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Dienstag, 31 August 2010 21:31

Paul-Hunter-Classics 2010: Es wird ernst

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Als Barry Hearn den Vorsitz über die WPBSA übernahm, versprach er Spielern und Fans gleichermaßen eine höhere Anzahl von Turnieren und er setzt sein Versprechen schon in dieser Saison (unter Anderem) in Form der Players-Tour-Championship um. Bei der PTC Serie handelt es sich um eine Serie von 12 kleinen Turnieren, von denen 6 in England stattfinden (in der Snooker Akademie in Sheffield) und 6 auf dem europäischen Festland.

Die Paul-Hunter-Classics bilden den Anfang von insgesamt vier Turnieren der PTC Serie, die in diesem Jahr in Deutschland stattfinden werden. Sicher wird sich der Eine oder Andere jetzt denken, dass es die Paul-Hunter-Classics doch schon seit Jahren gibt und sich fragen, was denn die Einbindung in die PTC Serie für das Turnier bedeutet. Nun, hier ein Überblick über die wichtigsten Unterschiede:
Die Paul Hunter Classics sind nicht länger ein Einladungsturnier, in dem es schwerpunktmäßig um die Zuschauer und den Spaß am Snooker geht,  sie sind dieses Jahr ein ernsthaftes Turnier der WSA für das es sowohl Preisgelder (Turniergewinner 10.000 Pfund, Runner-Up 5000 Pfund), als auch Ranglistenpunkte (Gewinner 2000 Punkte, Runner-Up 1600 Punkte) gibt.
Alle Profis der Tour und auch Amateure, die sich in Qualifikationsmatches für eine Teilnahme qualifizieren können, dürfen teilnehmen, so dass das Teilnehmerfeld insgesamt riesig war. 222 Spieler hatten sich insgesamt für die Paul Hunter Classics angemeldet, so dass die Tischanzahl dieses Jahr von sechs auf zehn aufgestockt werden musste. Es waren auch nicht mehr die Tische von Stachas Billardwelt, auf denen die Queue-Künstler den Fans ihr Können darboten, es waren die offiziellen Tische der WSA.
Der Zeitplan war straff durchorganisiert, galt es doch, alle best of Sieben Spiele der 222 Spieler in der Zeit von Donnerstag bis Sonntag über die Bühne gehen zu lassen. Um einen Punkt des Resumeé vorweg zu nehmen: Die Organisation hat tadellos geklappt. Trotz der vielen Spieler aus aller Welt und der erhöhten Anzahl von Tischen gab es keine Reibungen oder Pannen. Das Dragonstar Eventmanagementteam um Thomas Cesal hatte für einen gleitenden Informationsfluss gesorgt, so dass sowohl für Spieler, als auch für Fans glasklar war, wer wann und wo spielte. Und das war gar nicht so einfach bei 10 Tischen in der Fürther Stadthalle:

Die Anordnung der Tische war mehr als gut durchdacht, denn auf welcher Tribüne man auch Platz nahm, man hatte immer jeweils zwei oder drei Tische im Blick, so dass man mehrere Spiele gleichzeitig verfolgen konnte. In der Haupthalle standen wie immer die Maintables eins und zwei. Im Bereich direkt beim VIP Bereich standen die Tische drei und vier und dann kamen jeweils in Dreiergruppen die Tische fünf, sechs, sieben und acht, neun, zehn. Diese Aufteilung kam vor allem den zahlreich anwesenden Snookerfans zugute, denn dieses Jahr war es, aufgrund der vielen Topspieler, die am Turnier teilnahmen, nahezu unmöglich, sich für ein Spiel zu entscheiden.

Am Donnerstag wurde die Qualifikationsrunde ausgespielt und trotzdem „nur“ Amateure spielten durften die Fans sich schon auf die Tribünen setzen und zusehen.

