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Matthias Breusch

Matthias Breusch

* verfolgt das schönste Spiel der Welt seit 1992 * bastelt unverdrossen an seinem ersten half century *  

* Liebhaber virtuoser musikalischer Handarbeiten * Übersetzer von automobilen Traumwelten für Octane * Redakteur von Rock Hard, Metal Hammer, RevierSport und rocks * Headliner und Kolumnist für guitar, drumheads, guitar dreams und guitar acoustic * Kurator des Stilblüten-Menüs Hammermusik für Behämmerte *  

Website & mehr: Snooker-Geschichten (satz-ball.de)

Das schönste Spiel der Welt schaltet in den Marathon-Modus - und gleich zu Beginn hat der "Fluch des Crucible" zugeschlagen: Titelverteidiger Luca Brecel gab gegen "Angry Farmer" David Gilbert eine 7:3- und 9:6-Führung aus der Hand. "Ehrlich gesagt bin ich froh, dass die Saison vorbei ist", sagte er lächelnd nach dem Match, gesundheitlich offensichtlich angeschlagen. "In der zweiten Session war ich müde, auch die Pillen haben nicht viel bewirkt. David hat es verdient. Sein Break im Decider war großartig." 

Gilbert, der ebenfalls ein schwieriges Jahr hinter sich hat, war erleichtert: "Mein Spiel war lange Zeit praktisch nicht vorhanden. Ich muß mich bei Andy Lee bedanken. Wir haben drei, vier Wochen lang hart trainiert, sind jeden Tag ins Gym, haben auf unsere Ernährung geachtet, die Qualifikation war eine große Aufgabe, und Luca geschlagen zu haben, ist natürlich phantastisch." 

Nur wenige Tage vor der Auslosung hatte Dave in einem Interview mit Metro-Journalist Phil Haigh bemerkt: "Ich schaue normalerweise kein Snooker im TV. Aber letztes Jahr bei der WM hab ich mich von einem Kumpel breitschlagen lassen. Was Luca da gespielt hat, war mit Abstand das Beste, das ich jemals gesehen habe. Ein Traum. Ich finde es unglaublich, dass World Snooker so einen Aufwand betreibt, Jack Lisowski zu vermarkten, und Luca links liegen lässt. Ich mag Jack, er ist ein toller Spieler. Aber Luca ist das Maß der Dinge." Jetzt ist Dave selbst die Schlagzeile. In der nächsten Runde trifft er auf Robert Milkins oder Pang Junxu.

 

Mark Selby bestätigt Rücktrittsgedanken

Auch Lucas Finalgegner von 2023 ist bereits ausgeschieden. Mark Selby verlor gegen seinen Freund und Trainingspartner Joe O'Connor mit 6:10. Der einzige Debütant in Sheffield hatte die Runde der letzten 32 mit dem zweitlängsten Frame aller Zeiten erreicht: gegen Matt Selt in 110 Minuten zum 10:8. "Hätte ich gewusst, dass wir in Rekordweite sind, hätten wir noch 20 Minuten draufgelegt", erzählte er lächelnd nach seinem tiefenentspannten Match gegen Mark Selby, das er mit einer exzellenten Clearance entschied. Nein. nervös habe ihn die bei Debütaten gefürchtete Atmosphäre im Crucible nicht gemacht. "Mir gefällt es hier. Es ist ähnlich eng wie an meinem Trainingstisch." 

Selby bestätigte nach dem Match im Interview mit der BBC seine Aussage nach der Tour Championship, er denke ernsthaft darüber nach, zurückzutreten. "Ich werde im Sommer zusammen mit meiner Frau entscheiden, ob es für mich weitergeht. Wenn, dann werde ich Hilfe benötigen, um wieder Freude am Spiel haben zu können." Der vierfache Weltmeister hatte 2022 erklärt, er nehme wegen starker Depressionen psychologische Hilfe in Anspruch. 2023 war bekannt geworden, dass Vikki Selby an Krebs erkrankt ist. Sie soll mittlerweile genesen sein.

Angesichts der großen Klasse in der Weltspitze bleibt das Feld gespickt mit titelwürdigen Queue-Künstlern. Judd Trumps ausgereiftes Matchplay war für Hossein Vafaei eine ganze Nummer zu groß. Spielfreudig nahm Shaun Murphy die Hürde Lyu Haotian. Mark Williams ging ab Montag in das heimliche Highlight der ersten Runde gegen Si Jiahui und führt nach der ersten Session 5:4. Ronnie O'Sullivan startet am Mittwoch gegen Jackson Page seine Kampagne, den achten Titel in Sheffield zu holen.

 

Auslosung und Resultate der ersten Runde:

Luca Brecel - David Gilbert 9:10
Robert Milkins - Pang Junxu
Ali Carter - Stephen Maguire 7:10
Shaun Murphy - Lyu Haotian 10:5
Mark Selby - Joe O'Connor 6:10
Kyren Wilson - Dominic Dale
John Higgins - Jamie Jones 
Mark Allen - Robbie Williams
Judd Trump - Hossein Vafaei 10:5
Tom Ford - Ricky Walden 10:6
Zhang Anda - Jak Jones 4:10
Mark Williams - Si Jiahui (5:4)
Ding Junhui - Jack Lisowski
Gary Wilson - Stuart Bingham (3:6)
Barry Hawkins - Ryan Day
Ronnie O'Sullivan - Jackson Page

 

Der Spielplan für Sheffield, erste Runde:

Montag, 22. April, 20:00 Uhr

Robert Milkins - Pang Junxu

Gary Wilson - Stuart Bingham, finale Session

Dienstag, 23. April, 11:00 Uhr

Ding Junhui - Jack Lisowski

Kyren Wilson - Dominic Dale

Dienstag, 23. April, 15:30 Uhr

Mark Williams - Si Jiahui, finale Session

Mark Allen - Robbie Williams

Dienstag, 23. April, 20:00 Uhr

Barry Hawkins - Ryan Day

Robert Milkins - Pang Junxu, finale Session

Mittwoch, 24. April, 11:00 Uhr

Kyren Wilson - Dominic Dale, finale Session

Ding Junhui - Jack Lisowski, finale Session

Mittwoch, 24. April, 15:30 Uhr

Mark Allen - Robbie Williams, finale Session

Ronnie O'Sullivan - Jackson Page

Mittwoch, 24. April, 20:00 Uhr

John Higgins - Jamie Jones 

Barry Hawkins - Ryan Day, finale Session

Donnerstag, 25. April, 14:00 Uhr

Ronnie O'Sullivan - Jackson Page, finale Session

Donnerstag, 25. April, 20:00 Uhr

John Higgins - Jamie Jones, finale Session

 

Sendezeiten Eurosport

Montag, 22. April: 

19:45 - 23:00 E1 live

Dienstag, 23. April: 

11:00 - 14:00 E1 live, 15:25 - 18:30 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live

Mittwoch, 24. April: 

11:00 - 14:00 E1 live, 15:25 - 18:30 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live

Donnerstag, 25. April: 

13:55 - 17:00 E1 live, 9:45 - 23:00 E1 live

Freitag, 26. April: 
11:00 - 14:00 E1 live, 15:25 - 18:30 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Samstag, 27. April: 
11:00 - 14:00 E1 live, 16:15 - 18:30 E1 live (discovery+ ab 15:30), 19:45 - 23:00 E1 live
Sonntag,  28. April: 
11:30 - 14:00 E1 live (discovery+ ab 11:00), 16:00 - 18:30 E1 live (discovery+ ab 15:30),19:45 - 23:00 E1 live
Montag, 29. April: 
13:55 - 17:00 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Dienstag, 30. April: 
11:00 - 14:00 E1 live, 15:25 - 18:30 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Mittwoch, 1. Mai: 
11:00 - 14:00 E1 live, 15:25 - 18:30 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Donnerstag, 2. Mai: 
13:55 - 17:00 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Freitag, 3. Mai: 
11:00 - 14:00 E1 live, 15:25 - 18:30 E1 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Samstag, 4. Mai: 
11:00 - 14:00 E2 live, 15:25 - 18:30 E2 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Sonntag, 5. Mai: 
13:45 - 17:00 E2 live, 19:45 - 23:00 E1 live
Montag, 6. Mai: 
13:45 - 17:00 E2 live, 19:45 - 23:00 E1 live
 

 

16 Thriller: die vierte Runde der Qualifikation 

Neil Robertson hat es nicht geschafft. Trotz 8:5-Führung unterlag er am Judgement Day dem Waliser Jamie Jones mit 9:10. Der Weltmeister von 2010 ist erstmals seit 2004 nicht im Crucible Theatre vertreten.

