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Montag, 10 Mai 2010 18:12

The Golden Boy Tour: Erfurt, 09.05.10

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Schon im letzten Jahr begeisterte die Veranstaltung "Snooker Classics" in Halle viele Snookerfans und wegen dem damaligen Erfolg folgten jetzt mehrere Folgetermine. Insgesamt wird es drei Termine der Tour um Stephen Hendry geben:

09.05.10 in Erfurt

16.05.10 in Halle (Saale)

30.05.10 in Cotbus

Snookermania war bei der ersten Veranstaltung in Erfurt in den Messehallen vor Ort:

Teilnehmer

Stephen Hendry, Ali Carter und Steve Davis, sowie das belgische Talent Luca Brecel, der Deutsche Spieler Sascha Lippe und zwei weitere Spieler, die sich zur Teilnahme an dieser Exhibition durch das gewinnen zweier Qualifikationsturniere berechtigt hatten (Pawel Layk, ein 12 Jähriger Nachwuchsspieler, und Mitch Poissonet, dessen höchstes Break eine 139 ist), sorgten für die sportlichen Höhepunkte der Veranstaltung. Durch das Programm führte Bernie Mickeleit, der in dieser Rolle genauso souverän wirkte, wie in seinem eigentlichen Job als Schiedsrichter.

Organisation

Beginnen tat die Veranstaltung allerdings erst einmal mit einem Ärgernis: Auf den Eintrittskarten und in einer Regionalzeitung wurde der Beginn der Veranstaltung mit 15.00 Uhr angegeben, Einlass sollte um 14.00 Uhr sein. Dies war falsch, denn wie schon im Internet angekündigt, sollte die Veranstaltung im 16.00 Uhr beginnen, der Einlass war ab 15.00 Uhr geplant. Es gab also einige Zuschauer, die seit 14.00 Uhr im Regen vor der Halle standen und ihrem Unmut dann auch lautstark Luft machten.

Überhaupt war die Organisation in der Messehalle wenig vorteilhaft: Als der Einlass um ca. 15.10 Uhr begann, wurde lediglich eine der Flügeltüren geöffnet, was dazu führte, dass die doch inzwischen zahlreich wartenden Besucher noch weitere zwanzig Minuten im Regen warten mussten. Die deutlich überforderten Securities waren dazu angehalten, eine Taschenkontrolle durchzuführen. Sie sammelten mitgebrachte Getränke ein und die Besucher, die eine Kamera mithatten, wurden nicht eingelassen. Außer für die Vertreter der Presse existierte ein striktes Fotografierverbot. Der Veranstalter hatte eigene Kameramänner engagiert, die aber, so schien es, keine großen Erfahrungen im Umgang mit Snooker hatten. Sie standen den Zuschauern der ersten drei Reihen fast permanent so dermaßend im Wege, dass man weder den Spieler, noch das Bild auf dem Tisch sehen konnte.

Durch die vielen Besucher mit Kamera, die am Einlass abgewiesen wurden und die dann wieder durch die Menschentraube vor der Tür zurück zu den Autos mussten (um die Kamera dort zu lassen), verzögerte sich der Einlass noch mehr. Auch das gastronomische Angebot war nicht ausreichend, gab es doch für die vielen Besucher lediglich eine Möglichkeit, sich mit Essen zu versorgen. Es gab keinen Merchendisingstand, an dem man hätte Poster und Ähnliches kaufen können; Nur ein Stand von Stachas Billardwelt stellte Zubehör aller Art zum Verkauf. Ein weiteres Manko stellte die Tatsache da, dass Michaela Tabb im Internet zwar angekündigt war, aber bei der Veranstaltung nicht auftauchte.

Nachdem die Zuschauer sich endlich durch den Einlass gekämpft hatten und in der Messehalle ankamen, wurde die Stimmung aber deutlich besser: Die Halle selber war ideal aufgeteilt, insgesamt halbiert worden und von den Tribünen hatte man fast überall einen idealen Blick auf die beiden Snookertische. Diese waren, anders als sonst bei Veranstaltungen dieser Art üblich, für die Zuschauer nicht zugänglich und wurden von der Securitie überwacht.Zwischen den Tischen waren ungefähr 8 - 10 Meter Platz, die einmal als Ausstellungsfläche für die Pokale genutzt wurden und zum anderen als Mittelpunkt bei Interviews und Ähnlichem dienten.

Nachdem Bernie Mickeleit die Zuschauer in der Halle (sie war ungefähr zu dreiviertel ausverkauft) begrüßt hatte, und sich im Namen des Veranstalters für die halbstündige Verspätung entschuldigt hatte, konnte das Programm losgehen:

Den Programmstart machten die Backpipers vom Stamm der Ebronen, die anschließend auch Informationen über ihren Stamm und dessen Tätigkeiten gaben.

