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Freitag, 28 Mai 2010 18:22

Konkurrenz für Barry Hearn? / Updated

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Schon am 05.05.10, bei der Probeabstimmung für die offizielle Mitgliederversammlung am 02.06.10 gab es ein überraschendes Gegenangebot zu Hearn’s Plänen für Snooker…

… damals kam es von Doyle (wie am 06.05.10 hier berichtet), der aber nicht bei den Spielern punkten konnte.

Das jetzige Angebot kommt von John Davison, der einen offenen Brief mit dem Angebot an die Spieler und den WPBSA Vorstand schickte. John Davison, selber früher olympischer Sportler gewesen, kennt den Alltag eines Sportlers und weiß, welche Belange bei einem solchen Leben entscheidend sind. Inzwischen hat er seine Karriere als Sportler aber beendet und sich einen Namen als professioneller Investor gemacht, arbeitete unter anderem als Partner der Investmentfirma bridgepoint.

Davison hatte bereits 2002 versucht, die Zukunft von Snooker zu gestalten. Das sogenannte „Altium – Angebot“ scheiterte damals aber daran, dass die Mehrzahl der Spieler es nicht unterstützte. Liest man sich die Berichterstattung aus 2002 durch, so lag es wohl unter anderem daran, dass die Spieler das Gefühl hatten, dass das Altium Angebot nicht viel mehr war, als eine Fassade für Lee Doyle um Snooker übernehmen zu können. Altium bestritt das damals, aber es nützte nichts, das Angebot wurde abgelehnt. Dieses Mal ist es keine Firma wie Altium, die das Angebot macht, sondern eben John Davison selber.

Die folgenden Inhalte hat sein jetziges Angebot:

1) Die Saison 2010 wird aus 10 Ranking Events bestehen, Plus 6 PTC Turniere, Plus 2 Einladungsturniere. 2011 soll dann noch ein weiteres, neues Rankingturnier dazu kommen.

2) Das Rankingsystem wird in Absprache mit der WPBSA, den Spielern und den Vertretern der Spieler organisiert.

3) Alle Spieler bekommen eine Krankenversicherung, eine Unfallversicherung und Reiseversicherung. Auch Ausfälle von Geldern wegen gestrichenen Flügen sollen kompensiert werden.

4) Ein Preisgeld von 5 Millionen Pfund ist in der Saison 2010/2011 garantiert. 2011/2012 soll es ansteigen auf 5,2 Millionen Pfund und 2012/2013 sollen es 5,4 Millionen Pfund sein.

Allerdings fliegen auch hier den Snookerspielern und der WPBSA die gebratenen Tauben nicht in den Mund. John Davison stellt, genau wie Hearn, einige Anforderungen für diese Leistungen:

1) Er will 63% der Werberechte an Snooker für die Summe von 315.00 Pfund der WPBSA abkaufen. Dieses Geld soll als Sonderdividende an die Spieler ausgezahlt werden, sobald der Deal perfekt geworden ist.

2) Er will diese Rechte für die Dauer von 15 Jahren behalten.

3) Die restlichen 37 % der Werberechte verbleiben bei der WPBSA, die diese Rechte für die Spieler verwaltet. Diese 37 % werden als das Eigenkapital der Spieler angesehen, was sie mit einbringen. Davison nimmt an, dass seine Investition sowohl für ihn, als auch für die Spieler eine Dividende einbringen wird. Jeder der Top 64 Spieler wird einen gleichgroßen Anteil dieser Dividende erhalten, der sich aus den 37 % Eigenkapital ergibt. Auszahlen will Davison diese Dividenden am Ende der Saison bei der Saison – Ende – Preisverleihung, die er wieder einführen will.

4) Die WPBSA erhält am 1 Tag von Davisons „Machtergreifung“ eine Summe von einer Million Pfund, die als Grundkapital dienen soll. Weiterhin erhält die WPBSA jedes Jahr 250.000 Pfund. Von diesem Geld sollen die Aufgaben der WPBSA finanziert werden.

5) Momentan hat die WPBSA Geldreserven von 3,5 Millionen Pfund (woher Davison diese summe hat, wird nicht ganz klar). Nach der Übernahme der WSA von Davison verbleiben eine Million Pfund bei der WPBSA, der Rest geht an die WSA, den kommerziellen Arm der WPBSA. 1, 5 Millionen Pfund werden von der WSA in die Entwicklung neuer Ranglistenturniere investiert. (Was mit den übrigen Million Pfund passiert, erklärt Davison nicht).

Davison verlangt also nicht weniger als Hearn von den Spielern, sondern eher mehr. Er will die WSA für eine Dauer von 15 Jahren kontrollieren und anders als Hearn gibt er bei Misserfolg die Rechte nicht automatisch wieder an die WPBSA zurück. Ein weiterer Unterschied: Hearn’s Angebot beinhaltet eine Garantie, dass er Verluste aus der eigenen Tasche ausgleichen wird, wenn es welche geben sollte. Solche Zusagen macht Davison nicht.

Davison will die neue WSA natürlich nicht alleine managen, sondern bringt folgende Leute mit: Karl Bistany, ein Sportrechtsagent der bereits die Medienrechte der UEFA, Premier League (Fussball) u. A. vertrat. Auch war er als unabhängiger Berater für die UEFA, Guinness, Bundesliga und Real Madrid tätig. Jolyon Armstrong, der schon damals bei dem ersten Versuch von Davison in 2002 an seiner Seite stand. Armstrong ist ebenfalls ehemaliger Athlet und Experte für Events und Medien seit 30 Jahren. Er arbeitete für die BBC, ITV, BMW und viele Andere namhafte Firmen.

Anders als das Angebot von Doyle am 05.05.10, dass doch etwas nach einer Torschlussaktion aussah, scheint dieses Angebot von Davison wohl durchdacht. Am 02.06.10 findet eine Mitgliederversammlung der WPBSA statt, auf der eigentlich über das Angebot von Hearn abgestimmt werden sollte. Noch ist aber unklar, ob die WPBSA diese Versammlung aufgrund des neuen Angebotes verschiebt, um allen Spieler und sich selbst die Gelegenheit zu geben, das neue Angebot zu prüfen, oder das Angebot nur dann Beachtung findet, wenn der Plan von Hearn am 02.06.10 abgelehnt wird.

Klar ist aber eines: Das Angebot von Davison ist ein ernstzunehmendes Gegengewicht zum Hearn Plan.

Quellen:

110sport.tv

BBC

Update 29.05.10: zwei Tage, nachdem John Davison das Angebot gemacht hat, erhält er erste Unterstützung von Peter Ebdon und Stephen Hendry. Ebdon führt an, dass Davison die WSA nur für 15 Jahre "leihen" möchte und dann zurückgeben würde, wenn das gewünscht wird, wohingegen Hearn keine Zeit genannt hat. Hendrsy lobte Davison als Mann mit viel Erfahrung im Sport Business.

Hendry im Detail: skysport


Ebdon im Detail: skysports

Die SPA (Snooker Players Association), die zu Endzeiten des Walker - Regimes als Gegengewicht zur WPBSA gegründet wurde, forderte die WPBSA auf, einen unabhängigen Sachverständigen zu bezahlen, der beide Angebote genau prüfen und seine Ergebnisse dann allen Spielern zur Verfügung stellen soll. Erst anschließend soll nach dem Willen der SPA abgestimmt werden. die SPA selber hat nicht die Ressourcen, um einen unabhängigen Sachverständigen bezahlen zu können, weswegen sie die WPBSA dazu aufforderte. (Quelle: TSF)

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Thomas Hein

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