Hossein Vafaei - Jiang Jun 10:5 (Vafaei startete mit 0:3; Jiang Jun hatte zuvor drei Runden überstanden; von dem 18-Jährigen wird noch viel zu sehen sein. Vafaei pries ihn mit den Worten: "Ein unglaublicher Potter. Wenn du ihn am Lochen hindern willst, musst du den Spielball in die Hosentasche stecken.")

Cao Yupeng - Pang Junxu 8:10 (Pang sicherte sich seine zweite Endrunde in Folge trotz eines 6:8-Rückstands)

Jackson Page - Noppon Saengkam 10:9 (Jackson spielte im Decider ein Century mit 107 Punkten; Noppon bleibt immerin ein Trostpreis: Für seine 147 in Runde drei gegen Andy Hicks erhält er die Sonderprämie von 10.000 Pfund)

Si Jiahui - Wu Jize 10:4 (der Sensations-Halbfinalist des letzten Jahres lag gegen den furios startenden Wu 0:4 hinten, bevor er zehn Frames in Folge holte, darunter drei Centuries)

Xiao Guodong - Dave Gilbert 6:10 (der WM-Halbfinalist von 2019 konnte sich zum zehnten Mal fürs Crucible qualifizieren)

Scott Donaldson - Ryan Day 9:10 (Scott hatte zwischenzeitlich ein 2:7 zum 7:7 ausgeglichen)

Jack Lisowski - Matthew Stevens 10:3 (erst im Frühjahr fiel Jack aus den Top 16 heraus; in seinen beiden Qualifikationsmatches spielte er sechs Centuries)

Ricky Walden - Mark Davis 10:9 (Ricky lag während des gesamten Matchs nicht einmal in Führung - bis zum Decider ...)

Dominic Dale - He Guoqiang 10:8 (der Spaceman qualifizierte sich zum ersten Mal seit zehn Jahren fürs Crucible - mit 52 ...)

Zhou Yuelong - Jak Jones 4:10 (der Viertelfinalist des Vorjahrs schlug erneut einen favorisierten Gegner)

Stephen Maguire - Yuan Sijun 10:6 (der Schotte sicherte sich seine 20. Endrunde mit konstant starkem Spiel und drei Centuries)

Louis Heathcote - Stuart Bingham 8:10 (Louis verschoss in Frame 15 beim Stand von 8:7 den finalen rosa Ball und fand nicht mehr ins Match zurück)

Robbie Williams - Chris Wakelin 10:9 (Robbie lag 8:9 zurück und holte sich das Match in exzellenter Manier) 

Lyu Haotian - Jenson Kendrick 10:7 (Kendrick spielte eine bärenstarke Qualifikationsrunde mit drei Siegen gegen Jordan Brown, Ben Woollaston und Weltmeisterin Bay Yulu. Um seine Tourlizenz zu halten, hätte er das Crucible erreichen müssen; Lyu qualifizierte sich mit souveränem Matchplay zum vierten Mal für Sheffield)

 

Sheffield spricht nicht deutsch

Auch unser deutscher Profi Lukas Kleckers hatte die Chance, sich für die WM-Hauptrunde im Crucible Theatre zu qualifizieren. In Runde zwei besiegte er Allen Taylor, Nummer 84 der Weltrangliste, im Decider auf Schwarz mit 10:9.

An seinem nächsten Gegner Chris Wakelin kam er jedoch nicht vorbei. Er unterlag dem Shoot-Out-Champion von 2022, derzeit Nummer 20 der Welt, mit 5:10. 

Alexander Ursenbacher aus Basel war bereits in Runde eins gegen den Ukrainer Julian Boiko gefordert und gewann mit 10:0, darunter acht Breaks über 50. In Runde zwei traf er auf den erfahrenen Anthony Hamilton und verlor mit 7:10. Alex spielte zwar deutlich mehr hohe Breaks, aber Hamilton genügte ein Sprint von 5:5 auf 9:5, um das Match entscheidend auf seine Seite zu ziehen. 

 

Neue Chance für Martin Gould

Jimmy White rückte kampflos in Runde zwei vor und unterlag dort dem 19-jährigen Liu Hongyu mit 3:10. Jimmys Erstrunden-Gegner Martin Gould, der German-Masters-Champion von 2016, musste wegen chronischer Rückenschmerzen alle Turniere der zweiten Saisonhälfte absagen und hätte somit als 81. der Rangliste nach 17 Jahren seine Tour-Lizenz verloren. Auf Initiative der WPBSA behält er seinen Main-Tour-Platz jedoch für weitere zwölf Monate. Gute Besserung, Martin!  

 

Adieu, Fergal O'Brien

Wohl endgültig Abschied nahm Irlands Fergal O'Brien mit der 8:10-Niederlage gegen den Ägypter Mostafa Dorgham. Der Trainingspartner von Shaun Murphy war 33 Jahre lang ununterbrochen Profi. Er schaffte es in der Millenniums-Saison auf Platz 9. Seine größten Erfolge waren der Titel bei den British Open 1999 (9:7 gegen Anthony Hamilton) und das Masters-Finale 2001 (9:10 gegen Paul Hunter). Zuletzt war Fergal 108. des Rankings. 

 

Sie werden fehlen

Früh ausgeschieden sind der elegante Speed-Breakbuilder Thepchaiya Un-Nooh sowie die beiden früheren WM-Halbfinalisten Marco Fu und Anthony McGill.. Der Thailänder unterlag gegen Veteran Mark Davis 8:10, der Mann aus Hongkong 4:10 gegen Hossein Vafaei und der Schotte 5:10 gegen Main-Tour-Rookie He Guonqian, der im Laufe seiner ersten Saison bereits eine ganze Reihe etablierter Spieler schlagen konnte, darunter Mark Williams, Kyren Wilson, Hossein Vafaei und Barry Hawkins. 

 

 

Die Klasse von '92 setzt weiterhin höchste Standards. Coolness-König Mark Williams spielte beim Treffen der Saisonbesten in Manchester ein grandioses Turnier mit vielen spektakulären Bällen, ähnlich wie bei seinem WM-Triumph 2018. Auf dem Weg zum Titel besiegte er die drei Führenden der Weltrangliste jeweils mit großem Abstand. Ronnie O'Sullivan schmückte das Finale mit vier Frames in 37 Minuten zum 5:3, darunter drei Centuries. Mark konterte die elegante Attacke in der Abendession mit sieben Frames am Stück.

Schon im Halbfinale dominierte Williams den Tisch. Mark Allen drohte beim Stand von 0:9 gar ein white wash. Der Nordire demonstrierte seine ganze Klasse und holte noch fünf Frames, "sonst hätte er bis an mein Lebensende jede Gelegenheit genutzt, mich an das 10:0 zu erinnern". In Frame 15 beendete Williams das Comeback dank einer mit respektablen Bällen gespickten Clearance zum 10:5. 

Der Triumph von Mark Williams ist auch deshalb erstaunlich, weil der Waliser in der Qualifikationsrunde gegen Tom Ford praktisch schon vor dem Aus stand. Tom verschoss beim Stand von 54:0 im Decider eine simple Rote und hinterließ ein schier unspielbares Bild auf dem Tisch, das Mark zur Verblüffung sämtlicher Experten mit einer zirkusreifen Clearance zum 10:9 verwandelte.

Verbotene Trainingsmethoden

Die passende Analyse lieferte sein Finalgegner schon vor dem Endspiel. Für O'Sullivan ist der direkte Vergleich von 33:10 Siegen längst irreführend. Williams sei "der beständigste Spieler der letzten fünf Jahre, seitdem er mit der Sight-Right-Methode arbeitet. Er hat einfach seit Jahren keinen schlechten Tag mehr gehabt. Natürlich verliert er auch Matches, wie wir alle. Aber in seiner Beständigkeit in den Bällen ist er einmalig. Der Klang, den seine Pomeranze produziert, wenn er den Ball spielt, ist unfassbar klar. Für mich ist er der denkbar talentierteste Spieler. Wenn er nur nicht so viel chillen und Golf spielen würde ... Er ist erst einen Tag vor Manchester aus China zurückgekommen, wo er eine Woche lang Pool gespielt hat - mit schweren Bällen und einem schweren Queue." Grinsend fügte er an: "So was sollte verboten werden ..."

Judd geht unter

Marks souveränes 10:4 gegen Judd Trump im Viertelfinale bedeutete einen herben Dämpfer für den ehrgeizigen Mann aus Bristol. Neben diversen verschossenen Bällen in aussichtsreichen Positionen (Alan McManus: "Sein schwächster Auftritt der gesamten Saison") erinnerte sein Spiel mehrfach an das Mantra des Fußball-Philosophen Kobra Wegmann: In der ersten Session hatte er kein Glück, und in der zweiten kam noch Pech hinzu.