Speedsnooker Ali Carter und Steve Davis

Einige Zuschauer wurden schon ungeduldig und fragten (laut oder leise), wann denn endlich Snooker losgehen würde? Nun, diese Zuschauer brauchten nicht länger warten, denn nun endlich betraten die ersten Spieler die Arena, um sich gegenseitig im Speedsnooker zu messen. Die ersten Gladiatoren waren Ali Carter und Steve Davis, die sich unter der Aufsicht von Marcel und Theo (sehr gute, souveräne und talentierte Deutsche Nachwuchsschiedsrichter!) dem ersten Schnelligkeitsvergleich unterzogen: Es ging in der ersten Disziplin darum, wer am schnellsten 9 Rote Kugeln und dann zum Abschluss eine Schwarze Kugel versenkt. Zwar flitzte der Altmeister Steve Davis um den Tisch, als wolle er einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen, aber es reichte nicht, Ali Carter entschied dieses Duell für sich. In der nächsten Disziplin des Speedsnooker wurden die Farben aufgebaut, allerdings alle auf die falschen Spots und der Spieler, der als erstes die Farben in der normalen Reihenfolge abräumte, gewann diese Disziplin. Ali Carter kämpfte zwar etwas länger mit der Blauen, entschied aber auch diese Challenge für sich und so gewann er das erste Speedsnookerduell des Abends mit 2:0.

Interview mit Chris Henry

Als Ali und Steve die Arena unter begeistertem Beifall verließen, betrat Chris Henry die Arena. Chris Henry ist ein bekannter Snookertrainer, der schon seit vielen Jahren mit den besten Spielern zusammenarbeitet: Er trainierte Jimmy White, Peter Ebdon, Stephen Hendry und momentan trainiert er Luca Brecel. Dieser 15 jährige Spieler, der in der Snookerszene nicht mehr länger nur ein Geheimtipp ist, begeistert Fans immer wieder durch sein schnelles, präzises und natürliches Spiel. Er hat trotz seines jungen Alters auf dem Trainingstisch bereits 57 Maximum Breaks gespielt und schaffte bereits mehr als 40 Centuries in offiziellen Turnieren. Chris Henry betonte, dass es wichtig wäre, sich um den Nachwuchs zu kümmern, auch und gerade um den Deutschen. Deutschland sei nach China das Land, in dem Snooker am schnellsten wachsen würde. Als Witz fügte er hinzu, dass China nur deswegen Platz eins sei, weil die Bevölkerung wesentlich größer sei. Zum Abschluss des Interviews fragte Chris Henry Steve Davis, was er jungen Nachwuchsspielern als Rat mit auf den Weg geben würde und Steves Antwort war, wie so oft, so einfach wie genial: Er riet den jungen Spielern dazu, in Clubs zu gehen, wo Profis spielen und diese bei der Arbeit zu beobachten und zu versuchen, deren Technik zu kopieren. Chris Henry betonte, dass das Entscheidende am Tisch weder die Technik, noch der Queue; sondern die Psyche sei. Wenn man Mental stark ist, läuft das Spiel.

Showframe: Stephen Hendry parallel gegen Steve Davis und Ali Carter

Nach diesem kurzen Interview ging es weiter mit der Action am Tisch, vor allem für Stephen Hendry. Der musste nämlich zeitgleich gegen Ali Carter und Steve Davis spielen. Das sah dann so aus, dass er an beiden Tischen der jeweilige Gegner war und immer hin- und herlaufen musste. Nachdem er ein paar Mal zwischen Tisch 1 und Tisch 2 gewechselt hatte, wurde ihm die Sache zu anstrengend und der stellte sich einen Stuhl in die Mitte der Laufstrecke zwischen den beiden Tischen. Steve Davis hatte den Plan, es für Stephen Hendry noch anstrengender zu machen, indem er sich mit Ali Carter absprach und beide gleichzeitig eine Safetie spielten; Aber Ali Carter konnte Steves geflüsterte Hinweise und seine Gesten auf die Entfernung zwischen den Tischen nicht deuten und so hatte Stephen Hendry Glück. Den Frame gegen Ali Carter gewann Stephen trotz ständigem Tischwechsel, den Frame gegen Steve Davis verlor er allerdings. Die Idee, einen Spieler an zwei Tischen gleichzeitig spielen zu lassen fand im Publikum keinen so großen Anklang und auch Stephen Hendry selber sagte auf die Frage von Bernie, ob ihm das simultan spielen Spaß brachte deutlich "Nein". Aber diese kleine Einlage gehörte ja noch zum Spaßteil des Abends und hatte nicht den Anspruch, ernsthaftes Matchsnooker zu sein.

