queue-Künstler Rob Milkins und Thepchaiya Un-Nooh (6:5). Den furiosesten Spielrausch zauberte Hossein Vafaei bei seinem 6:1 gegen Matt Selt mit drei Centuries auf den Tisch. Dasselbe Kunststück vollbrachte er im Viertelfinale gegen Zhang Anda (6:4). Seine Ambitionen endeten erst unter den letzten Vier gegen Ronnie (2:6). Damit verpasst der Iraner zwar das Masters, steht aber dank seiner 50.000 Halbfinalpunkte so gut wie sicher im Feld von World Grand Prix und Players Championship.

Das Masters steht

Wie üblich fungiert die UK Championship als Cut für das Teilnehmerfeld des Masters, das ab dem 7. Januar in London ausgetragen wird. Die noch vor Weihnachten stattfindenden Scottish Open sowie das Shoot-Out-Spektakel fließen nicht in die Wertung ein. Die Auslosung in der Mid Session des UK-Finals ergab folgende Paarungen:

Luca Brecel — Jack Lisowski

Ronnie O’Sullivan — Ding Junhui

Judd Trump — Kyren Wilson 

Mark Allen — John Higgins

Mark Williams —  Ali Carter

Mark Selby — Robert Milkins

Neil Robertson — Barry Hawkins

Shaun Murphy — Zhang Anda

***

Text: Matthias Breusch, Snooker-Geschichten (satz-ball.de)

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