Judd hatte nach seinem fünften Saisonsieg im chinesischen Yushan gegenüber dem Londoner Sportportal sportsboom.combetont, er wolle noch vor dem Start der WM in Sheffield die Nummer eins der Weltrangliste werden und Ronnie O'Sullivan auf der Spitzenposition ablösen. "Wenn du ein paar Plätze wegrutschst und auf Nummer vier oder was auch immer stehst, hat mir das noch nie gefallen", erklärte er . Das sei zwar "immer noch gut", aber letztlich zähle für ihn nur der Platz als Spitzenreiter.

Hartmann Allen 

Von den Kandidaten, die ihren ersten WM-Titel anstreben, scheint Mark Allen mental am stärksten zu sein. Er bleibt auf dem besten Weg, Mark Selby den Ruf abzujagen, der härteste Gegner im Profilager zu sein. Trotz des verheerenden 0:8 in der Nachmittags-Session gegen Mark Williams blieb er für 15 Minuten in der Halle, um geduldig Autogramme zu geben. Die Unterstützung für seine Aufholjagd am Abend war entsprechend herzlich.

Wenig Verständnis zeigte er jedoch für die Entscheidung der World Snooker Tour, das Ereignis auf zwölf Spieler aufzublähen: "Sie hätten bei acht Spielern und einem Tisch bleiben sollen. Damit ist ein wirklich gutes Turnier, das wir alle anstreben, verwässert worden."

Ronnie bleibt kühl

O'Sullivan hat zum ersten Mal in seiner langen Karriere den Platz an der Sonne zwei Jahre hintereinander verteidigt. Er fährt als Nummer eins nach Sheffield. Den heiß erwarteten Auftakt gegen Ali Carter vor ausverkauftem Haus gestaltete er geschäftsmäßig nüchtern und hochkonzentriert. Resultat: sein 19. Sieg im 20. Aufeinandertreffen. Die hitzigen Emotionen nach dem Masters-Finale der beiden ("Ali ist ein verdammter Alptraum"/"Ronnie rotzt den Teppich voll") waren kein Thema mehr: "Ich habe daraus gelernt", sagte er im Interview mit ITV. "Ich werde mich zu anderen Spielern und ihren Aussagen nicht mehr äußern."

Da ihn sein Perfektionismus so stark belastet hat, dass er die großen Erfolge dieser Saison kaum genießen konnte ("spieltechnisch war es kein gutes Jahr"), hat O'Sullivan erneut seinen langjährigen Psychologen Steve Peters in sein Coaching-Team geholt.

Gary beißt rein

Auch Ronnies Halbfinalgegner Gary Wilson, mittlerweile in den Top Ten angekommen, legt die Latte für sein Spiel himmelhoch: "Selbst bei den Turnieren, die ich gewonnen habe, gab es Phasen, wo mein Spiel im Keller war. Aber das hilft mir, weil ich mich dann erst recht reinbeiße. Wenn du die Deckung aufmachst und nur 99 statt 100 Prozent gibst, kann dich der kleinste Fehler das Match kosten."

Drei Frames in 33 Minuten

Das höchst unterhaltsame Match der beiden sorgte für Snooker der Spitzenklasse. Kommentator Dave Hendon nannte es auf ITV "einen Boxkampf an der Klippenkante". Ronnie drehte nach zwei starken Clearances von Gary zum 7:7 in bester Manier auf, holte die letzten drei Frames in nur 33 Minuten und zog mit einer unwiderstehlichen 129 über die Ziellinie.

"Ich schätze Gary sehr", sagte O'Sullivan auf ITV. "Wir sind gute Freunde geworden. Er ist ein ehrlicher Kerl, ein wunderbarer Typ, und es ist schön, dass er mittlerweile Turniere gewinnt. Er liebt das Spiel, und es frustriert ihn manchmal, ähnlich wie mich. Er denkt: Warum kann ich nicht öfter gut spielen? Jetzt lernt er, dass das nicht immer klappen kann. Du brauchst Geduld, um dir selbst eine Chance zu geben."

Wir waren nicht dabei

Nicht vertreten in Manchester war Weltmeister Luca Brecel auf Platz 37 des Jahres-Rankings, ebenso wie Titelverteidiger Shaun Murphy (22) und Vorjahresfinalist Kyren Wilson (19), der zweifache Tour-Champion von 2021 und 2022, Neil Robertson (36) sowie dessen Vorgänger Stephen Maguire (20).

Auch David Gilbert (28), Jack Lisowski (30), Xiao Guodong (31), Rob Milkins (35), Thepchaiya Un-Nooh (40), Stuart Bingham (57) oder Joe Perry (63) konnten in diesem Spieljahr nicht genügend Punkte sammeln. 

500.000 Pfund Preisgeld

Dotiert war das Elite-Turnier mit 500.000 britischen Pfund: 150.000 gab es für den Sieger, 60.000 für den Finalisten, 40.000 für das Erreichen des Halbfinales, 30.000 für das Viertelfinale, 20.000 für die Verlierer der Qualifikation und 10.000 für das höchste Break (eine 142 von Mark Allen).

Fast so laut wie London

Die Atmosphäre im ehemaligen Zentralbahnhof von Manchester hat bei den Spielern für Begeisterung gesorgt. Die Stimmung in den überwiegend ausverkauften Sessions erinnerte an das Londoner Masters, vor allem im One-table-setup ab dem Halbfinale. Ronnies Kommentar: "London ist richtig laut. Aber das hier kommt nah dran."

Das Manchester Central wird seit 1982 als Multi-Event-Komplex genutzt, vor allem für Rockkonzerte und Parteitage. Es diente erstmals als Austragungsort für die Tour Championship, bevor die WM samt Qualifikation das schönste und härteste Spiel der Welt in den Marathon-Modus schaltet.

Die Resultate von Manchester

Montag, 1. April

Mark Allen - John Higgins 10:7 (Spielzeit: 5:59 Stunden; Allen lag 1:4 hinten, gewann drei black ball games und erzielte drei Centuries)

Dienstag, 2. April

Ali Carter - Barry Hawkins 10:8 (Carter führte nach der ersten Session mit 7:1)
Gary Wilson - Mark Selby 10:8 (Selby kündigte nach der Niederlage an, er werde seine Karriere schlagartig beenden, sollte er im Crucible ähnlich schwach spielen)
Mark Williams - Tom Ford 10:9 (zwei Frames der Abendsession wurden über respotted blacks entschieden; beide holte Williams; Tom spielte vier Centuries, darunter eine 136 und eine 138 - und führte im Decider 54:0, als Williams eine schier unspielbare Clearance gelang) 

Mittwoch, 3. April

Ronnie O’Sullivan - Ali Carter 10:2 (beim Stand von 0:7 gelang Ali eine 141)

Donnerstag, 4. April

Judd Trump - Mark Williams 4:10 (ein Match ohne Centuries; Williams kontrollierte das Geschehen ab Frame eins in unnachahmlicher Manier; ihm gelangen mehrere Steals nach Rückstand)
Zhang Anda - Gary Wilson 8:10 (Gary lag vor seinem Endspurt mit 7:8 zurück)
Ding Junhui - Mark Allen 8:10 (Allen spielte in Frame zehn das höchste Turnierbreak mit einer 142)

Freitag, 5. April, Halbfinale 1

14:00 Uhr/20:00 Uhr
Ronnie O'Sullivan - Gary Wilson 10:7 (ein faires Treffen auf Augenhöhe; Gary setzte sich unter anderem wegen einer umstrittenen Foul-Entscheidung für Ronnie ein; Referee Paul Collier, der im Übrigen das WM-Finale leiten wird, blieb bei seiner Entscheidung gegen Ronnie.) 

Samstag, 6. April, Halbfinale 2

Mark Williams - Mark Allen 10:5 (In Frame fünf war Williams auf Maximum-Kurs; die 15. Rote wollte nicht fallen.) 

Sonntag, 7. April, Finale

Mark Williams - Ronnie O'Sullivan 10:5

Manchester_Central.png

16 chinesische Spieler standen unter den 64 für die World Open in Yushan qualifizierten Teilnehmern. In den ersten beiden Runden schieden 15 davon aus. Lediglich Ding Junhui blieb im Turnier. Nach Shaun Murph (5:3), Hossein Vafaei (5:0) und Neil Robertson (6:5) gab es im Finale allerdings kein Happy End für Ding. Judd Trump holte sich den Titel unangefochten mit 10:4 und feierte seinen fünften Saisonsieg. 