Verlosungen

Es fanden an diesem Abend auch mehrere Verlosungen zugunsten der Tafel Erfurt statt. Die Tafel stellt Lebensmittel für Menschen zur Verfügung, die sich keine Mahlzeit leisten können. Es kam zu einem Erlös von über 800 Euro, der feierlich an zwei Vertreterinnen der Tafel übergeben wurde. Als erstes wurde eine Partie Speedsnooker gegen Stephen Hendry verlost. Der Gewinner, Klaus, hatte allerdings keinerlei Erfahrungen im Snooker spielen und so gewann Stephen Hendry eindeutig gegen ihn.

Trickshots

Im Anschluss an die erste Verlosung führte Steve Davis seine Trickshots vor. Es war ohnehin schon den ganzen Nachmittag so gewesen, dass man Steve lieber nicht auch nur einen Moment aus den Augen lassen sollte, da man sonst Gefahr lief, eine seiner spontanen Slapstickeinlagen zu verpassen. So lief er denn auch bei seiner Trickshotshow (sehr gut organisiert, auf beide Tische verteilt!) zur Höchstform auf und brachte mit spielerischer Leichtigkeit alle Zuschauer im Saal zum lachen.

Speedsnooker Sascha Lippe vs. Luca Brecel

Nach den Trick Shots gab es erneut eine Panne in der Organisation, denn nach einer weiteren Ansage des Clanführers der Ebronen schickte er die Leute in die Pause. Einige Zuschauer verließen dann auch den Saal und hatten in der Folge das Pech, dass sie die letzte Partie Speedsnooker zwischen Sascha Lippe und Luca Brecel verpassten. Diese gehörte noch zum ersten Teil des Programms, also zum Spaßteil, und musste deswegen vor der Pause statt finden. Die erste Disziplin war, wie auch zwischen Ali Carter und Steve Davis, die Nine-Reds Disziplin. Nachdem Luca erst einmal ins Rollen kam, hatte Sascha keine Chance und so gewann Luca dieses erste Match. Auch die Zweite Speedchallenge, dass Lochen der Farben von den falschen Spots in der richtigen Reihenfolge, gewann Luca eindeutig, so dass er die Speedsnookerchallenge zwischen ihm und Sascha mit 2:0 gewann.

Verlosung 2

Anschließend erfolgte die nächste Verlosung zugunsten der Erfurter Tafel, in der eine Nintendo Wii, ein von allen Spielern unterschriebenes Queue und die Teilnahme am Viertelfinale der Snooker Classics Erfurt ausgelost wurden. Nils, der aus der Nähe von Erfurt stammt und schon einige Male Snooker gespielt hatte (und auch seinen eigenen Queue mithatte) gewann die Teilnahme am Viertelfinale. Er durfte seinen Gegner aussuchen und wählte Ali Carter. Nachdem alle Preise ihren neuen Besitzern zugelost wurden, konnten die Zuschauer jetzt wirklich in die 40 minütige Pause gehen.

Viertelfinals

Nach der Pause begann der ernste Teil des Abends. Es wurde der Gewinner der Snooker Classics in Erfurt gesucht und die Viertelfinals bestanden aus folgenden Spielerpaarungen:

Pawel Leyk vs. Steve Davis (Pavel durfte sich aussuchen gegen wen er spielen wollte)

Ali Carter gegen Niels aus der Verlosung

Mitch Poissonnet gegen Stephen Hendry

Luca Brecel gegen Sascha Lippe

Schiedsrichter der Partien waren während der gesamten Veranstaltung Marcel und Theo. Beide machten diesen Job auf eine beeindruckend professionelle Art und Weise, ließen sich von der Tatsache, dass sie da Profis an der Platte hatten, nicht aus der Ruhe bringen.

Die Viertelfinals gingen jeweils über einen Gewinnframe und Steve, Stephen, Ali und Luca gewannen ihre Frames: Luca Brecel machte in seinem Match gegen Sascha Lippe ein Break von 93 Punkten und sorgte so für ein spielerisches Highlight im Viertelfinale. Steve kämpfte sehr lange mit Pavel, konnte aber schließlich doch die Farben abräumen und sich so den Sieg sichern. Steven Hendry gewann klar gegen Mitch und auch Ali Carter setzte sich deutlich gegen Niels durch.

