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Freitag, 22 März 2013 09:36

Snooker: Zu Besuch in der SWSA in Gloucester, England

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Die hochgelobte South West Snooker Academy war Ziel unserer viertägigen Reise sein.


Paul Mount hat 2010 das riesige Snookerareal auf 20.000 Quadratmetern in Gloucester gegründet und dort ist auch die Spieleragentur on-Q-Promotion zuhause.

Donnerstag - Anreise:

Die Anreise nach Birmingham klappte mit leichter Verspätung reibungslos. Der Pickup-Service war bestellt und freundlich nahm uns Stephen, der Fahrer am Flughafen in Empfang. Auf der knapp einstündigen Fahrt in den Südwesten Englands erfuhren wir schon einiges über Gloucester.

Aufgrund des gutbesuchten Pferderennens in Gloucester konnten wir kein Hotel direkt an der Academy buchen, da die Preise zu dieser Zeit bei knapp 220 Euro/Nacht lagen. Die SWSA hat aber ein eigenes Bed & Breakfasthouse ca. 6 Meilen von der Academy entfernt.

Nach einem kurzen Zwischenstopp an dem House um das Gepäck zu verstauen ging es weiter zur Academy, die in einem Gewerbegebiet in Waterfells liegt. Das Gebäude ist schon bei der Anfahrt imposant. Die Schwester von Paul Mount, Clare nahm uns an der Rezeption der Academy in Empfang. Aufgrund des PTC Grand Final waren viele Spieler noch in Galway, Irland und daher war die Academy an einem Donnerstag um 18 Uhr menschenleer.

Clare machte zunächst mal mit uns einen Rundgang durch die heiligen Hallen. Die Academy ist weitläufig und bietet der onQ-Promotion im Erdgeschoss ein Großraumbüro. Dort arbeitet Janie Watkins, die als Press Officer seit vielen Jahren in der Snookerszene bekannt ist. Andrew Norman, ein ebenfalls bekannter Spieler ist für die Koordination in der Academy zuständig.

Im Erdgeschoss befinden sich ein Raum mit drei Startischen auf Profiniveau und noch ein einzelner Tisch in einem abgetrennten Raum für Coachings. Für Finals ist eigens eine kleine Arena mit knapp 300 Sitzplätzen vorhanden.

Im Obergeschoss befinden sich weitere vier Tische und die großräumige Bar als Aufenthaltsraum.

Nun wurde es Zeit die Cues aus der Verpackung zu nehmen und nach Bällen zu fragen. Alle Tische waren am Donnerstag frei. Lediglich Ben, ein 16jähriger junger Spieler war zu dieser Zeit in der Acacemy. Er hat die Schule beendet und ist von Montags-Freitags in der Academy. Er macht morgens drei Stunden lang die Tische und ansonsten möchte er Snookerprofi werden.

Das Material ist natürlich Weltklasse auch wenn die Bälle (Aramtith 1G) im Koffer aussahen wie selten gesäubert. Eine Ballpoliermaschine gibt es nicht und daher kickt es was das Zeug hält. Die Geschwindigkeit der Tische ist einmalig, denn das Tuch (No. 10) und die Tischheizung sorgen für einen ungewohnten Formel 1 – Speed auf den Tischen. Es dauert eine halbe Stunde bis man mit dem Tempo so langsam zurechtkommt. Das Gefühl auf den Tischen zu spielen, die normalerweise von der Weltspitze benutz werden ist  ehrfurchtgebietend.

Am Nebentisch gesellte sich dann David Malzov zu uns. Ein 16jähriger Russe, der in Gloucester Englisch studiert und für ein Jahr in der Academy ist. Tagsüber ist er in der Uni und abends geht es an den Tisch. Er spielt sich ein wenig ein und studierte seine eigene Cueaction. Ben, der kleine Engländer, der nicht aussieht als ob er bereits sechszehn Jahre ist  kam ebenfalls an den Tisch. Wer bisher dachte, dass der kleine etwas rundliche Kerl nur Tische macht,  wurde jetzt eines besseren belehrt. Er knallte auf den engen Taschen die Bälle vom Tisch und seine Cueaction war auch bei hohem Tempo sehr geradlinig. Zwischen den beiden jungen Talenten stand wohl noch ein Match an.