Neil Robertson holt auf

Wie immer gab es im Teilnehmerfeld mehrere Gewinner. Der langjährige Seriensieger Neil Robertson verbuchte mit dem Erreichen des Halbfinals (5:2 gegen Yuan Sijun, 5:3 gegen Tian Pengfei, 5:1 gegen Chris Wakelin, 5:2 gegen Barry Hawkins) nach einem rabenschwarzen Jahr seine bislang beste Saisonplatzierung. Die Halbfinal-Niederlage gegen Ding hat dennoch eine bittere Konsequenz für den Australier: Er rutscht aus den Top 16 und muss sich für die WM in Sheffield qualifizieren.

Der 22-jährige Waliser Jackson Page erreichte gar den den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere mit Siegen gegen John Higgins (5:3), Wu Yize (5:3), Mark Selby (5:2) und Elliot Slessor (5:2). In der Weltrangliste rückte er neun Plätze vor, von 52 auf 43. Seine Traumreise endete mit dem 2:6 gegen Judd Trump. Der Titelverteidiger (zuletzt wurde das Turnier vor der Pandemie 2019 ausgetragen) zog zuvor routiniert seine Kreise mit Erfolgen gegen Sanderson Lam (5:2), Fan Zengyi (5:3) und David Lilley (5:3). Im Viertelfinale beendete er mit 5:2 die brillante Kampagne von Kyren Wilson, der in seinen vier Matches neun Centuries spielte.

Der Abstiegskampf bleibt hart

Ihre Chancen beim letzten für alle Main-Tour-Spieler offenen Turnier vor der WM-Qualifikation suchten vor allem jene Profis, die noch Punkte für den Klassenerhalt sammeln müssen. Lukas Kleckers löste das Ticket für Yushan mit 5:2 gegen Jack Lisowski, verlor jedoch äußerst bitter in der ersten Hauptrunde nach einer bärenstarken 4:1-Führung mit 4:5 gegen „Spaceman“ Dominic Dale. Lukas wird nun mindestens zwei Crucible-Qualifikationsrunden überstehen müssen, um dem härtesten Wettbewerb der gesamten Saison - der Q School nach der WM - aus dem Weg zu gehen. 

Eine 147, eine 146

Kein Spieler unter dem Strich konnte sich nennenswert verbessern - mit Ausnahme von David Lilley (Achtelfinalgegner von Judd Trump), der seine neue Tourlizenz aber ohnehin dank seiner Platzierung auf der Ein-Jahres-Liste relativ sicher hat. Zak Surety, der als Nummer vier  der Jahresbesten unterhalb der Top 64 ebenfalls gut im Rennen liegt, zauberte darüber hinaus in seinem Qualifikationsmatch gegen Ding Junhui (3:5) das erste Maximum seiner Profikarriere, insgesamt das 201. seit Beginn der Aufzeichnungen. Barry Hawkins wiederum gelang bei seinem 5:2-Sieg gegen Robbie Williams eine seltene 146, die zum 35. Mal in der Profi-Historie verzeichnet wurde.

Prominente Bruchlandungen

Neben Lisowski hatten sich diverse prominente Queue-Künstler Ende Januar gar nicht erst qualifizieren können: Anthony McGill, Stuart Bingham, Thepchaiya Un-Nooh, Gary Wilson, Jimmy White, Anthony Hamilton, Jimmy Robertson, Marco Fu, Alexander Ursenbacher, Joe O’Connor und Mark Davis. Ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt hatten David Gilbert, Julian Boiko und Sam Craigie. Mark Willams hatte auf die Teilnahme an der Qualifikation verzichtet.

Frühes Aus für Zhang, Allen, Si Jiahui und Brecel

Wie stark auch die tieferen Lagen der Weltrangliste besetzt sind, bekamen in der ersten Runde von Yushan gleich mehrere Titelaspiranten zu spüren, allen voran die Nummer drei der Welt, Mark Allen: Der Nordire verlor gegen Daniel Wells (Rang 80) mit 3:5. Der hoch gehandelte Zhang Anda, zuletzt Allens Gegner im Finale der Players Championship, unterlag gegen Elliot Slessor (Rang 42). Auch der furiose Crucible-Halbfinalist von 2023, Si Jiahui, musste seine Ambitionen gegen Long Zehuang (Rang 101) mit 2:5 früh begraben. Weltmeister Luca Brecel unterlag in der Runde der letzten 32 mit 1:5 gegen Stephen Maguire.

Die finalen Runden

Donnerstag, 21. März, Achtelfinale:

Judd Trump - David Lilley 5:3

Ronnie O'Sullivan - Hossein Vafaei 4:5

Kyren Wilson - Ben Woollaston 5:4

Barry Hawkins - Stephen Maguire 5:1

Mark Selby - Jackson Page 2:5

Elliott Slessor - Daniel Wells 5:2

Ding Junhui - Shaun Murphy 5:3

Neil Robertson - Chris Wakelin 5:1

Freitag, 22. März, Viertelfinale:

Judd Trump - Kyren Wilson 5:2

Jackson Page - Elliott Slessor 5:2

Neil Robertson - Barry Hawkins 5:2

Ding Junhui - Hossein Vafaei 5:0

Samstag, 23. März, Halbfinals:

Judd Trump - Jackson Page 6:2

Ding Junhui - Neil Robertson 6:5

Sonntag, 24. März, Finale:

Judd Trump - Ding Junhui 10:4

Im Eiltempo zur Lohntüte: Lediglich 13 Frames musste Ronnie O'Sullivan gewinnnen, um beim Speed-Einladungsturnier von Riad 250.000 britische Pfund Preisgeld einzusammeln. Er meisterte die Aufgabe in exzellenter Form. Das unter Snooker-Liebhabern umstrittene World Masters mit den acht Führenden der Zwei-Jahres-Weltrangliste lieferte großen Sport, leidenschaftliche Fans und eine arbeitslose goldene Kugel.

Luca kommt in Form

Mehr hätten sich die Ausrichter nicht wünschen können als ein rasantes Finale zwischen der Nummer eins und dem amtierenden Weltmeister. Luca Brecel hatte zu Beginn die besseren Karten, verschoss jedoch beim Stand von 2:1 und 29-0 Schwarz und belegte von da an hauptsächlich den besten Sitzplatz in der Arena.

Sein letzter Ballkontakt war ein Kamikaze-Stoß nach Art von Stephen Maguire in Frame sieben, der die Bälle auf dem ganzen Tisch verteilte und ihm das 2:5 bescherte. Dennoch scheint er nach einer zerfahrenen Saison exakt zum richtigen Zeitpunkt in Form zu kommen, um ernsthaft seinen Titel im Crucible verteidigen zu können. Beleg für seine wiedergewonnenen Stärken waren überzeugende Siege gegen die stählerne Matchhärte von Ali Carter (4:1) und Mark Allen (4:2).

Ronnie O'Sullivan bleibt dennoch das Maß aller Dinge, auch im Hinblick auf seine Chancen, in Sheffield alleiniger Rekordweltmeister mit acht Titeln zu werden. Im Viertelfinale schenkte er John Higgins beim 4:0 mit drei Centuries und einer 82 lediglich vier Foulpunkte, und nach dem 4:1-Halbfinale demütigte er die Nummer zwei der Welt mit der Bemerkung, er habe gerade "den schlechtesten Judd Trump aller Zeiten" am Tisch gesehen. 

Ein Koffer zum Verlieben

Als Gimmick der Veranstaltung wurde zu Beginn jeden Frames ein goldener Ball zentral an der Kopfbande platziert. Er wäre 20 Punkte wert, aber nur vier Foulpunkte teuer gewesen und blieb auf dem Tuch, solange ein Maximum möglich war. Wäre eine 147 plus der güldenen Kugel gelocht worden, hätte der Spieler einen Koffer mit  500.000 US-Dollar überreicht bekommen. John Higgins hatte schon eine Hand am Köfferchen. In seinem Match gegen Mark Williams (4:2) standen 120 Punkte für 15 Rote und 15 Schwarze auf dem Brett, als Gelb nicht mehr mitspielen mochte.