Halbfinals

Die Halbfinalpaarungen (es wurde jetzt best of three gespielt) sahen dann wie folgt aus:

Ali Carter gegen Steve Davis

Stephen Hendry gegen Luca Brecel

Ali Carter holte sich den ersten Frame seines Halbfinals mit einem Centuriebreak, aber Steve sicherte sich den umkämpften zweiten Frame, so dass die Entscheidung erst im Decider fiel. Den konnte wieder Steve für sich entscheiden und zog mit Breaks von 40 und 27 Punkten ins Finale ein.

Am anderen Tisch gewann Stephen Hendry mit einem Break von 99 Punkten den ersten Frame. Nach einer anfänglich umkämpften Startphase des zweiten Frames war es auch wieder der siebenfache Weltmeister, der als erstes ins Break kam und ein Break von 75 Punkten reichte ihm zum Frame- und Matchgewinn.

Wer wird Platz 3? Shootout Carter/Brecel

Die Finalpaarung stand also fest, es war ein Duell der beiden Großmeister Steve Davis und Stephen Hendry. Wenn man diese beiden am Tisch sieht und sich klar macht, dass da gerade 13 Weltmeisterschaftstitel gegeneinander spielen, kann einem als Snookerfan nur das Wasser im Munde zusammen laufen. Doch die Zuschauer mussten sich auf das Duell der Giganten noch etwas gedulden, denn zunächst einmal spielten Luca Brecel und Ali Carter unter sich den dritten Platz aus. Sie mussten gegeneinander im Penalty-shootout antreten: Es werden fünf Rote auf der Linie der Blauen Kugel, also in der Mitte des Tisches, aufgebaut. Die Spieler dürfen nun aus dem D heraus die Weiße spielen, aber die anvisierte Rote muss auch in die Tasche fallen, die geplant war. Flukes zählen bei dieser Art des Shootout nicht. Nachdem beide Spieler jeweils fünf Versuche gemacht hatten, stand es 3:3, also unentschieden und nun wurde die Disziplin noch einmal erschwert: Es gab nur noch eine Rote, die auf dem blauen Spot lag und die musste mit der Weißen, die nicht mehr frei wählbar aus dem D, sondern auf dem braunen Spot liegt, gelocht werden. Wieder schafften beide Spieler es, die Rote zu lochen und erst im nächsten Versuch kam es dann zur endgültigen Entscheidung, da Ali Carter seine Rote verpasste, aber Luca Brecel sie lochte. Mit dem Penalty-shootout gewann Luca Brecel auch den dritten Platz der Snooker Classics Erfurt.

Finale

Nun war es endlich soweit: Das Finale (best of three) der Snooker Classics Erfurt zwischen Steve Davis und Stephen Hendry konnte beginnen.

Der erste Frame war zunächst umstritten, doch dann konnte Steve Davis (nach verschossener Roter von Stephen) ein Break von 40 Punkten vorlegen. Ein paar Zuschauer hatten vorsichtshalber schon mal angefangen, die Luft anzuhalten, denn bis zu diesen 40 Punkten hatte Steve Davis jeweils Rot und Schwarz gelocht. Aber leider verlor er dann die Stellung, versuchte mit einer schwierigen Pinken auf die Mitte fortzusetzen, setzte den Ball aber neben die Tasche. Die Anschließenden Safeties beendete Steve Davis und holte noch einmal 16 Punkte, was ihm zum Gewinn des ersten Frames reichte.

Im zweiten Frame war es wieder Steve Davis, der als erster ins Break kam, aber dieses Mal kam er nur bis 16 Punkte und ließ Stephen Hendry dann an einen recht offenen Tisch. Der konnte seine Chance aber nur kurz nutzen, machte ein Break von 11 Punkten und verschoss dann. Steve war jetzt offensichtlich warm gespielt und sicherte sich mit einem Break von 78 Punkten den Sieg über Hendry, gewann die Snooker Classics Erfurt 2010. Unter lautem Applaus der Zuschauer fand die Siegerehrung statt und Steve bedankte sich im Namen aller Spieler dafür, dass so viele Zuschauer gekommen waren und die Stimmung so toll gewesen war.

Bei der sich anschließenden Autogrammstunde standen alle Spieler dann noch einmal den Zuschauern zur Verfügung, so dass man den schönen Snookerabend mit einem kleinen Plausch mit seinem Lieblingsspieler ausklingen lassen konnte.

Fazit: Organisatorisch gab es doch relativ gravierende Mängel, aber der Kern der Veranstaltung ließ keine Snookerwünsche offen

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Thomas Hein

Bis bald euer Thomas Hein

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