Wir sollten nach knapp 90 Minuten dem Hunger Tribut und beendeten für den ersten Tag unsere Tischzeit um uns mit dem lokalen Chicken Curry zu verabreden. Am zweiten Tag sollten nun ja 8 Stunden Snooker und eine Menge Gespräche anstehen. Bisher gab es noch keinen der Profis zu sehen, denn diese waren ja noch in Galway beim PTC Finale im Einsatz. Rob Milkins sollte allerdings am nächsten Tag zurückkehren und auch mit den ausgeschiedenen Chinesen könne man rechnen.

Da wir ja mit so viel wie möglich Leuten in Kontakt kommen wollten, war für den zweiten Tag jeweils eine Stunde Coaching mit Frank Adamson und Andrew Norman gebucht (30 GBP/h). Schließlich wollten wir auch von den Coaches dort eine Kostprobe haben.

Freitag - Tag 1:

Nach 2 Stunden allein auf den Tischen musste Frank Adamson krankheitsbedingt als Coach absagen. Dafür hatten wir ja Andrew Norman, der einen sehr guten Job innerhalb einer Stunde machte. Er versucht den Teilnehmer viele Bälle spielen zu lassen und gibt einige Hinweise, die der Teilnehmer gern ausprobieren kann.

Als weiterer Coach wurde uns Anthony Davis empfohlen. Ein ehemaliger Top32 Spieler, der eigens für uns zur Academy kam und drei Stunden gebucht wurde. Ex-Profis neigen leider ein wenig zur Selbstdarstellung und daher waren die ersten 90 Minuten ein Schwätzchen ohne jeglichen Inhalt. Ein Coaching stellt man sich anders vor. Wen interessiert wen er alles kennt und was er erlebt hat. Ein Teilnehmer möchte seine Leistung steigern und keine Autobiographie hören. Dies wurde der Leitung der SWSA dann auch rückgemeldet.

Ernüchternd war die Abwesenheit der Profis. Einige waren beim Grand Final in Galway und der Rest ließ sich einfach nicht blicken. Die ganze Academy gehörte uns. Glücklicherweise lief die Saison für Daniel Wells nicht so gut und somit war doch ein Profi „in the house“. Er trainierte im Erdgeschoss und bat sich auch freundlich für ein Match an.

Zuvor stand aber noch ein Interview mit Janie Watkins an, die für die Pressearbeit von on-Q-promotion zuständig ist. Janie und ich kennen uns schon viele Jahre, aber ich wollte mehr Details über die Ziele und Ausrichtung der Academy erfahren. Das Gespräch war sehr interessant, aber an tiefe Details zu kommen war nicht leicht.

Dann stand das Match mit Daniel Wells auf dem Programm. Auch er hat nur Tischzeit von Montag-Freitag von 9.00 – 17.00 Uhr. Es wird streng darauf geachtet, dass die Pro’s diese Zeit nicht überziehen. Somit kamen wir auf 6 Frames, weil ich eine Overtime beantragte und wir auch zahlten. Daniel Wells befindet sich in einer schwierigen Situation. Seine Saison lief nicht gut und er hatte Probleme mit den Augen. Erst durch einen Arztbesuch wurde festgestellt, dass er besser Kontaktlinsen benutzen sollte. Seit einer Woche sind somit die Bälle wieder scharf. Seine Augen gewöhnen sich noch an die Benutzung von Linsen.