Am Freitag dann legten auch die ersten bekannteren Namen los, unter anderem spielten Luca Brecel und Mark Selby, sowie Barry Hawkins, Liang Wenbo u.v.m. ihre ersten Matches und auch Patrick Einsle spielte am Freitag das erste Mal, genauso wie Ricky Walden.

Besonders glücklich dürften über die Tischaufteilung jene Zuschauer gewesen sein, sie sich am Freitag pünktlich gegen 09.00 Uhr Am Tisch fünf einfanden, um Peter Ebdon gegen Jake Nicholson sehen zu können. Peter Ebdon war pünktlich da, war spielbereit und wirkte gut gelaunt, so dass die Fans sich auf ein spannendes Match freuen konnten, aber nachdem 15 Minuten verstrichen waren, wurde klar, dass der Gegner von Ebdon wohl nicht mehr auftauchen würde. Da alles streng nach WSA Regeln gehen musste in diesem Jahr, wurde Mr. Nicholson ein Frame nach dem Anderen aberkannt, jeweils im Abstand von 10 Minuten. Die Zuschauer konnten währenddessen das Spiel am Nebentisch verfolgen und mussten sich auf diese Weise nicht zu sehr ärgern.

Ärgern ist ein gutes Stichwort für den Samstagmorgen, denn ein Spieler, auf den viele gewartet hatten und den viele der Fans gerne sehen wollten, tauchte in Fürth nicht auf: Ronnie O'Sullivan. Er hatte sich ordnungsgemäß und fristgerecht angemeldet, sein Startgeld bezahlt und niemand konnte damit rechnen, dass er nicht nach Deutschland kommen würde, aber am Samstag musste bekannt gegeben werden, dass O'Sullivan nicht in Fürth war. Die Enttäuschung bei einigen Fans war groß, hielt aber nicht lang an, denn am Samstagmorgen griffen gleich mehrere Superstars ins Geschehen ein: Steve Davis, Neil Robertson, Stephen Hendry, Ali Carter, Mark Allen und viele andere standen am Samstag um 09.00 Uhr das erste Mal an der Platte.

Steve Davis vermochte an diesem Tag mit sehr guten Leistungen in allen seinen drei Matches zu überzeugen. Als erstes stand für ihn das Match gegen den amtierenden Vize-Weltmeister Graeme Dott an. Zunächst ging der recht fix mit 2:0 in Führung, aber Davis schlug zurück, kam ins Rollen und schaffte mit tollem Spielfluss und präzisem Ballgefühl nicht nur den Ausgleich, sondern gewann das Match.

Im nächsten Match gegen Fergal O'Brien lief es zwar nicht mehr ganz so flüssig, aber auch hier behielt Steve Davis die Oberhand und ging als Sieger aus der Partie hervor. Abermals gewinnen konnte er dann auch am Abend gegen Ali Carter.

Der hatte gerade ein sehr knappes und langes Monster-Match über die volle Distanz gegen Mark Selby gewonnen und war dementsprechend unausgeglichen. Als er im zweiten Frame einen entscheidenden Ball verschoss, schlug er sich mehrfach mit der flachen Hand vor die Stirn, schimpfte im Match auch immer wieder mit sich selber und es war letztendlich der fehlende Fokus auf seiner Seite, der es Steve Davis einfach machte, auch sein drittes Match an diesem Tag zu gewinnen.

Damit soll nicht die Leistung des sechsfachen Weltmeisters geschmälert werden, denn der bestätigte seine Leistung der WM bei den Paul-Hunter-Classics eindringlich. Steve Davis musste sich erst im Viertelfinale einem fabulös spielenden Shaun Murphy geschlagen geben, der seine größte Offensivwaffe in Fürth dabei hatte: seine krachenden roten Longpot - Einsteiger. Schon mancher Gegner musste sich dieser Schlagkraft von Murphy geschlagen geben und auch Steve Davis erging es nicht anders: Er verlor das Match gegen den Titelverteidiger der Paul-Hunter-Classics mit 1:4. Allerdings kann Steve Davis das Wochenende als Erfolg verbuchen, nimmt er doch 1000 Ranglistenpunkte mit zurück nach England.