Steve Dawson, Geschäftsführer und Anteilseigner des Tourvermarkters World Snooker, feierte das „Super Maximum“ vorab als die „faszinierendste Idee seit der Erfindung von Snooker vor 150 Jahren! Die Spieler begeistert die unglaubliche Sonderprämie, die von Seiner Exzellenz Turki Alalshikh gestiftet worden ist.“

Arabien erhält eine Akademie

Herr Alalshikh nutzte die Siegerehrung für die Ankündigung, er wolle bei der nächsten Auflage gleich doppelt so viel Spielgeld für das Mega-Maximum lockermachen: eine runde Million. Außerdem teilte der oberste Snooker-Fan Saudi-Arabiens mit, man werde umgehend eine Nachwuchsakademie eröffnen. Die beiden Wildcard-Amateure Ali Alobaidli (Katar) und Omar Alajlani (Saudi-Arabien) hatten zum Auftakt gegen John Higgins und Ding Junhui jeweils mit 0:4 verloren. Bei den Ausrüstern des künftigen Leistungszentrums dürften die Korken geknallt haben, denn Geld spielt bei den Saudis keine Rolle, wie man etwa den märchenhaften Summen entnehmen kann, mit denen die einheimische Fußball-Liga in dieser Saison zahlreiche irrsinnig überbezahlte Ballzauberer aus aller Welt ins Land locken konnte. Ganz zu schweigen von den Ambitionen, in einem eisfreien Wüstenstaat Olympische Winterspiele auszurichten.

Grüner wird's nicht

Die Integration der Snooker-Größen in das Sportswashing-System der saudischen Machthaber hat sich bereits jetzt bezahlt gemacht. Sämtliche Teilnehmer lobten neben dem üppigen Preisgeld die perfekte Organisation und die erlebte Gastfreundschaft über den grünen Klee. Die mahnenden Worte von Kritikern wie dem norwegischen Gründer des Scoring-Portals snooker.org, Hermund Årdalen, auf Twitter/X waren gegen den Ruf des Geldes lediglich Schall und Rauch: „Das Team und ich haben wegen des Sportswashing-Faktors und der üblen Menschenrechtslage in Saudi-Arabien gemischte Gefühle. Wir beschränken uns daher zur Information der Fans auf einen reinen Ergebnisdienst.“
Letztlich sah die Berichterstattung auch von Snooker.org jedoch genauso aus wie die von jedem anderen Turnier. Einwände, die Menschenrechtslage in China sei keinen Deut besser als bei den Saudis, beantwortete Årdalen mit dem Argument: „Wir schauen keinesfalls über die Menschenrechtsverletzungen in China hinweg. Der Unterschied besteht im Sportswashing, denn China ist eine große Snooker-Nation.“

Kleine Freiheiten

Wie weit das Land von Generaldirektorpräsident Mohammed bin Salman trotz religiöser Vorschriften und flächendeckender staatlicher Cyber-Kontrolle (Vorbild: China) auf die Bedürfnisse seiner westlich geprägten Jugend eingeht, um mit Konsum und Spielen für oberflächliche Entspannung zu sorgen, hat sich bereits mit der Aufhebung des jahrzehntelangen Verbots von Kinofilmen und Konzertveranstaltungen gezeigt. Trotz der diktatorischen Strukturen gibt es aber auch progressive Veränderungen. So hatte etwa die 2018 eingeführte Aufhebung des Verhüllungszwangs für Frauen Auswirkungen auf das World Snooker Masters: Offenbar hatte man in Riad bewusst nichts gegen den Einsatz eines weiblichen Referees beim Endspiel der Snooker-Stars einzuwenden. Tatiana Woollaston war zwar gehalten, keine körperbetonte Kleidung zu tragen, trug jedoch ihr Haar so offen wie in London oder Llandudno. Soft Power der etwas anderen Art ...  

 

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Die Liste der Turniersieger 23/24 bleibt übersichtlich. Mark Allen holte mit dem 10:8 gegen Zhang Anda seinen dritten Titel nach dem Champion of Champions und dem Shoot-Out. Das Match des Bonusturniers der 16 Saisonbesten war über die gesamte Spieldauer schwer umkämpft und hatte keinen Verlierer verdient. Zhang sammelte inklusive der 50.000 Pfund von Telford alleine in dieser Saison annähernd so viel Preisgeld ein wie in seinen bisherigen 14 Profi-Jahren zusammengenommen.

Mark Allen angelte sich mit einer 146 in seinem Auftaktmatch gegen Mark Williams (6:3) auch noch die 5.000 Pfund für das höchste Break. Mark Selbys furios herausgespieltes 6:0 im Viertelfinale beendet Ronnie O'Sullivans Serie von 16 Siegen hintereinander.

Die 16 Besten der Saison-Weltrangliste trafen sich vom 19. bis 25. Februar im englischen Telford. Alle Teilnehmer erhielten 10.000 britische Pfund Qualifikations-Honorar und entsprechende Weltranglistenpunkte. Es war mit 385.000 Pfund dotiert. Der Sieger kassierte 125.000 Pfund. Alle Matches wurden im Modus Best of Eleven ausgetragen, das Finale in zwei Sessions als Best of 19.

Titelverteidiger Shaun Murphy konnte sich als 26. nicht qualifizieren, ebenso wie Weltmeister Luca Brecel auf Rang 39. Nicht vertreten waren darüber hinaus Jack Lisowski (21), Si Jiahui (24), Kyren Wilson (30), Rob Milkins (37), Stuart Bingham (50) und Neil Robertson (68).  

Dank des dritten Ranking-Titels innerhalb von nur 14 Monaten hat „Tyneside Terror“ Gary Wilson nun drei praktisch identische gläserne Schirmständer für die vielseitige Nutzung in Haus und Garten eingesammelt. Das Spiel des begnadeten Naturtalents bewegt sich schon lange auf Weltniveau. Die Ray Reardon Trophy von Llandudno gewann er mit 9:4 gegen Martin O’Donnell, der im letzten Jahr noch die Mühle der Q School überstehen musste.

Drei Maximums, elf Centuries

„Um euch eine kleine Vorstellung davon zu geben, auf welchem Niveau die Spitzenspieler im Snooker heutzutage unterwegs sind“, erzählte „Spaceman“ Dominic Dale als Kommentator von BBC Wales folgende Randgeschichte: „Vor kurzem bekam Gary Wilson Besuch von Ross Muir aus Schottland für ein gemeinsames Training. An einem einzigen Tag spielte Gary dabei drei Maximums und elf weitere Centuries.“ 

Ronnie hat Lampenfieber

Der Knackpunkt für sämtliche Profis besteht darin, wie entspannt und konzentriert man diese Fähigkeiten vom Trainingstisch in die Arena zu bringen versteht. Ronnie O’Sullivan beispielsweise sagte seine Teilnahme in Wales offiziell wegen Lampenfieber ab: Es gebe Tage und Wochen, an denen er innerlich kollabiere, sobald er ins Rampenlicht treten müsse und sich mit Erwartungen überfrachtet sehe. Ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen nicht angetreten waren Martin Gould und David Grace. Hinzu kam die Absage von Vielspieler Judd Trump, der eine Kunstpause einlegte.

Zwei verdiente Finalisten

Gary war in Llandudno die Ruhe selbst. Mit einer glanzvollen 147 im hochklassigen Halbfinale gegen John Higgins (6:4) knöpfte er Robbie Williams (146 in der Qualifikation) die 5.000 Pfund Sonderprämie ab. Weitere Großtaten vollbrachte er gegen Anthony McGill (5:0), Rob Milkins (4:0), Jack Lisowski (4:3) und Julian Boiko (4:2).

Garys Endspielgegner Martin O’Donnell krönte seine für einen Tour-Rückkehrer ohnehin stark verlaufene Saison (Achtelfinale bei den Scottish Open, Viertelfinale bei den English Open) mit Siegen über Chris Wakelin (4:1), Anthony Hamilton (4:2), Marco Fu (4:2), Luca Brecel (5:3) und Elliot Slessor (6:5) – samt einer 126 im Halbfinal-Decider. Damit landete der Verteidigungsminister" auf Platz 19 der Saisonbesten und machte in der Weltrangliste einen Sprung von Platz 76 auf Rang 60. Beste Aussichten also, im Sommer 2025 seine Zwei-Jahres-Lizenz problemlos erneuert zu bekommen.

Frühstück für Champions

Wie immer hofften die nationalstolzen Einheimischen auf einen Titelkandidaten unter den 17 teilnehmenden Walisern. Nach dem frühen Ausscheiden von Mark Williams gegen Anthony McGill (1:4) konzentrierte sich die Anfeuerung unter anderem auf Dominic Dale. Der mittlerweile 52-jährige „Spaceman“ schaffte es mit seiner täglichen Spezialdiät aus vier Frühstückseiern plus einem Berg Schinkensandwiches immerhin bis ins Viertelfinale, wo er Elliot Slessor mit 3:5 unterlag. Auf seinem Weg dorthin besiegte er den starken 23-jährigen Alfie Davis (4:3), den letztjährigen Crucible-Viertelfinalisten Jak Jones (4:0) und den weitgehend überforderten Stan Moody (4:1).