Nichts desto trotz hat er sich vom ersten Ball voll reingehängt und seltsamerweise schien er Druck zu haben. Wodurch auch immer, aber er verschoss doch den ein oder anderen Ball in den ersten 15 Minuten. Aber selbst in dieser Zeit war sein Positionsspiel und vor allem sein Touch für den Spielball beeindruckend. Er legte noch einen Zahn zu und spielte auch noch Breaks von 83 und 113 auf grausige Bilder auf dem Tisch. Der junge Mann hat es drauf und hat das Potential für einen Top 20 Spieler. Es kommt einem leider so vor als ob er noch mit angezogener Handbremse spielt und er einen Erwartungsdruck hat, der ihn handicapt.

Wir verabredeten in Kontakt zu bleiben und von ihm erhielt ich noch Informationen, die man in von einem Press Officer nicht bekommt.

Auch unsere Flatrate endete um 17 Uhr, aber da alle Tische frei waren konnten wir verlängern und noch spielen, üben und testen. Aber irgendwann war auch genug allein rumgespielt und es ging zurück zum Haus und in ein nahelegendes Restaurant (Kings Head Gloucester), welches wahrlich zu empfehlen ist.

Samstag – Tag 3:

Schlafen, duschen und frühstücken in einem Bed & Breakfast nach alter Tradition will gelernt sein.

Genau diese ungewohnte Situation in dem Haus sorgte für den ersten spürbaren Leistungsverlust. Dies kann natürlich auch ein Problem von angehenden Profis oder Besuchern sein. Daher ist die Buchung des Holiday Inn direkt an der Academy wärmstens zu empfehlen.

Pünktlich um 8.30 Uhr bestiegen wir das Taxi Richtung Academy. Heute wären zwei Gruppen Juniors im Haus. Im Obergeschoss auf vier Tischen findet samstags morgens immer die Juniors School statt, an der jeder Jugendliche aus dem Ort für 10 GBP von 9-13 Uhr teilnehmen kann. Dies findet unter der Leitung WSA –Coach, Ray Curtis statt. Diesen hatten wir für uns später auch noch gebucht.

Im Erdgeschoss kam Anthony Davies mit 6 Jugendlichen aus Wales (70 km) und nutze die drei Tisch in einem Raum. Es war auch ein Teilnehmer der U21-EM in Serbien dabei, der ja dann fast schon Richtung Bor durchstartete. Somit hatten wir den abgetrennten Coachingtisch. Mit Profis war nicht zu rechnen, da diese ja keinen Tisch kriegen konnten und ausserdem Pro’s wenn wohl nur in der Woche auftauchten. Michael Wasley war im Dienst und sprang zwischen Bar, Tischen und Rezeption hin und her. Mit ihm kann man sich nur gut verstehen und wir vereinbarten ein Interview welches wir mit der Kamera aufzeichneten.

Nachdem Ray Curtis seinen Juniors Club beendet hatte kam er zu uns und wir hatten Trainer Nr. 3 nun vor uns. Ray ist anders und hat jede Menge Übungen und Hilfsmittel im Gepäck. Dies kam mir nur zu bekannt vor. Aber auch er sah mich nicht als Spieler, sondern gab einen Überblick über seine Praktiken, Ansätze und Hilfsmittel. Na ja… als Spieler wieder mal völlig ignoriert zu werden tut weh, aber dafür war der Informationsaustausch gut. Von meinen Methoden mit Effet zu spielen oder Bälle anzuzielen war er mehr als überrascht und passte zunächst überhaupt nicht in sein Snookercoachingweltbild. Aber er bemühte sich es zu verstehen und probierte es selbst aus.  Wir bremsten jedoch nach knapp 75 Minuten aus, obwohl er gern noch verlängert hätte. Aber nachdem ich als Spieler wieder nichts gelernt hatte war es genug. Ich hatte das Thema Breakbuilding angesprochen, aber irgendwie habe ich wieder nur 5 Stösse gemacht.

Woran lag es? Waren die Coaches gebrieft worden wer da kommt? Ist es das normale Verfahren bei Erstkontakten? Dies liess sich selbst auf Nachfrage nicht endgültig klären.