Jimmy White

Gleiches gilt auch für Jimmy White, der sich im Viertelfinale der Turnierüberraschung Daniel Wells geschlagen geben musste. Bis dahin hatte White in allen seinen Matches souverän gewonnen. Daniel Wells stand damit im Halbfinale und das ist der bisher größte Erfolg seiner noch recht jungen Karriere.

Judd Trump

Es gab aber einen Namen, der immer wieder genannt wurde; Ein Spieler, der durch seine Matches so zu überzeugen wusste, dass viele der Zuschauer ihn als Favorit auf den Turniersieg sahen: Judd Trump. Der Spieler aus England, der mit seinen 21 Jahren noch zu den jungen Wilden zählt, wurde immer hoch gelobt, was sein Talent angeht, wusste aber letzte Saison nicht wirklich zu überzeugen. Zu risikobereit sei sein Spiel, er ließe den Gegnern zu viele Chancen las man zuletzt in der Presse. Nicht so bei den Paul-Hunter-Classics in diesem Jahr: Was Judd Trump auch anging, es fiel und die Bälle schienen manchmal regelrecht die Gesetze der Physik zu brechen, weil er es so wollte. So erstaunte es auch nicht, dass er viele seiner Matches sehr eindeutig für sich entscheiden konnte und es tatsächlich bis ins Finale schaffte.

Trump hatte noch nie ein Weltranglistenturnier gewonnen und sagt von sich selber, dass er vor vielen Zuschauern nicht gut spielt. Sein Gegner im Finale war dann eine Überraschung, aber nach drei gespielten PTC Turnieren in England ist klar, dass diese Turniere immer für Überraschungen gut sind: Anthony Hamilton schaffte es, sich trotz Mammuttag (er spielte alle seine Matches am Sonntag und stand von morgens bis nachts an der Platte) gegen Gegner wie Michael White, Stephen Lee, Stuart Bingham und Daniel Wells durchzusetzen. Das Finale war eigentlich für 18.00 Uhr angesetzt, aber da Hamilton und Bingham ihr Viertelfinale auskosteten, verzögerte sich alles etwas und das Finale begann erst nach 20.00 Uhr.

Der erste Frame ging sehr zügig an Judd Trump, der sein Vorwärtsspiel fortsetze und alles anging, was sich ihm bot. Es war klar zu merken, dass er in seinen vorhergehenden Matches Selbstvertrauen getankt hatte. Dann aber schlichen sich einige Fehler ein, die Anthony Hamilton mit hohen, frameentscheidenden Breaks bestrafte. Hamilton war deutlich müde vom langen Tag, brauchte teilweise doch sehr lange zum überlegen und stellte so manchen Fan auf eine harte Geduldsprobe. Auch Judd wirkte zwischendurch angeschlagen, saß am Tisch und kämpfte mit der Müdigkeit. Immer wieder fielen ihm die Augen zu und er tat gut daran, aus der Halle zu gehen und sich selber zu sammeln, als er schließlich mit 1:3 in Rückstand geraten war.

Der Judd Trump, der vom Tisch wegging und die Arena verließ, war frustriert, müde und bereit, das Unausweichlichen Ende zu akzeptieren; Der Judd Trump, der nach der kurzen Pause zurück in die Hauptarena kam, schnappte sich mit grimmiger Entschlossenheit sein Queue, ein Funkeln in den Augen und den Willen zum Sieg wieder im Gepäck. Er schien im fünften Frame zunächst übermotiviert, aber es war eben jene Übermotivation, die, gepaart mit der Brillanz seines Lochspieles, dafür sorgte, dass er die nächsten zwei Frames gewinnen konnte und so den Decider erzwang. Es war inzwischen sehr spät geworden, nach 23.00 Uhr, und die beiden Finalisten mussten inzwischen genauso müde sein, wie die vielen Zuschauer. Doch keiner der beiden wollte aufstecken, beide kämpften, aber schließlich war es Judd Trump, der trotz vieler Zuschauer, Müdigkeit und Druck das deciderentscheidende Break machte und so die Paul-Hunter-Classics 2010 gewann.