Training im Epizentrum

Der 17-jährige Moody, 4:3-Erstrundensieger gegen den Welsh-Open-Titelträger von 2021, Jordan Brown,  äußerte sich im Vorab-Interview der BBC betont selbstbewusst („Mein Ziel ist der WM-Titel“). Möglicherweise wird er im Gegensatz zu anderen Nachwuchsspielern von den Organisatoren bevorzugt behandelt. Seine Matches haben in jüngster Zeit bereits mehrfach auf Tisch eins mit Fernseh-Präsenz stattgefunden, was höher rangierende Spieler auf schattige Nebenschauplätze verbannte. In Llandudno war dies etwa die Partie Jak Jones gegen Hossein Vafaei (4:2). Sein Vordringen unter die letzten 32 brachte Moody im Ranking einen Aufstieg von Platz 112 auf Rang 105.

Diverse etablierte Queue-Strategen hatte es bereits in der Qualifikation für die Endrunde der verbliebenen 64 im Seebad Llandudno erwischt, llen voran Stephen Maguire und Stuart Bingham. Sie gehörten zum kleinen Kreis der großen Spieler mit selten gewordenen Erfolgserlebnissen wie Neil Robertson oder Luca Brecel. Beide kamen über ihre harten Lose nicht hinaus: der Schotten-Rocker, Sieger der Tour-Championship 2020, verlor gegen German-Masters-Finalist Si Jiahui (2:4), der Crucible-König von 2015 unterlag gegen Hongkongs Legende Marco Fu (1:4). Stuart gab den fünften Frame auf, obwohl bei einem Rückstand von 0:59 noch 69 Punkte auf dem Tisch lagen (Quelle: snooker.org).

Ebenfalls den Cut nicht geschafft hatten Joe Perry, Thepchaiya Un-Nooh, Lukas Kleckers, Zhou Yuelong, Ben Woollaston, Jimmy Robertson, Michael White, Mark Davis, Pang Junxu, Liam Highfield und Jimmy White.

Form contra Format

German-Masters-Halbfinalist Sam Craigie scheiterte an Matt Selt in einem schwer zerfurchten Fünf-Stunden-Match, dessen neunter Frame erst nach 80 Minuten entschieden war. Sams Niederlage verdeutlicht erneut, warum die Ansetzung der Qualifikationen nicht funktioniert, was in Spielerkreisen seit längerem kritisiert wird. Die erste Runde lief Ende Januar in Barnsley statt direkt vor Ort in Wales. Craigie konnte sein Momentum aus dem Tempodrom also nicht mitnehmen. Für Spieler in Form ist diese Art der Terminierung ein klarer Nachteil.

Funktionäre mit Stallgeruch

Möglicherweise wird im Hintergrund bereits an den Stellschrauben  für die nächste Saison gedreht, um solche Szenarien zukünftig vermeiden zu helfen. Shaun Murphy und Ex-Profi Nigel Bond wurden am 9. Februar als Nachfolger von Mike Dunn und Peter Lines in den Vorstand der WPBSA aufgenommen. Shaun hatte kürzlich bereits angedeutet, dass sich in absehbarer Zeit auch in den eng gefassten Klauseln der umstrittenen Verträge etwas ändern könnte, die alle Spieler mit den Vermarktern der World Snooker Tour unterschreiben müssen, sofern sie als Ranglistenprofis antreten wollen. 

Die World Snooker Tour und das Sportministerium Saudi-Arabiens haben einen Deal vereinbart, der die Snooker-Welt verändern dürfte. Der Begriff „Triple Crown“ für die drei legendärsten Turniere wird aufgeweicht. Ab der ersten Augustwoche 2024 hat die Krone vier Zacken. Für mindestens zehn Jahre. Auf das Feld der 128 Profis warten in Riad zwei Millionen Pfund Preisgeld.

Märchenhaftes Marketing

Man stelle sich vor, die Tennis-Welt bekäme mitgeteilt, der Grand Slam werde nicht mehr nur in Wimbledon, Flushing Meadows, Melbourne und Paris gespielt, sondern in Katar oder Caracas um eine mit Petro-Dollars ausgestopfte Variante ausgebaut. Ähnliches geschieht derzeit im Snooker.

Die Familie Hearn und ihre Firma Matchroom als Mehrheitseigner der WST verkaufen neuerdings Tradition, die es noch gar nicht gibt. Marketing 4.0 für den Traum von der Quadruple Crown. Offiziell ist von einem „vierten Major-Turnier“ die Rede. Als Appetithäppchen dient ein Einladungsturnier für die acht Ranglistenbesten, das Ryadh Season World Masters vom 4. bis 6. März.

Vom Boxen lernen heißt siegen lernen

Die ebenso feudale wie brutale Diktatur auf der arabischen Halbinsel hat im November 2023 von Fifa-Fürst Giganti Infantino die Fußball-Weltmeisterschaft 2034 garantiert bekommen. Gekrönt wird das saudische Sportswashing-Programm von der Ausrichtung der Asiatischen Winterspiele 2029 mit einem Budget von 500 Milliarden Dollar, vermutlich als komplett überdachte und klimatisierte Variante. Fernziel des eisfreien Wüstenstaats sind die Olympischen Winterspiele.  

Verglichen damit wird das Snooker-Investment aus dem Kleingeldspeicher finanziert. Die Preisgelder für das Saudi Arabia Snooker Masters erreichen das Niveau der Triple-Crown-Events und sind bewusst knapp unterhalb der Crucible-Siegprämien angesiedelt.

Matchroom-Erbe Eddie Hearn kommentierte den Knüller mit den Worten: „Wir haben die ungeheure Auswirkung gesehen, die Boxen in dieser Region erlebt hat. Nun glauben wir daran, auch das Vermächtnis des Billard dort zementieren zu können.“

Eng in England

Mit der Vergabe vieler anderer Championate und den Qualifikationsrunden zementiert die Firma allerdings weiterhin bequem die heimische Insel, denn abgesehen von den deutschen und chinesischen Turnieren sowie der einsamen 6-Reds-WM in Thailand findet die regelmäßig beschworene Ausbreitung des Weltsports woanders praktisch nicht statt, vor allem in Kontinentaleuropa.

Werbung für Snooker könnte man auch betreiben, indem man Bonusturniere wie das World Grand Prix oder das Champion of Champions in anderen snookerbegeisterten Gegenden stattfinden lässt. Oder Billard-Hochburgen, die sich begeistern lassen. Manhattan? Manila? Mar del Plata?

Seit dem frühen Tod der engagierten WST-Führungskraft Brandon Parker 2020 scheint für derlei Denkmodelle jedoch kaum Initiative vom Londoner Hauptquartier der WST auszugehen. Selbst Barry Hearn hielt in einem Interview auf Stephen Hendrys Cue Tipps-Kanal fest, sein Sohn Eddie interessiere sich kaum für Snooker.

Sackgasse Dubai

Die Spieler sind verständlicherweise angetan von der neuen Einkommensquelle, denn abseits der Spitzengruppe kämpfen viele mit Existenzängsten. John Higgins sagte: „Als Spieler denkst du immer an die Maximierung deines Einkommens. Eines meiner ersten Turniere im Ausland war Dubai 1994. Damals dachten wir, Snooker könnte im Nahen Osten was werden. Jetzt muss ich wohl bis fast 60 dabei bleiben, um was davon zu haben!“

Elliot Slessor, vor den Welsh Open auf Platz 50 des Rankings, sprach für die weniger Begüterten auf der Tour: „Vor ein paar Jahren schien die Hälfte der Turniere Einladungsturniere für die Topspieler zu sein. Großartig, dass dieses neue Ranglistenturnier dem kompletten Feld offen steht. Und das Preisgeld ist astronomisch.“

Sponsor ohne Spielsucht-Faktor

Die zweite Wirtschaftsnachricht der Woche hat einen farbigen Lichtblick zu bieten. Für das Sponsoring der Players- und Tour Championship wurde ausnahmsweise kein Wettbüro oder Online-Casino gewonnen, sondern mit PPG Architectural Paintings ein Hersteller von Hochglanzlacken, weshalb beide Turniere ab sofort als Johnson’s Paint Championship geführt werden.

Text: Matthias Breusch, Snooker-Geschichten (satz-ball.de)

 

Mit einem ungefährdeten 10:5 gegen Si Jiahui im Finale von Berlin holte Judd Trump in Abwesenheit von Ronnie O’Sullivan zum dritten Mal den Titel im Tempodrom und träumt von goldigen Jobs im sonnigen Süden. Sein 21-jähriger Gegner demonstrierte nach dem Einzug ins letztjährige WM-Halbfinale zum zweiten Mal seine furchtlose Spielstärke.

Wann fällt der tausendste Hunderter?