Nun erfuhren wir auch, dass die Academy am Samstag um 17 Uhr schließt und erst am Sonntag um 18 Uhr wieder öffnet, wenn keine Turniere im Haus sind. Somit waren wir bis zum Rückflug am Sonntag um 15.25 Uhr „snookerlos“. Darüber war in der umfangreichen Kommunikation im Vorfeld keine Rede. Auch der junge Russe David kam in der Academy an während wir aufbrechen wollten und Michael Wasley erklärte auch im das jetzt geschlossen wird. Für David, der seit September in der SWSA ist war das offensichtlich neu. Wir nahmen ihn im Taxi mit zurück zum B&B House.

Nicht zu ändern und ab ging es wieder zum Kings Head um den Samstag mit einem leckeren Essen zu beschliessen.

Wir trafen dann den bereits erwähnten David Mazlov im Haus und schauten gemeinsam Snooker aus Galway. David erzählte ein wenig und wir fingen an zu fragen. Welche Quelle ist besser als ein 16jähriger Russe, der ja ein Jahr dort bleibt.

David ist zweifacher Jugendeuropameister im Pool und war im Sommer 2012 für drei Wochen in Gloucester. Er wollte dort studieren und die Sprache lernen. Pooltische gab es nicht und so sattelte er auf Snooker um. Allerdings ist er Montags-Freitags ganztägig am College und studiert und lernt. Da die Pro’s nur von Montags-Freitag von 9-17 Uhr da sein könnten hat er seit September kaum einen Pro gesehen. Das auch er diese Situation nicht zufriedenstellend fand.

„Die Chinesen habe ich vielleicht dreimal gesehen seit ich hier bin. Beim PTC waren die Pro’s alle da, aber ansonsten ist wenig von denen zu sehen. Die 26 Spieler aus dem Stall der on-Q-promotion sind auch nicht da. Aus Gloucester kommen nur Wasley und Milkins“, erzählte er uns.

Peter Ebdon war im Herbst 2012 mal für eine Woche zur Vorbereitung da, aber ansonsten spielt er nur mit dem kleinen Ben, den ich ja auch schon beschrieben hatte“.

Sonntag – Tag 4 – Abreise:

Wir verbrachten den Vormittag mit einen Besuch in Gloucester um die Zeit bis zur Abholung zu nutzen. Die Innenstadt bietet lediglich die imposante Kathedrale und die historischen Docks. Die Shops haben größtenteils sonntags geöffnet.

Es ging dann wieder knapp eine Stunde zum Flughafen Birmingham und zurück nach Düsseldorf.

Fazit:

Wer professionelles Material braucht um auf den Maintourtischen klar zu kommen ist sicher in der SWSA gut aufgehoben. Die Mitnahme von Kugelpolitur empfiehlt sich. Aber auch als Snookerurlaub bietet sich die SWSA an. Spieler jeden Spielniveaus sind willkommen.

Die Tischrate von 180 GBP pro Woche ist für das Material in Ordnung, aber auch viel Geld. Profis zu sehen oder zu spielen ist ein Glücksspiel. Wenn ein Wochenendevent läuft ist Gloucester ein guter Tip.

Das Coaching muss jeder selbst ausprobieren.

Logistisch bleibt klar das Holiday Inn (gegenüber der Academy) die beste Wahl. Freies Internet und sehr nette Leute sind ein klares Plus.

Die Fakten:
South West Snooker Academy
Ort:                       Gloucester ca. 1 h mit dem Auto vom Flughafen Birmingham
Hotel:                   Holiday Inn ist das nächste Hotel in 300 Metern Reichweite
Tische:                10 Startische mit Heizung und auf Topniveau
Service:               sehr gut
Trainer:                für 30GBP/h sind sechs Coaches verfügbar
Tischmiete:        8GBP/h, 45GBP/Tag, 180GBP/Woche jeweils von 9-17 Uhr
Hotel:                   je nach Saison ab 59GBP
Flug:                    nächste Flughafen Birmingham
Transfer:             Andy’s Cars 90GBP für Birmingham > Gloucester

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Thomas Hein

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