Das Publikum bejubelte den jungen Mann, als Anthony Hamilton ihm gratulierte und im Interview mit Rolf Kalb räumte Trump's Gegner ein, dass er beim 3:1 eine Chance gehabt hätte, diese dann aber nicht hatte nutzen können, weil sein Gegner einfach zu gut gewesen sei. Judd fand kaum Worte, aber sein Lächeln verriet, wie sehr er sich über seinen ersten Sieg eines Weltranglistenturniers freute. Die Presentation Partie bestand aus Rolf Kalb, der am Wochenende im Orga-Team aushalf und den Fans für ein Pläuschchen zur Verfügung stand, Thomas Cesal, der die Paul-Hunter-Classics initialisiert hatte und - als Ehrengast - Paul Hunters Vater. Er verlass ein kurzes Statement, in dem er dem Publikum mitteilte, dass sich Pauls Familie freute über die Erinnerung an den Sohn und das Paul bestimmt stolz darauf gewesen währe, dass dieses Turnier in seinem Namen stattfände. Überhaupt ist zu bemerken, dass Dragonstars Entertainment es verstanden haben, die Erinnerung an Paul Hunter aufrecht zu erhalten und ab von Sentimentalitäten das ins Zentrum stellen, was Paul zu Lebzeiten ein Lebensinhalt war: der Snookersport.

Resumeé

Alles in Allem war das Turnier für Veranstalter, Fans und auch die Spieler ein erfolgreicher Start in die jetzt praktisch umgesetzte Hearn Ära, auch wenn die Fans noch etwas an ihrer Disziplin arbeiten müssen. Trotz Schildern wurden die Tribünen während der Frames verlassen und betreten, Flaschen und Gläser fielen um, Handys klingelten. Das währe bei einem "echten" Weltranglistenturnier undenkbar, aber man muss den Zuschauern zugute halten, dass die Paul Hunter Classics bisher eben eher eine lockere Atmosphäre hatten. Es sind jetzt ja aber noch drei weitere PTC Turniere angesetzt, ehe das German Masters nächstes Jahr im Februar im Tempodrom in Berlin stattfindet und bis dahin sollte auch der letzte Fan begriffen haben, dass beim Snooker vor allem eins zählt: Die Konzentration der Spieler auf das Geschehen am Tisch.

Und noch jemand muss erwähnt werden. Jemand, der bei diesem Turnier großartiges geleistet hat: unsere deutschen Schiedsrichter. Sie standen von Donnerstag bis Sonntag unermüdlich an der Platte, immer voll konzentriert bei der Arbeit. Und das unter besonders erschwerten Bedingungen, da sie unter dem strengen Blick von Jan Verhass und Eirien Williams ihre Arbeit taten. Wie schon erwähnt finden im Februar nächsten Jahres die German Masters statt und dort werden für viele Spiele auch viele Schiedsrichter gebraucht. Im Laufe der EPTC Serie werden unsere Schiedsrichter beobachtet und dann, bei entsprechender Leistung, bei den German Masters eingesetzt. An diesem Wochenende haben unsere Schiedsrichter eine sehr gute Leistung gezeigt und bewiesen, dass Snooker hier in Deutschland nicht nur in der Spielerkategorie eine gute Zukunft hat.

Bericht: Annika Flint

Bilder u. Videos: Annika Flint mit freundlicher Genehmigung der WSA

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Thomas Hein

Bis bald euer Thomas Hein

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