Judd dominierte das Turnier in entspannter, imperialer Form gegen Lukas Kleckers (5:0), Matthew Stevens (5:3), Matt Selt (5:2), Thepchaiya Un-Nooh (5:2), John Higgins (5:2) und Überraschungs-Halbfinalist Sam Craigie (6:2). Auf dem Weg zu seinem vierten Pokalsieg in der laufenden Saison spielte er neun Centuries. Mit 967 Hunderterbreaks dürfte er noch in diesem Kalenderjahr als zweiter Spieler nach O’Sullivan die 1.000er-Marke knacken.

Ebenfalls im Rennen ist John Higgins mit 968 – Judds Scoring gegenüber dem Schotten steht in der laufenden Spielzeit bei 66:27. Lediglich Rocket-Ronnie und Warrior-Wilson haben mit 38 Centuries – aber auch jeweils deutlich weniger gespielten Matches – eine ähnliche Quote aufzuweisen.

„Nebenbei“ verbuchte Trump 150.000 Pfund Prämie für den vorzeitigen Gewinn der über acht Championate laufenden BetVictor-Serie. Bei den Welsh Open vom 12. bis 18. Februar kann er nicht mehr eingeholt werden.

Si Jiahui: Slalom ins Finale

Auch Si Jiahui kurvte dank seines couragierten Matchplays elegant ins Finale, ohne einen Decider spielen zu müssen. Seine Slalomstangen hießen Mark Joyce (5:1), Alfie Davis (5:1), Yuan Sijun (5:3), Ryan Day (5:3) und Kyren Wilson (6:3). Hinter Ding Junhui  (11), Zhang Anda (13) und Zhou Yuelong (21) ist Si auf Platz 24 der Weltrangliste bereits jetzt die Nummer vier der starken chinesischen Spielerfraktion.

Sam Craigie, vor Berlin die Nummer 50 der Welt, erreichte mit einem glatten 5:1 gegen Titelverteidiger Ali Carter zum ersten Mal das Halbfinale eines Ranking-Turniers. Zudem teilt er sich mit Antrim Ferrari Jordan Brown die Prämie von 5.000 Pfund für das höchste Meisterschaftsbreak. Beide zauberten eine 142 auf den grünen Tisch.

Neil Robertson: hart wie Hägar

Auf einem guten Weg, zumindest die Schlussetappen einer mehr oder minder enttäuschenden Saison etwas freundlicher gestalten zu können, zeigten sich Neil Robertson und Kyren Wilson, die im Achtelfinale aufeinandertrafen, das Kyren mit 5:3 für sich entschied und seinen Weg ins Halbfinale definierte.

Der kultivierte Australier entdeckte vor dem Match gegen seinen langjährigen engen Freund Joe Perry (5:1) offenbar eine gewisse Verwandtschaft zu Wikingerboss Hägar dem Schrecklichen in sich: „Ich muss endlich wieder brutaler werden und meine Gegner in den Boden spitzen. Es wird keine fröhlich lächelnden Handshakes mehr geben. Meinen Gegnern wünsche ich am Tisch nur das Schlechteste. Abseits davon darf es nett bleiben, aber am Tisch will ich sie leiden sehen.“

Rookie schreckt Crucible-Helden

Völlig von der Rolle ist weiterhin Weltmeister Luca Brecel nach seiner 2:5-Erstrundenniederlage gegen Ishpreet Singh Chada. Der indische Tour-Neuling, aktuell Platz 91 der Rangliste, triumphierte in dieser Saison bereits zweimal gegen Stuart Bingham und einmal gegen Anthony McGill.

Marco Fu muss aufgeben

Ein trauriges Ende fanden die German Masters für Marco Fu. Nach einem spektakulären 5:1 in der Qualifikation gegen Mark Selby musste er in seinem ersten Hauptrundenmatch gegen Q-Tour-Spitzenspieler Alfie Davis beim Stand von 1:3 aufgeben, weil ihn doppelte Bilder auf einem Auge behinderten. Marco hatte sich 2017 einer Augenoperation unterziehen müssen und war seither nie mehr in die Nähe seiner früheren Platzierungen gekommen.

Herz aus Gold

Am Rande des German Masters hat Judd Trump klar zum Ausdruck gebracht, wie seine zukünftigen Ambitionen gelagert sind. Saudi-Arabien hatte sich kürzlich mit Siegprämien von 900.000 Pfund per Einladungsturnier in den Veranstaltungskatalog der World Snooker Tour eingekauft  (das World Masters der acht Führenden in der Zwei-Jahres-Weltrangliste vom 4. bis 6. März). Trump sprach sich dafür aus, dort auch eine Weltmeisterschaft auszutragen, sofern die Kasse stimmt. Sollten die Saudis im Rahmen ihres breit gestreuten Sports-Washings einen Siegerscheck von zwei Millionen Pfund ermöglichen, würde die Nummer zwei der Welt statt in Sheffield gerne in Riad antreten.

Gegenwind erntete er von Snooker-Legende Stephen Hendry: „Ich fände es grauenhaft, wenn die Weltmeisterschaft in den Nahen Osten abwandert. Es sollte Sheffield mit einem neu gebauten, größeren Crucible möglich sein, das Herz des Snooker zu bleiben.“

Text: Matthias Breusch, Snooker-Geschichten (satz-ball.de)

„Wo sind die anderen? Wo sind die Selbys, Allens, Robertsons, Brecels?“, fragte Stephen Hendry nach Ronnie O’Sullivans erneutem Triumph. Selbst Judd Trump konnte dem Champion nicht das Wasser reichen. Er verlor das Finale um die schönste Gießkanne der Sportwelt trotz 4:0- und 6:3-Führung deutlich mit 7:10 – in einem umkämpften Match ohne Century, dessen höchstes Break bei 74 endete.

Vor dem Endspiel erwartete die versammelte Expertenrunde ausschließlich Superlative von den beiden Führenden der  Saisonstatistik. Judd hatte sich auf dem Weg ins Finale in guter Form gezeigt, Jamie Jones (4:2 nach 0:2), Lyu Haotian (4:0), Mark Selby (5:1) und Cao Yupeng (6:2) jeweils mit starkem Spiel geschlagen. Ronnie spielte sich gegen Pang Junxu (4:2), Zhou Yuelong (4:3) und Gary Wilson (5:1) warm.  

Snooker in Perfektion

O’Sullivans Bilderbuch-6:1 gegen Ding Junhui im Halbfinale inklusive seiner vier Centuries wurde von sämtlichen Ex-Champs als „eine der perfektesten Sessions, die Ronnie je gespielt hat“ bezeichnet. Er selbst sagte: „Das war schon ganz gut. Ich bin zufrieden. Natürlich kann es nicht immer so laufen. Aber ich lerne immer noch dazu. Vor allem mein Safespiel hat sich verbessert.“

14 Siege am Stück haben ihm die Titel bei der UK Championship, beim Masters und beim World Grand Prix beschert. Ronnie hat bereits angekündigt, er werde seine Kräfte vor Sheffield dosieren müssen. Bei den Welsh Open und den German Masters wird er wohl nicht antreten. Judd sei für ihn in jedem Fall der Top-Favorit auf den WM-Pokal: „Er ist ein Krieger.“

Zwei Stühle, eine Meinung

Begonnen hatte die Woche in Leicester mit schwerem Theaterdonner. Als die 32 Besten der Saison zu ihrem Bonusturnier antraten, gab es im Hintergrund zunächst nur ein Thema: O’Sullivans hitzige Pressekonferenz nach seinem Masters-Sieg, als er seinen Gegner Ali Carter mehrfach zur Hölle wünschte. Ali sei ein „fucking nightmare“ und bräuchte ganz dringend einen Sozialberater. Ali zahlte die Tirade nicht mit gleicher Münze heim: „Er hat eine Meinung über mich, ich eine über ihn." 

Murphy oben, Murphy unten

Schnell übernahm das Sportliche wieder die Headlines. Das furiose 4:0 von Shaun Murphy gegen John Higgins inklusive des höchsten Turnierbreaks, einer 145, ließ Murphy im Ranking der Buchmacher weit nach vorne schießen. Er verlor allerdings seinerseits bereits in Runde zwei 0:4 gegen Cao Yupeng, der zuvor Barry Hawkins mit 4:3 besiegte und im Viertelfinale ein 2:4 gegen Mark Williams in ein 5:4 drehte.

Schafft Hossein den Hattrick?

Mark Williams wiederum geriet in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, weil ihm sein Achtelfinalgegner Hossein Vafaei nach dem Match den Handschlag verweigerte. Williams hatte sich über sich selbst geärgert, als er seinen letzten Ball verschoss und annahm, der Iraner würde nun auf Snooker gehen.

Vafaei fühlte sich von Marks Geste verhöhnt, schaute sich nicht einmal mehr das Bild auf dem Tisch an und marschierte stinkwütend ab. Im Publikum machten sich Buhrufe breit. Als Williams backstage auf ihn zuging, um nachzufragen, was denn los sei, verweigerte Hossein den Handschlag zum zweiten Mal.

Nach seiner verbalen Attacke auf O`Sullivan bei der WM 2023 („Der netteste Typ der Welt. Wenn er schläft.“) fehlt dem „Prinz von Persien“ jetzt nur noch ein öffentliches Handgemenge mit John Higgins für einen ganz speziellen Hattrick: sich mit der gesamten „Klasse von 1992“ angelegt zu haben.

Während Vafaei seinen X-Account am folgenden Tag abschaltete, kommentierte Williams den Sturm im Wasserglas gewohnt tiefenentspannt: „Ich war bislang ein großer Bewunderer seines Spiels, und meine ganze Familie hatte ihn gern. Das dürfte sich jetzt ein bisschen ändern.“

 

     

Text: Matthias Breusch, Snooker-Geschichten (satz-ball.de)

„Er beginnt mich langsam zu nerven“ zitierte Alistair Carter mit säuerlichem Grinsen den berühmten Satz von Jimmy White nach dessen vierter WM-Finalniederlage gegen Stephen Hendry 1994. Trotz verdienter 5:3-Führung kam Carter auch in seinem dritten Triple-Crown-Finale nicht an O’Sullivan vorbei. Ronnie schaltete in der Abendsession einen Gang hoch und entschied sieben von neun Frames für sich.  

Ein schönes kleines Spiel

„Erstaunlich, wie weit wir es mit unserem schönen kleinen Spiel gebracht haben“, blickte Altmeister Steve Davis auf das 50-jährige Jubelfest der Snooker-Elite. Die 34.000 Tickets für die 15 Matches von 2025 sind längst verkauft. Sechs Minuten nach Öffnung der Verkaufsportale am Halbfinalsamstag hatten alle glückliche Besitzer gefunden.

Es zwickt in den Gelenken

„Pokale, Zahlen und Rekorde interessieren mich nicht“, kommentierte der Champion den letztlich wenig gefährdeten achten Triumph in seinem 14. Londoner Finale. „Ich will nur eins: mein Spiel weiter verbessern und Spaß daran haben.“ Sämtliche Experten stimmen überein, dass es ihm tatsächlich immer wieder gelingt, sich in technischen oder taktischen Nuancen neu zu erfinden, auch wenn er selbst einräumt: „Ich merke deutlich, dass ich auf die 50 zugehe. In meinen Gelenken zwickt und zwackt es überall. Mal schauen, wie lange ich das auf diesem Niveau noch hinbekomme …“

Wenig nette Post

Die Vermarkter der World Snooker Tour, die unbekannte Renditen mit den Snooker-Gladiatoren erwirtschaften, sind für ihn allenfalls Randfiguren, die von seiner Strahlkraft profitieren. Im Dezember hatte Ronnie wegen seiner kritischen Unterstützung der „Macao-Rebellen“ Post von der WST bekommen. Der Brief, der ihm ein Disziplinarverfahren ankündigte, weil der Standardvertrag der Profis öffentliche Meinungsäußerungen gegen die Bosse untersagt, sei „alles andere als nett“.

Steve Dawson, den Geschäftsführer der WST, würdigte er während der Siegerehrung im Alexandra Palace keines Blickes. Stattdessen unterhielt sich O’Sullivan demonstrativ herzlich mit dem Vertreter des Turniersponsors.

Der Darth Vader des Snooker?

Ronnies Halbfinalgegner Shaun Murphy, der parallel als formstarker Spieler und wortgewandter BBC-Kommentator ein höchst unterhaltsames Turnier absolvierte und noch die Zeit fand, Werbung für die Social-Media-Trickshots von Mark Williams und Thepchaiya Un-Nooh einzustreuen, hatte für diese Machtdemonstration schon vor dem ersten Anstoß eine gewagte Charakterisierung gefunden: Für ihn sei Ronnie nichts weniger als „der Darth Vader des Snooker“. In Ronnies Augen dürfte sich allerdings eher Dawson den zweifelhaften Titel als „Fürst der Finsternis“ verdient haben …

Flüssige Stoßzeiten

Trotz des Einbruchs im Finale kann German-Masters-Titelverteidiger Ali Carter auf ein großes Turnier sowie mit vier Endspielen innerhalb eines Jahres auf ein starkes Comeback in die Weltspitze zurückblicken.

Dank seiner neun Centuries überflügelte er den bisherigen Turnier-Rekord seines Endspielgegners, gegen Titelverteidiger Judd Trump bewies er im Decider des Viertelfinals seine Nervenstärke, und beim 6:3 im Halbfinale gegen Mark Allen gelangen ihm als erstem Masters-Teilnehmer des ersten halben Jahrhunderts drei Centuries in Folge.

Carters Matchplay hat durch das Coaching von Chris Henry spürbar gewonnen. Henrys vorrangiges Ziel sei stets, „in jedem Spieler das instinktive Spiel zu wecken“, wie es Shaun Murphy ausdrückte. Carter demonstrierte dies vor allem mit seinem flüssigen Breakbuilding und beschleunigten Stoßzeiten von unter 20 Sekunden.   

Maxxximale Glücksmomente

In den 49 Jahren zuvor hatte es lediglich drei Maximum Breaks durch Kirk Stevens (1984), Ding Junhui (2007) und Marco Fu (2015)  gegeben. Im Jubeljahr waren es gleich zwei 147er: Erneut Ding Junhui mit blitzsauberer Spielballkontrolle im Achtelfinale gegen Ronnie und Mark Allen dank einer mit spektakulären Bällen garnierten Thriller-Variante im Viertelfinale gegen Mark Selby.

2025 in Liga zwei

Weltmeister Luca Brecel erlebt nach wie vor eine nahezu völlig missratene Saison. Im Auftaktmatch gegen Jack Lisowski ging er wenig kugelsicher mit 2:6 unter. „Es war furchtbar“,  kommentierte er seine erschreckend schwache Form. Wenn ich so weitermache, spiele ich 2025 in der Q School.“ Luca kündigte an, er wolle sich zur Abwechslung ernsthaft am Trainingstisch darum bemühen, seine angeschlagene Reputation wieder aufzubauen.

Nach Sheffield auf die harte Tour

Ebenfalls nicht aus den Klötzen kommt Seriensieger Neil Robertson, aktuell Nummer 88 der Ein-Jahres-Weltrangliste. Gegen den starken Barry Hawkins gelangen ihm immerhin zwei Centuries in Folge. Als derzeitige Nummer 30 des provisorischen Crucible-Rankings dürfte er vermutlich gezwungen sein, sich auf die harte Tour für die WM zu qualifizieren.

Schicksal hauchdünn

Von den drei „Dauerverlierern“ des laufenden Spieljahrs zeigte sich lediglich Kyren Wilson zufrieden. Er verlor sein mutig geführtes Match gegen Judd Trump hauchdünn im Decider. Ein minimaler Stellungsfehler nach 56 Punkten eröffnete Judd die Chance zu einem makellosen Weltklasse-Steal. „Mein Spiel ist okay“, sagte Kyren später achselzuckend. „Ich fühle mich gut am Tisch. Dieses Ergebnis spiegelt einfach meine ganze Saison wider. Es kommen auch wieder bessere Tage …“

Feudeln im Palast

Eines dürfte sich allerdings auch 2025 im Alexandra Palace nicht ändern. Die Invasion der Fliegen, von denen viele während der Matches auf dem grünen Tuch landeten und sich für die bunten Kugeln interessierten. Ursache: das Remmidemmi der alkoholisierten Horden bei der Darts-Weltmeisterschaft an gleicher Stelle in den Tagen zuvor.

Ronnie machte seine Kritik öffentlich: „Ich bin schon ein bisschen ein Sauberkeitsfanatiker.“ Backstage sei es „sehr schmutzig und kalt. Es macht mich krank.“ Auch WPBSA-Vorstand Shaun Murphy sprang ihm bei: „Die Überbleibsel der 14-tägigen Dauerparty sind unübersehbar, keine Frage, aber es ist nun mal eine Event-Arena.“

Die Leitung des Palasts hat in der Zwischenzeit angekündigt, man werde in Zukunft noch mehr darauf achten, sämtliche Bierpfützen und Fast-Food-Krümel aus den Ritzen zu feudeln.

Text: Matthias Breusch, Snooker-Geschichten (satz-ball.de)

 

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